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Corona-Studie untersucht private Treffen: “Der März änderte das Privatleben radikal”

Ende März hatten nur noch 30 Prozent der Befragten erklärt, sich in den vergangenen sieben Tagen mindestens einmal mit Freunden oder Bekannten getroffen zu haben – inzwischen ist dieser Wert auf rund 60 Prozent gestiegen.

Ende März hatten nur noch 30 Prozent der Befragten erklärt, sich in den vergangenen sieben Tagen mindestens einmal mit Freunden oder Bekannten getroffen zu haben – inzwischen ist dieser Wert auf rund 60 Prozent gestiegen.

Hannover. Die Verunsicherung war groß: Ende März, zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland und den damit einhergehenden Kontaktverboten, trafen sich nur noch wenige Menschen mit ihrer Familie oder Freunden. Denn von der Bundesregierung kam der Aufruf: “Minimieren Sie Ihre Kontakte auf das absolut Notwendige. Verreisen Sie nicht – weder ins Ausland noch im Inland, auch nicht zu Verwandten. Diese Regeln gelten vorerst bis zum 3. Mai”, so die Regeln, die auf der Homepage der Bundesregierung stehen. Doch mittlerweile nehmen Treffen wieder zu – gelockert wurden die Vorschriften jedoch nicht.

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Die Mannheimer Corona-Studie, die bereits seit dem 20. März tägliche Befragungen von mindestens 500 Deutschen vornimmt, berichtet von zunehmenden privaten Treffen seit Ostern. Die repräsentativen Umfragedaten zeigen: Ende März hatten nur noch 30 Prozent der Befragten erklärt, sich in den vergangenen sieben Tagen mindestens einmal mit Freunden oder Bekannten getroffen zu haben. Inzwischen ist dieser Wert auf rund 60 Prozent gestiegen. Warum die Treffen zugenommen haben, ermittelt die Studie nicht. In der Zeit um Ostern wurden allerdings die Lockerungen der Maßnahmen und die Wiedereröffnung der Geschäfte diskutiert.

Dieser Trend zeichne sich in allen betrachteten Bevölkerungsgruppen ab. Am häufigsten finden demnach private Treffen einmal in der Woche statt (42,5 Prozent). Direkt danach kommt die Angabe “gar keine Treffen”, mit 39,5 Prozent.

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Der März 2020 änderte das Privatleben grundlegend

Laut Forschern änderte sich im März 2020 das Privatleben der meisten Menschen in Deutschland radikal. Trafen sich Anfang März noch sechs von sieben Menschen in ihrer Freizeit mit Freunden und Verwandten, so waren es Ende des Monats nur noch etwa zwei von sieben. Die Befragung zeigte, dass es Anfang März für 85 Prozent zur Freizeitgestaltung gehörte, Familie, Freunde oder Arbeitskollegen zu treffen. “Gut sieben Wochen später müssen wir feststellen, dass dieses Element des Privatlebens erst zurückging und dann zwischenzeitlich für etwa zwei Wochen enorm eingeschränkt wurde, bevor es in den letzten Wochen langsam wieder an Häufigkeit gewann”, resümieren die Forscher. Den März teilten sie in vier Phasen ein:

  • Phase eins – 1. bis 8. März: vor dem Lockdown.
  • Phase zwei – 14. bis 20. März: Wandel des Privatlebens. Bereits 40 Prozent der Befragten verringerten ihre privaten Treffen.
  • Phase drei – 21. bis 27. März: hoher Verzicht im Privatleben. 73 Prozent der Befragten verzichten in dieser Woche auf Treffen mit Freunden und Co.
  • Phase vier – 27. März bis 10. April: reduzierter Verzicht im Privatleben. Der Wert bleibt nahezu unverändert, ab dem 10. April nehmen Treffen jedoch wieder zu.
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Menschen in Bayern treffen sich seltener

Doch die Häufigkeiten der Treffen nahmen ab der frühen Aprilmitte wieder zu. Seit Ostern beobachten die Forscher, dass ein vorsichtiges Hochfahren des Privatlebens beginnt. Lediglich Personen, die sich den Haushalt mit anderen Menschen teilen, treffen sich gleichbleibend wenig mit anderen. Auch Menschen, die sich stark vom neuartigen Coronavirus bedroht fühlen, haben weniger private Begegnungen. Im deutschlandweiten Vergleich haben Menschen in Bayern am wenigsten private Treffen während der Corona-Krise: “Während in Bayern noch 60 Prozent der Menschen angaben, ganz auf private Treffen zu verzichten, lag dieser Anteil im Rest der Republik nur noch bei 45 Prozent”, heißt es in der Studie.

Akzeptanz der Maßnahmen bleibt hoch

Die Antworten zu den privaten Treffen geben auch Hinweise auf sich ändernde Stimmungen und Einstellungen der Befragten. So ist die Sorge vor dem Coronavirus inzwischen kleiner geworden. Der Angstindex lag zu Beginn der Befragung bei 4.26 Punkten und bei der letzten Erhebung bei 3.63 Punkten. Die Gefühlslagen werden von eins bis fünf beantwortet, wobei fünf “sehr hoch” ist

Die Akzeptanz der Maßnahmen gegen die Pandemie ist auch nach mehrwöchigen Einschränkungen hoch. Mit 90 Prozent wird das Veranstaltungsverbot am meisten akzeptiert. Einen deutlichen Rückgang gab es allerdings beim Punkt Schließung öffentlicher Einrichtungen. Vermutlich tragen die Diskussionen über Schulöffnungen dazu bei.

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Der Anteil der Bevölkerung, der den wirtschaftlichen Schaden der Maßnahmen höher einschätzt als ihren gesellschaftlichen Nutzen, wächst indessen. Waren es am 20. März noch 27 Prozent, sind es zuletzt 37 Prozent. Die täglichen Umfrageergebnisse der Mannheimer Corona-Studie können Sie hier nachlesen.



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