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Divers ins All: Die Esa sucht neue Astronauten und Astronautinnen

  • Auf den Spuren von „Astro-Alex“: Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) sucht erstmals seit elf Jahren neue Astronautinnen und Astronauten.
  • Der Bewerbungsprozess beginnt am 31. Dezember.
  • Die europäische Raumfahrt soll nach Wunsch der Esa diverser werden.
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Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) sucht neue Astronauten – und, das kann man extra betonen, neue Astronautinnen. Erstmals seit elf Jahren lädt die Esa wieder Menschen ein, sich für den einzigen Job der Welt zu bewerben, dessen Einsatzort fernab der Erde ist. Das Interesse dürfte wieder groß sein. Als die Esa 2008/2009 ein neues Auswahlverfahren startete, gingen mehr als 8000 Bewerbungen ein. Ausgewählt wurden sechs Menschen – unter ihnen der Deutsche Alexander Gerst und, als einzige Frau, die Italienerin Samantha Cristoforetti. Tatsächlich lässt sich die Zahl der Europäerinnen, die für die Esa im All waren, ohne Mühe an einer Hand abzählen – im Unterschied zu ihren Kolleginnen von der Nasa.

„Vielfalt ist ein Gewinn“

Das soll sich nun ändern. Schon in einer ersten Ankündigung wies die Esa explizit darauf hin: „Esa ermutigt Frauen ausdrücklich dazu, sich zu bewerben. Diversität ist für die Weltraumagentur von größter Wichtigkeit.“ Insgesamt sucht die Esa vier bis sechs sogenannte Karriereastronauten. Die Auserwählten werden dann fest angestellte Esa-Mitarbeiter und für die Weltraummissionen eingesetzt. „Es ist Zeit, nach neuen Astronauten zu suchen, und ich bin sicher, wir werden die besten finden“, sagte Esa-Generaldirektor Jan Wörner am Dienstag bei einer Onlinepressekonferenz. „Vielfalt ist ein Gewinn“, so Wörner.

„Wir werden sehen, ob sich tatsächlich etwas im Auswahlverfahren ändern wird“, sagte Claudia Kessler, Luft- und Raumfahrtingenieurin aus Bremen, im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie hat 2016 „Die Astronautin“ ins Leben gerufen. Die Stiftung hat das Ziel, eine deutsche Frau auf die ISS zu bringen. Bislang seien die Kriterien von Männern gemacht, so Kessler.

ESA sucht auch „Parastronauten“

Die Diversitätsinitiative der Esa beschränkt sich aber nicht nur auf das Geschlecht, das Alter oder die Herkunft: Im Rahmen der „Parastronaut“-Machbarkeitsstudie sucht die Esa eine Astronautin oder einen Astronauten mit einem bestimmten Grad an körperlicher Behinderung. Dazu gehören zum Beispiel Menschen, die kleiner als 1,30 Meter sind. Dann soll ausgelotet werden, unter welchen Umständen die Person „im Rahmen einer sicheren und nützlichen Mission zur Internationalen Raumstation ISS fliegen kann“. Bis dahin bleibt der Kandidat oder die Kandidatin im Reservepool.

Tatsächlich hat das Klischee vom draufgängerischen und risikofreudigen Muskelprotz im All, wie er manchmal in Filmen dargestellt wird, wenig mit der Realität zu tun. „Beim Beruf Astronaut ranken sich leider viele Gerüchte um die Anforderungen“, sagte der deutsche Astronaut Alexander Gerst. Viele Menschen würden sich leider nicht bewerben, weil sie denken, sie würden eh nicht genommen werden. Er selbst sei auch nicht davon ausgegangen, ausgewählt zu werden, so Gerst. Astronauten müssen allerdings keine Supermänner oder Superfrauen, sondern vor allem Allrounder und Teamplayer sein. „Das wirklich Wichtige ist Teamfähigkeit in einem multikulturellen und interdisziplinären Umfeld“, sagte Rüdiger Seine, Teamleiter Weltraumtraining.

Astronaut Gerst rät: Authentisch und offen sein

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Wer sich bewerben möchte, sollte außerdem mindestens einen Masterabschluss in einem naturwissenschaftlichen Fach haben, aber auch Ingenieure, Mathematiker, Informatiker oder experimentelle Testpiloten können sich bewerben. Bewerber und Bewerberinnen sollten mindestens drei Jahre Berufserfahrung nach dem Abschluss aufweisen können. Fließend Englisch zu sprechen ist Pflicht. Wer sich dann unter anderem noch auf unregelmäßige Arbeitszeiten und lange Abwesenheit von zu Hause einstellen kann sowie unter Druck Ruhe beweist, kann ab dem 31. März eine Bewerbung in Betracht ziehen. Eingereicht werden müssen zum Beispiel der Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und eine medizinische Bescheinigung. Man sollte authentisch und ganz offen und ehrlich sein, rät Gerst zukünftigen Bewerbern und Bewerberinnen.

Das Auswahlverfahren läuft in sechs Stufen ab und soll im Oktober 2022 abgeschlossen sein. Hat man es bis in das Astronautenkorps geschafft, beginnt die mehrjährige Ausbildung. Deutsche Weltraumfans können sich in diesem Jahr schon einmal auf einen anderen Termin freuen: Der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer soll Ende 2021 zur ISS fliegen. Er wäre der zwölfte Deutsche im All und der vierte Deutsche auf der ISS.

RND

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