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Dieser kuriose Wurm lässt Schnecken wie tanzende Raupen aussehen

Ein parasitärer Wurm, der seinen Wirt einer Gehirnwäsche unterzieht? Klingt wie ein schlechter Film. Doch Schnecken können tatsächlich von so einem Parasiten befallen werden - und werden in absurde Gestalten verwandelt.

Ben Kendal
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Würmer können für Menschen ein großes Problem sein: Manche Parasiten können Durchfall verursachen, andere - wie der Fuchsbandwurm - können Leber, Lunge und Gehirn befallen. Doch mit so einem kuriosen Wurm hat der Mensch noch nicht zu kämpfen gehabt: Der “Leucochloridium”-Parasit verwandelt Schnecken in absurde Gestalten mit “tanzenden” Augen.

So sieht das im Video aus:

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Wurm befällt zunächst die Augenstiele der Schnecken

Der Parasit befällt zunächst die Augenstiele von Schnecken. Dort pulsiert der Wurm, um wie zwei Raupen auszusehen. Das Pulsieren lässt die Augenstiele so aussehen, als würden sie tanzen. Dadurch werden Vögel angelockt, die die Augen der Schnecke angreifen und essen, wie eine Studie aus dem Jahr 2013 berichtet.

In der Biologie wird dieser Prozess “aggressives Mimikry” genannt. Die Schnecken werden also einer Art Gehirnwäsche unterzogen, damit sie von Vögeln gefressen werden können. Wenn Vögel den Parasiten gefressen haben, brütet der Leucochloridium seine Eier in ihren Gedärmen aus. Diese werden wiederum von Vögeln ausgeschieden - und der Kot von Schnecken gefressen. So geht das Spiel von vorne los.

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Parasit wächst “wie ein Tumor” und kastriert Schnecken

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2013 hat der Biologe Tomasz Wesołowski in der Universität Breslau in einer Studie herausgefunden, dass der Wurm in der Lage ist, seinen Wirt zu manipulieren. In der Schnecke wird das Ei zu einer sogenannten Sporocyste, die “mehr oder weniger wie ein Tumor wächst”, sagte Wesołowski. Sie platziert sich meist in der Leber der Schnecke und sieht wie ein Haufen weißes Gewebe aus. Die Sporocyste hat keinen Mund, saugt aber die ganzen vom Wirt aufgenommen Nährstoffe über ihre Haut auf.

Der Parasit richtet sogar noch mehr Schaden an: Er kastriert die Schnecke, um sich selbst selbst zu versorgen. Denn wenn Schnecken Eier und Spermien produzieren (sie sind Zwitter), verbrauchen sie viel Energie. Der Saugwurm leitet diese Energie in die Augenstiele um, in denen Brutsäcke voller Larven geformt werden. Diese Larven lassen die Augenstiele wie zwei tanzende Rauben aussehen - und verhindern, dass die Schnecke sie wie üblich zurückziehen kann.

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Nachtaktive Schnecken werden auch bei Tageslicht ins Freie gedrängt

Der parasitische Saugwurm ist also ein mieser Feind für Schnecken. Der Leucochloridium hat eigentlich nur ein Problem: Schnecken sind meist nachtaktiv, Vögel jedoch nicht. Allerdings manipuliert der Wurm das Verhalten der Schnecke so sehr, dass sie sich auch bei Tageslicht nicht mehr verkriecht. Unklar ist auch nach der Studie noch, wie der Parasit Tag und Nacht unterscheiden kann. Und das, obwohl die Parasiten über kein Nervensystem oder Organe verfügen. “Am erstaunlichsten ist es, dass die Brutsäcke nur bei Tageslicht pulsieren”, sagte Wesołowski.

Doch für die betroffenen Schnecken gibt es trotz der Horrorshow eine gute Nachricht: Da Vögel nur an den raupenartigen Augenstielen interessiert sind und alles andere nicht essen, überleben die Schnecken meist. Mit der Zeit können sie sich auch wieder fortpflanzen - und die verloren geglaubten Augenstiele wachsen sogar nach.