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Wissenschaftler finden Beweise: Coronavirus ist kein Laborprodukt

  • Seit Ausbruch des Coronavirus jagt eine Verschwörungstheorie die nächste – es sei das Produkt absichtlicher virologischer Manipulationen.
  • Oder es sei aus einem Labor zur Entwicklung biologischer Kampfstoffe entwichen.
  • Alles Unfug, ist zumindest das Ergebnis einer Studie des kalifornischen Scripps-Research-Institutes.
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Immer wieder versuchen Verschwörungstheoretiker vor allem im Internet falsche Spuren zu legen. Das Coronavirus Sars-CoV-2 sei Produkt eines geheimdienstlich/militärischen Labors in China und durch einen Unfall oder durch Fahrlässigkeit von dort entwichen. Auf jeden Fall sei es menschengemacht. Dem widerspricht jetzt eine Studie des Cripps Research Institute im kalifornischen La Jolla, die im Fachblatt “Nature Medicine” veröffentlicht wurde.

Bereits das siebte Coronavirus, das Menschen infiziert

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“Das Coronavirus Sars-CoV-2”, so schreiben es die Wissenschaftler der Einleitung ihrer Studie “Zur näheren Herkunft des Sars-CoV-2”, “ist bereits das siebte Coronavirus, von dem bekannt ist, dass es Menschen infiziert. Sars-CoV, Mers-CoV und Sars-CoV-2 können schwere Verläufe verursachen, während HKU1, NL63, OC43 und 229E eher mit milden Symptomen assoziiert werden.”

In der Studie wurde untersucht, welche Rückschlüsse sich bezüglich der Herkunft von Sars-CoV-2 aus einer Vergleichsanalyse der genomischen Daten ziehen lassen. “Unsere Analysen belegen klar und deutlich, dass Sars-CoV-2 kein Laborkonstrukt oder ein absichtlich manipuliertes Virus ist.” Im “Ärzteblatt”, das ebenfalls über die Studie berichtet, sagt der Erstautor Kristian Andersen, Professor für Immunologie und Mikrobiologie am Scripps Research Institute: “Wir haben die vorhandenen Genom-Sequenzierungs­daten bekannter Coronavirus-Stämme verglichen und können mit Bestimmtheit sagen, dass Sars-CoV-2 durch natürliche Prozesse entstanden ist.”

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Anderson und seine Kollegen widmeten sich besonders einem speziellen Protein, dem sogenannten Spike-Protein, auf der Oberseite der Coronaviren, das für die Bindung an die Wirtszelle verantwortlich ist. Dabei fanden sie heraus, dass es zwei unterschiedliche Bestandteile dieses spezifischen Proteins sind, die für die Infektionskraft des Coronavirus verantwortlich sind: Das ist zum einen die Receptor Binding Domain (RBD), die für die Haftung des Virus an der Wirtszelle zuständig ist, und die Cleavage Site, die es dem Virus erlaubt, in die Wirtszelle einzudringen.

Effektives Andocken an menschliche Zellen

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Die Besonderheit von Sars-CoV-2 sei es, dass der sogenannte RBD-Bereich des Spike-Proteins so verändert ist, dass das Virus effektiv an menschlichen Zellen andocken kann. Die Effizienz, mit der das geschehe, könne nur durch einen natürlichen Prozess entstanden sein, folgern die Wissenschaftler – nicht etwa durch genetische Eingriffe in einem Labor.

Einen weiteren wichtigen Beweis für eine natürliche Entstehung liefere nach Angaben der Forscher die allgemeine molekulare Struktur von Sars-CoV-2. “Wenn jemand versuchen würde, ein neues Coronavirus als Pathogen zu entwickeln, würde derjenige doch die Struktur eines Virus nehmen, das bekanntermaßen krank macht”, erklärt Anderson. Doch die Struktur der Moleküle bei Sars-CoV-2 weist deutliche Differenzen zu bekannten Coronaviren wie Sars-CoV oder Mers auf. Es ähnelt vielmehr verwandten Viren, die man in Fledermäusen und Schuppentieren findet – was auch die These stützt, das Virus sei ursprünglich von Fledermäusen auf den Menschen übertragen worden, die auf einem Markt im chinesischen Wuhan zum Verzehr angeboten wurden.

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Wo die Ansteckungskraft herkommt, ist noch unklar

Was die Forscher allerdings noch nicht wissen, ist, ob sich das Virus durch natürliche Selektion schon in einem tierischen Wirt zu einem Pathogen (also einem Krankheitserreger) entwickelt hat – und dann auf den Menschen übergesprungen ist, wie etwa beim Virus Sars-CoV durch die Zibetkatze sowie beim Virus Mers durch Kamele. Die zweite Option wäre, dass das Virus noch keine krankheitserregenden Eigenschaften gehabt habe, als es auf den Menschen übergesprungen sei. Auch das spräche für Fledermäuse als Reservoir für Sars-CoV-2.

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Die Forscher schließen mit der Anmerkung, “obwohl die Beweislage belegt, dass Sars-CoV-2 kein vorsätzlich manipuliertes Virus ist, ist es zum heutigen Zeitpunkt unmöglich, eine der beiden oben genannten Optionen nachzuweisen oder zu widerlegen. Allerdings glauben wir nicht (…), dass irgendein Labor-basiertes Szenario plausibel sein könnte.”

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