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Jugendforscher Hurrelmann: Corona-Politik hat Jugendliche vergessen

  • Die Corona-Krise ist besonders für die Jugendlichen in Deutschland eine Belastungsprobe.
  • Wenige Freizeitmöglichkeiten und fehlende politische Einbeziehung machen die Lage nicht besser, sagt Jugendforscher Klaus Hurrelmann.
  • Er meint, man müsse dringend mehr mit Jugendlichen reden – auch um Exzessen und Krawallen vorzubeugen.
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Der Jugendforscher Prof. Klaus Hurrelmann kritisiert, dass die Politik junge Menschen in der Krise vergessen hat. “Wir merken jetzt, dass sich die Jugendlichen zu Wort melden”, sagte Hurrelmann mit Blick auf nächtliche Unruhen und Exzesse in Stuttgart und Frankfurt in diesem Sommer. Aus seiner Sicht fehle den jungen Menschen derzeit Raum zur Entfaltung sowie Möglichkeiten zur Mitsprache, wie er am Donnerstag im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärte.

Entfaltung sei ein notwendiger Teil des Erwachsenwerdens, weshalb fehlende Spielräume ein großes Problem seien. “Wenn es die über viele Monate nicht gibt, könnten daraus vielleicht noch nicht dramatische, aber doch ernste Entwicklungsstörungen entstehen”, sagt Hurrelmann, Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin ist. In Deutschland gilt er als einer der prominentesten Jugendforscher, er war unter anderem an den Shell-Studien zu den Einstellungen junger Menschen beteiligt.

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Hurrelmann sieht eine ganze Reihe von Punkten, die speziell jungen Menschen größere Probleme als Erwachsenen und Senioren bereiten. So sei der Bildungsprozess mittlerweile über einen längeren Zeitraum ausgesetzt. “Dadurch entstehen Blockaden, die später zu Misserfolgen beim Berufseinstieg und zu Jugendarbeitslosigkeit führen könnten.”

Prof. Klaus Hurrelmann ist seit 2009 Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin. In Deutschland gilt er als einer der prominentesten Jugendforscher, war unter anderem an den Shell-Studien zu den Einstellungen junger Menschen beteiligt. © Quelle: Privat
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Viele Freizeitmöglichkeiten weggefallen

”Aber vor allem sind alle Clubs und alle Freizeitorganisationen praktisch ausgefallen”, betonte Hurrelmann. Deshalb fehle es an Möglichkeiten, sich zu erproben und auch mal Grenzen zu überschreiten – worauf junge Menschen dringend angewiesen seien. “Ich wohne direkt an einem Park und kann sehen, wie sich die jungen Leute diese öffentliche Zone erobern, dabei nicht immer den Abstands- und Hygieneregeln folgen – und auch nicht unbedingt den guten Umgangsformen.”

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Hurrelmann fordert, Jugendliche und junge Menschen mehr in Entscheidungsprozesse auch zur Pandemiebekämpfung einzubinden – sowohl in Punkto Bildung als auch bezüglich der Freizeitgestaltung. “Wir haben eine politische, konstruktive, engagierte Generation. Das ist eine sehr gute Ausgangslage für Beteiligungspolitik”, sagte er.

Das ganze Interview mit Klaus Hurrelmann lesen Sie ab Freitag, 5.30 Uhr auf www.rnd.de

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