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Diese Fische schaffen völlig neue Arten, wenn sie Sex haben

  • Buntbarsche gelten als Meister der Turbo-Evolution. Immer wieder entwickeln sie andere Muster und Formen.
  • Ein Forscherteam hat jetzt herausgefunden, warum das so ist: Das Wasser der Seen war so trübe, dass sich die Weibchen schlichtweg in der Partnerwahl vertan haben.
  • Diese irrtümlichen Eskapaden lösten in relativ kurzer Zeit eine Explosion neuer Fischarten aus.
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Wenn Menschen den falschen Partner wählen, steht am Ende bestenfalls eine Trennung. Wenn aber Buntbarsche sich in der Partnerwahl vertun, kann sich eine völlig neue Art entwickeln. Das ist also einer der Hauptgründe, warum dieser kleine bunte Fisch so außergewöhnlich vielfältig ist und etliche leuchtende Muster, Formen und Größen aufweist. Das schreibt ein internationales Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der „Nature Communications“.

Buntbarsche (Cichliden), die normalerweise in den Süßwasserseen Afrikas vorkommen, haben die Angewohnheit, ihr Liebesspiel mit dem falschen Partner zu treiben. Wenn das Wasser trüb und die Details verschwommen sind, können die Weibchen versehentlich neue Gene in ihre Art einbringen, wie eine zehnjährige Studie über den Mweru-See im Kongo ergab. „Dies könnte daran liegen, dass das Wasser bei der Entstehung des Sees sehr trübe war und die Farben nicht richtig gesehen wurden, sodass die Frauen nicht so wählerisch waren, wenn sie einen Partner in ihrer neuen Umgebung auswählen“, zitiert das Wissenschaftsmagazin „Science Alert“ die Evolutionsbiologin Joana Meier von der Universität von Cambridge.

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2000 Arten sind bisher bekannt

„Die Paarung von unterschiedlichen Cichliden brachte sehr unterschiedliche Nachkommen hervor, die die genetischen Merkmale beider Elternarten kombinierten“, so die Wissenschaftlerin weiter. Die Studienautoren gehen davon aus, dass diese irrtümlichen Eskapaden in relativ kurzer Zeit eine Explosion neuer Fischarten auslösten. Tatsächlich sind Cichliden heute eine der vielfältigsten Fischgruppen auf der Erde, derzeit sind gut 2000 Arten bekannt – doch Wissenschaftler vermuten, dass es noch viel mehr gibt.

Im Lake Mweru wurden für die Studie 40 neue Arten untersucht. Als der See vor etwa einer Million Jahren zum ersten Mal geformt wurde, enthielt dieses Gewässer nur Buntbarsche aus dem Kongo und dem Sambesi.

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Vom Algenfresser bis zum Raubtier

Weitere DNA-Analysen ergaben, dass diese neuen Fische aus einer Mischung beider Vorfahren stammen. „Wir haben eine überwältigende Vielfalt von neuen Arten gefunden, die bisher unbekannt waren“, sagt Meier. Die neuen Arten von Cichliden hätten sich angepasst, um alle verfügbaren Nahrungsressourcen im See zu nutzen. Einige ernährten sich von Insektenlarven, andere von Zooplankton oder Algen. Meier: „Einige neu entdeckte Fische sind Raubtiere mit großen Zähnen, die wir ‚Großzahn-Serranchromine‘ nannten.“

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Viele Cichliden, die heute noch leben, haben sich den Autoren zufolge erst in jüngster Zeit entwickelt – also in den letzten Millionen Jahren. Im Malawisee schwimmen zum Beispiel mehr als 800 Arten, die von den ursprünglichen Buntbarschen abstammen, die dort vor bis zu zwei Millionen Jahren lebten. Im Viktoriasee gibt es demnach mehr als 700 verschiedene Arten von Buntbarschen, die sich alle in den letzten 150.000 Jahren entwickelt haben.

Arten sind genetisch kompatibel

Diese Turbo-Evolution habe viele verschiedene Arten hervorgebracht, die genetisch kompatibel seien. Dadurch seien lebensfähige und fruchtbare Hybridnachkommen entstanden. Als die Forscher dies im Labor testeten, stellten sie fest, dass die Weibchen für die Partnerwahl verantwortlich sind. Und manchmal, wenn das Licht schwach war oder das Männchen ähnliche Farben hatte, hat das Weibchen offenbar die falsche Wahl für das Sexspiel getroffen.

Dies war wahrscheinlich der Fall, als die ursprünglichen Linien der Buntbarsche in einem neu gebildeten See aufeinander trafen, resümieren die Autoren in den „Nature Communications“.

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