Diese neuen Medikamente sollen 2019 auf den Markt kommen

Mehr als 30 neue Medikamente sollen in diesem Jahr ihre Zulassung erhalten. Unter anderem sollen es Präparate gegen bestimmte Krebsarten, resistente Bakterien und Diabetes auf den Markt schaffen.

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Berlin. Diverse Krebserkrankungen, multiresistente Bakterien und seltene Genkrankheiten, die von Geburt an das Leben der Patienten beeinträchtigen: Es gibt unzählige Diagnosen, für die noch nicht das passende Medikament gefunden ist. Die deutsche Pharmaindustrie investiert daher nach eigener Aussage mehr als fünf Milliarden Euro jährlich in die Medikamentenentwicklung. Welche neuen Medikamente 2019 auf den Markt kommen könnten, darauf hat der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) nun einen Ausblick gegeben.

„Für viele Patienten wird es 2019 neue Behandlungsmöglichkeiten geben. Denn Pharma-Unternehmen haben für zahlreiche neue Medikamente die europaweite Zulassung beantragt.“ Das sagte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa jetzt in Berlin. Der Verband, dem als Mitglieder zwei Drittel des deutschen Arzneimittelmarktes angehören, schätzt, dass 2019 in Deutschland mindestens 30 neue Medikamente auf den Markt kommen können. Wogegen diese helfen sollen, lesen Sie hier:

Neue Antibiotika helfen bei resistenten Bakterien

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Antibiotika – Medikamente gegen schädliche Bakterien – gehören zu den Errungenschaften der modernen Medizin. Lungenentzündung, Wundinfektionen, Scharlach, Syphilis und viele weitere Krankheiten haben durch sie ihren Schrecken verloren. Unter den Todesursachen rangieren bakterielle Infektionen deshalb heute in Deutschland weit hinter den Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs.

Allerdings: Immer häufiger kommt es zu Resistenzen, das Antibiotika schlägt nicht mehr an. In diesem Jahr könnten gleich mehrere neue Antibiotika verfügbar werden, die auch bei Bakterien mit Resistenzen wirksam sind. Zwei Mittel haben bereits die Zulassung erhalten, und für vier weitere ist die Zulassung beantragt – unter anderem finden diese Einsatz bei komplizierten Infektionen des Bauchraums sowie bei Haut-, Lungen- Bauch- und Harnwegsentzündungen.

Mediziner kritisieren allerdings, dass bei Weitem nicht so viel Antibiotika-Forschung betrieben werde wie nötig sei. Etwa 33.000 Menschen sterben europaweit jährlich infolge von resistenten Keimen, die etwa über Wunden nach einer Operation in den Körper gelangen. Die Infektionen haben sich fast verdoppelt.

Jedes dritte neue Medikament hilft gegen Krebs

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Auch gegen Grippe, Milzbrand und HIV-Infektionen sind neue Medikamente in der Zulassungsphase. 2019 soll jedes dritte neue Medikament auf dem Markt den Kampf gegen Krebs aufnehmen. "Der Bedarf an weiteren Verbesserungen für die Onkologie ist hoch", betonte die vfa-Geschäftsführerein. Jeder zweite Deutsche erkranke im Laufe seines Lebens an einer Art von Krebs. Krebs ist in Deutschland damit weiterhin die zweithäufigste Todesursache. Die Vermutung, dass Menschen, die depressiv sind, eher zu Krebs neigen, konnte eine Studie im Januar belegen. Fest steht aber: Eine gesündere Lebensweise kann Krebs erfolgreich vorbeugen.

In diesem Jahr sollen vier neue Medikamente gegen Lungenkrebs – genauer: gegen das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom – auf den Markt kommen. Weitere Medikamente richten sich gegen Hautkrebs (genauer: kutanes Plattenepithelkarzinom), bestimmte Formen der Leukämie sowie gegen Lymphknoten-, Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs. Erstmals soll in Europa ein Medikament auf den Markt kommen, das sich nicht gegen eine bestimmte Krebsart richtet, sondern organübergreifend gegen eine bestimmte Gen-Mutation eingesetzt werden kann. Zudem soll auch in diesem Jahr ein Medikament marktreif werden, das körpereigene Immunzellen gegen die Tumorzellen „mobilisieren“ kann.

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Medikamente gegen Störungen der Blutgerinnung

Um Schlaganfällen und Thrombosen vorzubeugen, nehmen viele Menschen sogenannte Blutverdünner. Teils nur für kurze Zeit, teils ein Leben lang. Ein besonderes Risiko bei der Einnahme von Blutverdünnern besteht, wenn es spontan zu einer Notfalloperation kommt. Das Blutungsrisiko ist dann besonders hoch. 2019 soll ein Medikament auf den Markt kommen, das genau in diesen Momenten die volle Gerinnungsfähigkeit des Blutes wiederherstellt. Auch für Patienten, die den Gerinnungsfaktor VIII, den Von-Willebrand-Faktor oder eine Störung der Blutplättchen aufweisen, sollen neue Medikamente Abhilfe schaffen.

Neue Heilmittel gegen Volkskrankheiten – und für seltenere Diagnosen

Migräne, Hautkrankheiten und Diabetes Typ 1: Diese Krankheiten sind in Deutschland weit verbreitet und somit auch für die Pharmaindustrie interessant. Für all diese Diagnosen soll es 2019 neue Medikamente geben. Unter anderem soll es für Diabetiker ein Mittel zum Schlucken auf den Markt schaffen, das die Zuckerkontrolle erleichtert.

Medikamente, die gegen seltene Krankheiten helfen, bezeichnet man als „Orphan Drugs“ (aus dem Englischen übersetzt: „Medikamente für Waisen“). Wirtschaftlich ist die Forschung und Entwicklung dieser Heilmittel nicht, gibt es doch nur wenige Abnehmer. Die Pharma- Unternehmen entsprechen damit vielmehr den Forderungen von Patienten-Selbsthilfegruppen, Ärzten, Politik und der EU-Kommission nach verstärktem Engagement auf diesem Gebiet. 2019 soll unter anderem eine Gentherapie gegen die Lebersche Amaurose und die Retinitis pigmentosa ihre Zulassung erhalten – in beiden Fällen handelt es sich um angeborene Krankheiten, die unbehandelt zur Erblindung führen können.

Medikamente sollen gegen Fälschung gesichert werden

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Um Patienten vor gefälschten Arzneimitteln zu schützen, werden die Hersteller ab Februar Schritt für Schritt alle Verpackungen ihrer rezeptpflichtigen Medikamente mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen versehen. Dadurch soll jede Verpackung zum Unikat werden – Krankenhäuser und Apotheker können die Medikamente so auf ihre Echtheit prüfen, bevor sie zum Einsatz kommen. Das neue Sicherheitssystem gilt nicht nur für neue Medikamente, sondern auch für jene, die teils schon seit Jahrzehnten auf dem Markt sind.

Von RND/Carina Bahl