Darum vergessen wir die meisten Träume so schnell

  • Ob süßer Schlaf oder gruseliger Albtraum: Die meisten Träume sind am Morgen wieder vergessen.
  • Forscher könnten nun womöglich eine Erklärung gefunden haben: Das Gehirn löscht unnütze Informationen im Schlaf.
  • Sie untersuchten dazu die Funktion der sogenannten MCH-Zellen im Hypothalamus.
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Nagoya. Im Schlaf sorgen vermutlich spezielle Nervenzellen dafür, dass nicht benötigte Informationen gelöscht werden. Das berichten Wissenschaftler aus Japan und den USA im Fachmagazin „Science“. Ereignisse und Informationen, die wir während des Tages erleben und erhalten, werden während des Schlafs verarbeitet, schreiben die Forscher um Shuntaro Izawa von der Nagoya-Universität (Japan). Abhängig von ihrer Bedeutung würden sie entweder gelöscht oder gespeichert.

Für das Gehirn sei Vergessen ein aktiver Prozess – welche neurologischen Prozesse dem zugrunde liegen, sei allerdings kaum bekannt. Auch in welcher Schlafphase das passiere, sei weitgehend unklar. Die Erkenntnisse geben auch einen Hinweis darauf, warum Menschen ihre Träume kurz nach dem Aufwachen vergessen.

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In der REM-Phase wird besonders aktiv geträumt

Im Schlaf wechseln sich so genannte REM-Schlafphasen mit Non-Rem-Schlafphasen ab. Die erste REM-Schlafphase tritt etwa 90 Minuten nach dem Einschlafen auf. Sie sind unter anderem gekennzeichnet durch starke Augenbewegungen, ein Erschlaffen der Gliedmaßen und eine erhöhte Herzschlagrate. Die REM-Phase wird auch Traumschlaf genannt, weil der Schläfer dann besonders aktiv träumt.

Einige Untersuchungen hatten bereits vermuten lassen, dass während des REM-Schlafs Gedächtnisinhalte gelöscht werden. Die Forscher prüften nun die Rolle der sogenannten MCH-Zellen im Hypothalamus, einer erdnussgroßen Region tief im Gehirn. Ein Teil der Zellen ist nur während des REM-Schlafs aktiv, ein Teil nur während des Wachseins, ein Teil in beiden Phasen, berichten die Forscher. Sie fanden weiter, dass es von diesen Nervenzellen ausgehend viele Verbindungen zum Hippocampus gibt. Diese Hirnregion ist für die Gedächtnisbildung essenziell.

Zellen sorgen dafür, dass man Träume vergisst

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In Versuchen mit Mäusen deaktivierten die Wissenschaftler nun gezielt die MCH-Zellen während des REM-Schlafs. Es zeigte sich, das die Deaktivierung der Zellen mit einem besseren Gedächtnis einherging.

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„Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass MCH-Neuronen dem Gehirn helfen, aktiv neue, womöglich unwichtige Informationen zu vergessen“, erläutert Thomas Kilduff vom Center for Neuroscience am Stanford Research Institute International in Menlo Park (Kalifornien, USA).

Sie könnten vielleicht auch erklären, warum man Träume üblicherweise schnell vergisst. „Träume treten hauptsächlich während des REM-Schlafs auf – der Phase, in der die MCH-Zellen aktiviert werden. Die Aktivierung dieser Zellen verhindert möglicherweise die Speicherung der Trauminhalte im Hippocampus – folglich wird der Traum schnell vergessen.“

RND/dpa