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Das Ozonloch haben wir im Griff – den Klimawandel also auch?

  • Als das Ozonloch entdeckt wurde, war die Bedrohung für die Menschheit konkret und akut.
  • Die Politik reagierte schnell – mit Erfolg.
  • Wer allerdings denkt, das müsste für die Erderwärmung auch funktionieren, irrt sich.
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Berlin. Wir haben ein Problem, ein riesiges Problem: Das wurde Mitte der 1980er-Jahre klar, als neue Messverfahren große Verluste der Ozonschicht über der Antarktis bewiesen. Die Schicht in 15 bis 30 Kilometern Höhe ist für den Menschen wichtig, weil sie die gefährlichen UV-Strahlen der Sonne abblockt.

Die Ozonzerstörer waren da bereits bekannt und eingrenzbar: Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz: FCKW. Sie steckten beispielsweise in Kühlschränken, Spraydosen und Feuerlöschern. Das Problem war konkret und äußerst dringend. So einigten sich viele Staaten erstaunlich schnell auf ein Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht, dem Montrealer Protokoll von 1987, das zum schrittweisen Verbot der FCKW führte. Inzwischen erholt sich die Ozonschicht langsam.

Wissenschaftliche Beweise, die zu Änderungen des menschlichen Verhaltens führen

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„Das Ozonloch ist ein perfektes Beispiel dafür, dass wissenschaftliche Beweise zu einem maßgeblichen Politikwechsel und anschließenden Änderungen des menschlichen Verhaltens geführt haben“, sagt der Leiter des Erdbeobachtungsprogramms der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Josef Aschbacher. „Dieses Beispiel soll als Inspiration für den Klimawandel dienen.“

Inspiration – die benötigt der Kampf gegen den Klimawandel. Aber vergleichbar sind die beiden Probleme nicht. Das zeigt sich schon an den Folgen der Forschermahnungen: Die erste wissenschaftliche Internationale Klimakonferenz tagte bereits 1979 in Genf – doch die Treibhausgase steigen immer noch an. Die Erwärmung der Erde ist nicht schlicht dadurch zu bekämpfen, dass man eine Gruppe von chemischen Stoffen verbietet, die man durch andere ersetzen kann.

Problematisch: Die Erderwärmung zu stoppen ist wesentlich schwieriger

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Im Fall der Erderwärmung sind viel weitreichendere Änderungen notwendig, die unser Leben stark verändern können. Kohle, Öl und Gas, bei deren Verbrennung Kohlendioxid (CO₂) frei wird, sind derzeit noch wichtige Grundlagen für unser Leben mit Strom, Heizung, Industrie und Verkehr. In vielen Bereichen gibt es keine günstigen Ersatzstoffe. Auch die intensiv betriebene Landwirtschaft und die Vernichtung von Waldflächen setzen Treibhausgase frei.

Wozu führen Treibhausgase wie CO₂, Methan oder Lachgas?

Treibhausgase wie CO₂, Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O) führen dazu, dass die vom Boden abgegebene Wärmestrahlung aufgehalten wird und nicht ins Weltall entweicht. Grundsätzlich verdanken wir diesem Effekt Temperaturen, die das Leben auf der Erde ermöglichen. Durch die Nutzung von fossilen Brennstoffen und industrielle Prozesse ist etwa die Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre allerdings um rund 45 Prozent gestiegen, sodass der natürliche Erwärmungseffekt verstärkt wird.

Erdsystem reagiert schon bei kleinen Schwankungen des atmosphärischen CO₂

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) analysierte mithilfe von Computersimulationen den CO₂-Gehalt in der Vergangenheit. Heute ist demnach mehr CO₂ in der Atmosphäre als wahrscheinlich je zuvor in den letzten drei Millionen Jahren. „Unsere Untersuchungen sind dabei nicht nur Simulationen: Wir haben unsere Ergebnisse mit Daten aus Proben aus der Tiefsee verglichen, und sie stimmen gut überein“, sagt Matteo Willeit vom PIK. Man habe nachweisen können, dass die Veränderungen des CO₂-Gehalts eine treibende Kraft bei den Eiszeiten gewesen seien – gemeinsam mit den damaligen Schwankungen der Erdbahn um die Sonne. Willeit erklärt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Erdsystem schon bei relativ kleinen Schwankungen des atmosphärischen CO₂ empfindlich reagiert. So faszinierend das ist, so beunruhigend ist es auch.“

RND/dpa