Der Blob: Ein ungewöhnliches Wesen im Pariser Zoo

  • Im Zoologischen Garten von Paris wird eine neue Errungenschaft präsentiert, die sich Blob nennt.
  • Das Lebewesen hat kein Gehirn oder Mund, kann aber trotzdem Nahrung aufnehmen und sich fortbewegen.
  • Was steckt dahinter?
Michèle Förster
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Es ist schon ein ungewöhnliches Lebewesen, das der Pariser Zoo seinen Besuchern ab Samstag präsentiert. Neben dem Schildkrötengehege wird ein Wesen ausgestellt, das einem gelben Blatt ähnelt und weder Augen noch einen Mund hat. Trotzdem kann es Nahrung in Form von Pilzen und Bakterien verdauen. Die Rede ist vom Blob, einem Vertreter der Schleimpilze, die sich netzartig auf verrottetem Holz ausbreitet.

Der Blob ist lernfähig

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Der Blob heißt eigentlich gar nicht Blob, sondern Physarum polycephalum und gehört zu den Schleimpilzen. Dieses schwammartige, gelbe Wesen sieht auf den ersten Blick relativ gewöhnlich aus, trotzdem zählt es zu den wirklich spannenden Entdeckungen der Wissenschaft. Denn die Pilzart ist außergewöhnlich lernfähig: Der Blob kann sein Wissen an einen anderen Artgenossen weitergeben. Dabei ist vor allem die Fähigkeit, sich an seine Umgebung anpassen zu können, gemeint.

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Schleimiger Einzeller ist neuer Star im Pariser Zoo
1:11 min
Ein gelber, schleimiger Einzeller ist der neue Star im Pariser Zoo.  © AFP

Außerdem können sich die Organismen in einem Irrgarten orientieren und finden immer den kürzesten Weg. Seinen Namen verdankt das eigensinnige Gewächs übrigens dem Science-Fiction-Film „Blob – Schrecken ohne Namen“. In dem B-Movie aus den Fünfzigern frisst eine außerirdische Masse alles auf, was ihr in die Quere kommt.

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Dieses Lebewesen hat 720 Geschlechter

Eine weitere Besonderheit: Der Blob aus Paris hat nicht nur ein Geschlecht, sondern gleich 720. Allerdings pflanzt sich der Einzeller nicht auf dieselbe Weise wie Tiere fort, sondern überträgt seine Gene auf eine Empfängerzelle. Das erklärt auch, wieso sich der Blob so schnell ausbreiten kann.

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Mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Zentimeter pro Stunde bewegt sich das Lebewesen fort. Das gelingt, indem es das Plasma in seiner Zelle rhythmisch bewegt.

Bemerkenswert ist auch die Regenerationsfähigkeit dieser Pilzart. Zerteilt man den Blob, ist er innerhalb von zwei Minuten wieder zusammengesetzt und funktionsfähig. Diese Eigenschaft macht ihn praktisch unsterblich. „Der Blob gehört zu den großen Mysterien der Natur“, sagt Bruno David gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Direktor des Pariser Naturkundemuseums ist auch für den Zoologischen Garten und seine ungewöhnliche Neuanschaffung zuständig.