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Spanischer Klinikdirektor im Interview: “Die Lage hat sich radikal geändert”

  • Professor Josep Maria Campistol (60) ist Direktor eines der größten Krankenhäuser Spaniens, der Clínic in Barcelona.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland schildert er die dramatischen Ereignisse der vergangenen Monate.
  • Und blickt voraus in eine Zukunft mit deutschen Gästen, die Paella essen und Wein trinken.
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Josep Maria Campistol ist Internist und Nephrologe. Neben der Leitung der Clínic und der nephrologischen Abteilung des Krankenhauses hat Campistol noch einen Lehrstuhl für Nephrologie an der Universität von Barcelona inne.

Herr Campistol, wir waren die vergangenen zwei Monate?

Eine Achterbahnfahrt voller Schwierigkeiten, Komplexität, Druck, Unsicherheit, Unkenntnis der Krankheit und gewaltiger Aktivität. Wie liegen im Zentrum Barcelonas, einer Gegend mit etwa einer halben Million Einwohnern und hohem Durchschnittsalter. Zu uns sind 5000 Covid-19-Patienten gekommen, von denen wir etwa 2500 aufgenommen haben, von denen wiederum rund 500 intensiv behandelt werden mussten.

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Wie haben Sie diesen Ansturm bewältigt?

Ich glaube, den Umständen entsprechend gut. Wir waren gezwungen, das Krankenhaus Stück für Stück den Anforderungen der Epidemie anzupassen, wir haben aufgehört, das zu tun, was wir gewöhnlich tun, und praktisch das ganze Hospital – zu 90 Prozent – in ein Covid-19-Hospital umgewandelt. Wir hatten zuvor gut 50 Intensivbetten und haben deren Zahl zur Spitze auf 170 ausgebaut. Gewöhnliche Bereiche des Krankenhauses wurden zu Intensivstationen. Das war eine außerordentliche Herausforderung. Zum Glück waren wir der Pandemie immer zwischen 24 und 48 Stunden voraus.

Sie haben alle Patienten behandeln können?

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Wir sind nicht kollabiert. Das Personal hat sehr viele Stunden unter enormem Druck gearbeitet, aber die fehlenden Mittel haben uns nicht dazu gezwungen, Patienten, die Aussicht auf Besserung hatten, nicht zu behandeln. In Madrid, wo der Druck noch höher war als hier, hat es solche schwierigen Momente vielleicht gegeben.

Und jetzt?

Blauer Himmel. Wunderschön. Die Lage hat sich in den vergangenen zwei Wochen radikal geändert. Statt uns um 130 neue infizierte Patienten am Tag zu kümmern, sind es jetzt acht bis zehn, von denen wir drei oder vier einweisen. Es verlassen mehr Covid-19-Patienten das Haus, als neue hinzukommen. Wir sind zur ersehnten Normalität zurückgekehrt und können wieder Patienten behandeln, die wir in diesen Wochen vernachlässigen mussten.

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In Spanien wird langsam die Ausgangssperre gelockert. Fürchten Sie einen Wiederanstieg der Fallzahlen?

Ich will optimistisch sein. Wir wollen alle zur Normalität zurückkehren. Aber ich will es mit der Sorglosigkeit auch nicht übertreiben. Die langsame Aufhebung der Quarantäne ist meiner Meinung nach korrekt. Die Sonne hilft uns, indem sie UV-Strahlen aussendet, die das Virus erledigen. Andalusien, Murcia oder Extremadura haben wenige Fälle gehabt, und ich glaube, dass der wesentliche Faktor dafür die Temperaturen und die UV-Strahlen waren. Ich hoffe, jetzt im Sommer hilft uns das.

Sie sind sehr optimistisch …

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Ich habe die Infektion selbst durchgemacht, und drei meiner Angehörigen auch. Ich glaube, dass ich realistisch bin. Ich sehe die Zahlen. Am 5. Mai kamen sechs neue Patienten zu uns. In der vergangenen Woche haben wir etwa 15 Patienten eingewiesen und 60 entlassen. Ich glaube, dass wir die erste Welle der Pandemie überstanden haben. Damit will ich nicht sagen, dass es morgen und kommenden Woche keine neuen Fälle geben wird. Wir werden sehen, was der Herbst bringt. Aber ich glaube nicht, dass es eine Welle sein wird wie die, die wir hinter uns haben.

Warum war diese Welle so verheerend in Spanien?

Wir hätten uns besser auf sie vorbereiten müssen und ernst nehmen, was in Wuhan geschieht. Wir haben es aus Hochmut nicht getan. Wir haben die Ausgangssperre spät verhängt. Portugal hat schneller reagiert und verhältnismäßig weit weniger Tote zu beklagen.

Sollten wir jetzt so viel testen wie möglich?

In unserem Hospital testen wir das gesamte medizinische Personal alle zwei Wochen bis 20 Tage. Und ich vermute, dass es heute – ich wiederhole, heute am 6. Mai – nicht nötig ist. Weil das Virus nicht oder nur sehr begrenzt zirkuliert. Wenn wir am 15. Oktober oder im November einen Wiederanstieg der Zahlen sehen, müssen wir testen, um die Fälle so früh wie möglich zu identifizieren und zu isolieren.

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Und in der Zwischenzeit sollten wir sogar wieder reisen können?

Ich hätte gern wieder ein Leben wie früher, Touristen wie früher: dass die Deutschen an unsere Küsten kommen, Paella essen und Wein trinken. Das hilft unserer Wirtschaft, und wir sehen Freunde. Bei der jetzigen Tendenz der Fallzahlen könnten wir uns vielleicht Mitte Juni wieder eine gewisse Normalität erlauben. Und je nachdem wie sich die Zahlen im Rest Europas, in Deutschland, in Österreich entwickeln, sollten wir wieder – mit gewissen Kontrollen – die Grenzen öffnen.

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