• Startseite
  • Wissen
  • Corona und der Sommer: Hitze gegen das Coronavirus - stimmt das wirklich?

Corona und der Sommer – macht Hitze dem Virus wirklich zu schaffen?

  • Die landläufige Meinung besagt: Viren mögen keine Hitze.
  • Wunschdenken, wie eine neue Studie, die den Einfluss von Außentemperaturen auf die Verbreitung des Virus untersuchte, jetzt ergab.
  • Gerade in der Pandemiephase gelten demnach andere Regeln.
|
Anzeige
Anzeige

Es ist eine wunderbare Vorstellung: Während der kühleren und somit infektiöseren Jahreszeit waren wir alle vernünftig; jetzt im Sommer, wenn wir die verdienten Lockerungen wieder ohne schlechtes Gewissen genießen, tut Mutter Natur ihr Übriges – und das Coronavirus ist so gut wie verschwunden. Leider scheint das aber Wunschdenken zu sein, wie eine neue Studie jetzt ergab.

Forscher am Umweltinstitut der Universität Princeton in den USA haben unter Leitung von Dr. Rachel E. Baker den Einfluss von Außentemperaturen auf die Verbreitung des Virus hin untersucht. Sie kommen in ihrer neuen Studie zu folgendem Schluss: “Während Wettervariationen für die Ausbreitung von endemischen Infektionen wichtig sein können, sind wir der Ansicht, dass während der pandemischen Phase eines neu auftretenden Pathogens das Klima nur geringe Auswirkungen auf den Umfang der Pandemie hat. Eine vorläufige Analyse nicht pharmazeutischer Kontrollmaßnahmen legt den Schluss nahe, dass die pandemische Klimainteraktion möglicherweise durch Schwund des empfindlichen Virus etwas abgemildert wird. Unsere Ergebnisse lassen darauf schließen, dass starke Ausbrüche in feuchteren Klimazonen wahrscheinlicher sind und das Sommerwetter ein pandemisches Wachstum nicht substanziell einschränken wird.”

Eine pandemische Verlangsamung sei demnach zwar durchaus festzustellen – allerdings nur bis zu einer Temperatur von elf Grad Celsius. Auch der UV-Index hat laut Studie nur minimale Auswirkungen auf eine Verbreitung von Sars-CoV-2.

Für die Studie entwickelten die Wissenschaftler drei Szenarios auf der Grundlage bekannter klimatischer Einflüsse auf die Verbreitung anderer Viren – inklusive der Coronaviren OC43 und HKU1, die normale Erkältungen bei Menschen auslösen. In allen drei Szenarios war das Ergebnis gleich: Klimaunterschiede könnten nur dann einen wichtigen Faktor bei der Kontrolle von Covid-19 darstellen, sofern ein Großteil der Menschen in einer entsprechenden Gemeinschaft immun oder resistent gegen eine Ansteckung sei. Das Team fand heraus, dass selbst, wenn Sars-CoV-2 ähnlich sensibel auf Klimaunterschiede reagiere wie anderer saisonale Viren, sommerliche Hitze derzeit kein ausreichender Faktor wäre, die ursprüngliche, rasante Ausbreitung des Virus innerhalb der Weltbevölkerung zu verlangsamen.

Coronavirus: Immer informiert
Abonnieren Sie Updates für das Thema "Coronavirus" und wir benachrichtigen Sie bei neuen Entwicklungen
Anzeige

Diese Erkenntnis lässt sich schon allein deshalb nachvollziehen, da sich das Virus aktuell in tropischen Ländern wie Brasilien und Ekuador ausbreitet, die derzeit unter Hitzewellen litten beziehungsweise leiden.

Bereits im April hatte die “Ärztezeitung” von einer ähnlichen Studie mit ähnlichen Ergebnissen berichtet. Danach hätte eine Auswertung von frühen Epidemiedaten ergeben, dass Temperatur, Feuchtigkeit und UV-Strahlung bei der Ausbreitung des Virus in China überhaupt keine Bedeutung hatten. Forscher um Dr. Ye Yao von der Universität in Shanghai hatten sich laut “Ärztezeitung” Wetter- und Klimadaten von 224 Städten in China mit mehr als zehn Erkrankten angeschaut und die Basisreproduktionszahl R0 für die jeweiligen Orte berechnet. Dabei sei keinerlei Zusammenhang zwischen Ausbreitungsgeschwindigkeit und Temperatur, UV-Strahlung oder Luftfeuchtigkeit gefunden worden.

Anzeige

Auch das “Medical Journal” ist skeptisch, was eine Sommerpause des Virus angeht. Entgegen bisherigen Hoffnungen verlangsamten hohe Temperaturen offenbar nicht die Ausbreitung des Virus. Das “Medical Journal” bezog sich auf die Kernaussage einer Studie der Universität Toronto. Darin waren 144 Regionen in Australien, den USA, Kanada sowie diversen anderen Ländern mit zusammen mehr als 375.600 Covid­-19-Fällen untersucht worden. Das Team um Professor Jüni habe des Weiteren festgestellt, dass weder Temperatur noch generelle geografische Lage (Breitengrad) bei der Ausbreitung des Virus eine Rolle spielten. Dagegen seien das Verbot von Massenveranstaltungen, Schulschließungen und Abstandsregeln (Social Distancing) mit deutlich ausgeprägteren positiven Effekten verbunden gewesen.

Der Sommer also wird es für uns eher nicht richten. Die beste Abwehr bleiben weiterhin Abstand, Hygiene und Schutzmaßnahmen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen