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  • Corona-Infektionen in Deutschland auf Höchststand: Die "zweite Welle" ist da

Die “zweite Welle” ist da: Das Ende der Urlaubsstimmung

  • Die Infektionszahlen in Deutschland sind auf einen neuen Höchststand geklettert.
  • Die Politik hat Ziele zuletzt schlecht erklärt und zu sehr auf Lockerungsforderungen gehört – und so die Sorglosigkeit in der Bevölkerung verstärkt.
  • Wichtig ist jetzt, klare Prioritäten zu setzen – und den Schulstart nicht durch weitere Lockerungen zu gefährden.
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Hannover. Es gibt auch dieser Tage durchaus gute Nachrichten, was den Kampf gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus angeht. Eine betrifft ausgerechnet ein geplantes Großkonzert. 13.000 Menschen sollen dabei sein dürfen, wenn Sarah Connor und Bryan Adams am 4. September in Düsseldorf im Stadion auftreten. Aber offenbar ist vielen bei dieser Aussicht doch etwas mulmig. Bislang soll weniger als ein Fünftel der Karten verkauft sein.

Das würde bedeuten, dass doch sehr viele ein Gefühl dafür haben, was gerade angemessen ist – und was sicher nicht.

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Bundesregierung warnt vor neuer Dynamik der Corona-Infektionen
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Wenn jetzt nicht alle wachsam seien, könne die Entwicklung eine neue Dynamik erreichen, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.  © Reuters

Eine Entwicklung wie aus dem Lehrbuch der Pandemie

Das ist erstaunlich, schließlich haben auch Politiker und manche Regierungsstellen viel dafür getan, jene Sorglosigkeit zu nähren, die sich jetzt negativ auswirkt. Es ist ja keine Überraschung, dass die Infektionszahlen auch in Deutschland jetzt wieder steigen – am Mittwoch auf einen neuen Höchstwert seit Mai. Es folgt geradezu dem Lehrbuchwissen der Pandemien, dass auf eine erfolgreiche erste Phase oft weitere Wellen folgen.

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Dass am Mittwochabend das Robert-Koch-Institut erst ein Papier veröffentlicht, in dem es einen Impfstoff im Herbst prophezeit, und dieses dann eilig wieder von der Seite nimmt, weil es sich um ein Versehen gehandelt habe, passt leider ins schlechte Bild.

Thorsten Fuchs

Der Politik jedoch ist erst sehr spät aufgefallen, dass Reisende auch irgendwann zurückkehren. Stattdessen haben Landesminister, nur zur Erinnerung, noch vor gut einem Monat mit Verve ein Ende der Maskenpflicht gefordert. Es gab einen Wettbewerb der Lockerungen, nicht der Vorsicht. Politisch war in den vergangenen Wochen auch in Berlin eine Art kommunikative Leere zu spüren, ein Mangel an Einordnung und Engagement, der sich mit Zweifeln und Überdruss in der Bevölkerung auf das Unschönste ergänzte. Urlaubsstimmung halt, in jeder Hinsicht. Dass am Mittwochabend das Robert-Koch-Institut erst ein Papier veröffentlicht, in dem es einen Impfstoff im Herbst prophezeit, und dieses dann eilig wieder von der Seite nimmt, weil es sich um ein Versehen gehandelt habe, passt leider ins schlechte Bild. Eine Panne auf einem Feld, auf dem Pannen derzeit besonders fatal sind.

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RKI korrigiert sich: Doch keine Hoffnung auf Impfstoff im Herbst
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Am Dienstag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin verkündet, in seinem Land werde der erste Impfstoff gegen das Corona-Virus zugelassen.  © Reuters

In Deutschland stehen wir jetzt an jenem Kipppunkt – zur ungünstigsten Zeit, dem Ende der Ferien. Es ist jetzt nicht die Zeit für Großkonzerte oder Bundesligaspiele mit Zuschauern. Stattdessen muss nun zunächst das gelingen, was gesellschaftlich am wichtigsten ist: die Wiedereröffnung der Schulen mit so viel Präsenzunterricht wie möglich. Auch da ist zuletzt viel versäumt worden, fehlen vielerorts Konzepte, wurden Lehrer und damit auch die Kinder alleingelassen mit schwierigen räumlichen Bedingungen und einem Mangel an Personal, Teststrategien und Ideen. Die “zweite Welle” zu beherrschen und zugleich die Schulen zu öffnen kann gelingen – wenn die Politik die Prioritäten deutlich erklärt und den Mut hat, anderweitigen Lockerungsforderungen zu widerstehen. Denn wer versteht, dass er damit den Kindern, dern Schulen und letztlich auch der Wirtschaft hilft, wird Masken und Abstand wieder akzeptieren.

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