Wochenlang isoliert - diese Corona-Tipps haben Astronauten

  • Astronauten leben teils monatelang abgeschirmt vom Rest der Welt auf der ISS.
  • Der Alltag in Isolation ist trainierbar, beweisen sie.
  • Ein paar Strategien aus dem Weltraum-Alltag können auch während der Corona-Krise auf der Erde helfen.
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Wenn jemand weiß, wie es für eine lange Zeit auszuhalten ist, von Freunden und Familie getrennt zu leben und dabei nicht mental zugrunde zu gehen, dann sind es wohl Astronauten. Bei ihren Expeditionen leben sie Tage, Wochen, Monate in Isolation. Alexander Gerst war bei einer seiner Missionen bereits 362 Tage, also fast ein ganzes Jahr, mit der ISS im All unterwegs.

Was können wir während der Corona-Krise von Astronauten lernen?

In seinem Leitfaden zur Selbstisolation richtet sich der kanadische Astronaut Chris Hadfield per Youtube-Video an Menschen, die ratlos sind, wie sie soziale Distanz und Isolation in den eigenen vier Wänden überstehen können. “Seid nicht ängstlich”, sagt er mit bemerkenswertem Pragmatismus. Er muss es wissen: Drei Missionen hat Hadfield hinter sich, als ISS-Kommandant verbrachte er 145 Tage im All.

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Während Isolation - Eine eigene Mission entwickeln

Hadfields Überlebenstaktik steht auf vier Eckpfeilern: Risiken kennen, Ziele setzen, eigene Zwänge und Verpflichtungen bewusst machen, aktiv werden. “Macht euch klar, was eure Mission ist - für diesen Nachmittag, diese Woche, den nächsten Monat. Was möchtet ihr in diesem Zeitraum tun?”

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Es sei jetzt eine Chance, mal etwas anderes zu machen: etwa Zeit mit der Familie verbringen, ein neues Projekt anfangen, Gitarre spielen lernen, ein Buch lesen, schreiben, eine neue Sprache lernen. “Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für die Selbstisolation, weil so viele Menschen einen Zugang zum Internet haben”, betont Hadfield.

Das ganze Leben zuhause: Arbeit und Freizeit an einem Ort

Einfacher gesagt, als getan. Dass die Organisation der Isolationszeit kein Spaziergang ist, weiß der Astronaut Scott Kelly nur zu gut. Er hat fast ein Jahr auf der ISS gelebt. Das sei nicht leicht gewesen, erzählt der US-Amerikaner auf Twitter. “Wenn ich ins Bett ging, war ich bei der Arbeit. Beim Aufwachen war ich immer noch bei der Arbeit."

Gegenüber der New York Times verriet Scott Kelly seine erprobte Strategie, um eine lange Isolationszeit zu überleben: Es braucht einen geregelten Tagesablauf, ein Hobby, ein bisschen Natur (und wenn es nur ein Vogelgeräusch aus dem Lautsprecher ist). Auch zum Tagebuch schreiben und zu Videogespräche mit Freunden und Familie rät er.

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Wir haben alle das Zeug zum Astronauten-Dasein

“Eine Sache, in der Astronauten gut drin sein müssen: Für einen langen Zeitraum in geschlossenen Räumen leben", betont auch die US-amerikanische Astronautin Anna McClain - und spricht auch über den Umgang mit Mitmenschen. “Wir werden erfolgreich in der Isolation sein, wenn wir bewusst handeln und uns bewusst um unsere Teams kümmern.”

Isolation: Das rät die NASA

Sie hat deshalb eine Reihe von Expeditionstipps aus der Astronauten-Community veröffentlicht, die für ein gutes Zusammenleben in der Gruppe auf lange Sicht wichtig sind. Auch die Nasa hat diese auf der eigenen Homepage zusammenfasst.

  • Kommunikation: Wer kommuniziert, will auch verstanden werden. Für ein gutes Verhalten während des Ausflugs in die Isolation sollten Informationen und Gefühle deshalb frei mitgeteilt werden. “Sprechen Sie über Ihre Vorhaben, bevor Sie aktiv werden”, rät Anne McClain. Nach einem Erfolg oder Konflikt sollte es eine Nachbesprechung geben. “Hören Sie zu und wiederholen Sie Informationen, um sicherzustellen, dass sie verstanden werden”, rät die Astronautin. “Geben Sie zu, wenn Sie falsch liegen.”
  • Führen und Folgen: Verantwortlichkeiten sollten während der Isolation akzeptiert werden, Aufgaben zugewiesen, Ziele gesetzt, mit gutem Beispiel vorangegangen werden. Jetzt ist die Zeit für klare Anweisungen, Informationen, Feedback, Coaching und Ermutigung. “Sagen Sie, wenn etwas nicht stimmt. Stellen Sie Fragen. Bieten Sie Lösungen an, nicht nur Probleme.”
  • Auf sich selbst aufpassen: Die eigenen Stärken und Schwächen sowie deren Einfluss auf die Gruppe sollten realistisch eingeschätzt werden. “Ergreifen Sie Maßnahmen, um Ihren eigenen Stress oder negative Gefühle abzubauen”, rät McClain. Diese sollten nicht an die Gruppe weitergegeben werden. Es lohnt, sich ein Feedback einzuholen. Und: “Vereinbaren Sie Zeiten für Arbeit, Ruhe und Persönliches.”
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  • Aufs Team aufpassen: Geduld und Respekt sind Schlüsselwörter für einen guten Teamspirit. “Ermutigen Sie andere. Überprüfen Sie Ihr Team auf Anzeichen von Stress oder Müdigkeit", sagt McClain. “Melden Sie sich freiwillig auch für die unangenehmen Aufgaben. Bieten und nehmen Sie Hilfe an.” Im Zweifel könne man auch die Schuld auf sich nehmen.
  • Als Gruppe leben: Wer für eine lange Zeit aufeinandersitzt, sollte kooperieren statt konkurrieren. “Respektieren Sie Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsbelastung”, empfiehlt die Nasa ihren Astronauten. Es sollte an einer positiven Teameinstellung gearbeitet werden. Und bei Konflikten? Ruhig bleiben, raten die Astronauten.















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