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Dient dem Klimaschutz: Kälber können „Toilettengang“ lernen

  • Das Team wurde zwar für „verrückt“ erklärt, doch ihre Forschung könnte zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beitragen.
  • Forschende haben es geschafft, Kälbern beizubringen, auf Toilette zu gehen.
  • So konnten sie den im Urin vorhandenen Stickstoff auffangen und beseitigen.
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Wellington/Dummerstorf. Kälber können offenbar darauf trainiert werden, ihren Urin auf einer Art Toilette abzugeben – das soll sowohl dem Klima- als auch dem Umweltschutz dienen. Neuseeländische und deutsche Forscherinnen und Forscher schafften es, den meisten von 16 am Experiment teilnehmenden Tiere beizubringen, ihren Urin, in dem viel Stickstoff ist, erst einmal zu halten, teilten die Wissenschaftlerin Lindsay Matthews und der Wissenschaftler Douglas Elliffe von der Universität Auckland am Dienstag mit. Die Tiere sollten dann in eine „Toilette“ urinieren. Ziel war es, so den Stickstoff aufzufangen und zu beseitigen, bevor er Wasser verschmutzt oder sich in langlebiges Treibhausgas verwandelt.

An dem Projekt waren Forschende der Universität Auckland, Wissenschaftler des zum Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gehörenden Instituts für Tierschutz und Tierhaltung in Celle (Niedersachsen) und das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf beteiligt. Das FBN hatte bereits 2020 darüber berichtet. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht.

Effektives Training zeigte Wirkung

Der Bauernhof, auf dem das Training stattfand, wird vom FBN in Dummerstorf betrieben. Wenn die Kälber an der falschen Stelle urinierten, ließen die Wissenschaftler die Halsbänder der Tiere vibrieren, hieß es weiter. Wenn sie dann aber tatsächlich in den Latrinenstall urinierten, wurden sie mit Futter belohnt. Der Stall unterschied sich von den anderen auch durch seine leuchtend grüne Farbe.

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Matthews sagte: „Manche Leute trainieren ihre Kinder auf diese Weise – sie setzen sie auf die Toilette, warten, bis sie pinkeln, und belohnen sie dann, wenn sie es tun. Es hat sich herausgestellt, dass das auch bei Kälbern funktioniert.“ In kürzester Zeit habe sich gezeigt, dass die Kälber den Zusammenhang zwischen dem gewünschten Verhalten und der Belohnung verstanden hätten. Am Ende des 15-tägigen Trainings hätten drei Viertel der Tiere drei Viertel ihres Urins auf der Toilette abgesetzt.

Urin ist Hauptursache für Stickstoffproblem

Elliffe sagte: „Wenn wir 10 oder 20 Prozent der Urinausscheidungen auffangen könnten, würde das ausreichen, um die Treibhausgasemissionen und die Nitratauswaschung erheblich zu reduzieren.“ Der Urin von Rindern sei eine der Hauptursachen für das Stickstoffproblem. Jede Verringerung dieses Anteils würde etwas bewirken.

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Rülpser und Blähungen sind größeres Problem

Die Forschung begann mit einer halb im Scherz gemeinten Frage in einer neuseeländischen Radio-Show und führte zu einer ernsthaften Studie. Dabei ging es um das sehr reale Problem der Abfälle aus der Tierhaltung. Die Urinausscheidungen seien ein ernstes Umweltproblem, sagte Matthews. Urin enthält Stickstoff, und wenn er sich mit Fäkalien vermischt, entsteht Ammoniak, das unter anderem zu saurem Regen führt, wie der Wissenschaftler erklärte.

Es kann auch das Wasser mit Nitraten verunreinigen und den Luftschadstoff Distickstoffoxid, Lachgas, erzeugen. Laut Matthews würden sie von vielen Menschen „verrückte Wissenschaftler“ bezeichnet. Aber die Bausteine für weitere Forschung seien so vorhanden.

Ein anderes, größeres Problem ist jedoch noch nicht gelöst: Die Rülpser und Blähungen von Rindern sind eine bedeutende Quelle von Methan, das erheblich zur Erderwärmung beiträgt. Die Tiere könnten nicht darauf trainiert werden, das zu unterlassen, „sie würden platzen“, so Matthews.

RND/dpa/mit AP

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