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Zehn Faustregeln

Wie groß ist die Gefahr, sich jetzt mit Corona anzustecken – und wie kann ich das verhindern?

Listen sollten nicht für alle Gäste einsehbar sein: Die Kontaktdaten, die jeder Gast im Café oder Restaurant hinterlassen muss, sorgen bei manchen Besuchern für Kritik. (Symbolbild)

Draußen und auf Abstand: So bleibt das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus gering.

Seit mehr als zwei Jahren bestimmt das Coronavirus nun den Alltag. Es gibt von der Politik vorgegebene Regeln, an die wir uns mehr oder weniger gewöhnt haben: Maske tragen in Bus und Bahn, in der Arztpraxis, im Schulunterricht ist Pflicht. Sich testen lassen, bevor es ins Büro geht, wenn man ungeimpft ist, ebenso. Homeoffice wurde zum Standard. 3G, 2G, 2G plus – was das bedeutet, weiß heute jeder und jede. Doch es ist klar, der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Virus wird zunehmend zur Privatsache werden.

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Ursprünglich war der 20. März für einen „Freedom Day“ vorgesehen. Die Argumentation: Mit Omikron stecken sich zwar unglaublich viele Menschen an, aber es erkranken weniger schwer als noch bei Delta. Unter Kontrolle ist das Virus aber zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht. Die Länder haben daher das Wegfallen der meisten Regeln auf vorerst Anfang April verschoben.

Corona-Maßnahmen sollen fallen – aber das Ansteckungsrisiko bleibt hoch

Trotzdem: Im Frühling, so der Plan, sollen die meisten Maßnahmen wegfallen. Die Politik steht dabei vor einem Dilemma: Denn das Virus ist auch im April wahrscheinlich noch sehr präsent. Modellierungen mehrerer Forschungsteams zeigen, dass sich gerade eine sechste Welle aufbaut. Zwei Gründe gibt es dafür, dass statt eines entspannten Frühlings steigende Fallzahlen zu erwarten sind: Die Sublinie BA.2, die zunehmend das Infektionsgeschehen übernimmt, ist noch übertragbarer als die bisherige Omikron-Variante. Gleichzeitig wurden bereits kontaktreduzierende Maßnahmen zurückgefahren.

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In den kommenden Wochen dürften die Infektionszahlen deshalb weiter steigen. Und ob nun von Bund und Ländern vereinbarte Regeln gelten oder nicht: Für jede Einzelne und jeden Einzelnen bedeutet das, dass das Ansteckungsrisiko im Alltag sehr hoch bleibt.

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Deshalb, so raten es Expertinnen und Experten, sollte man sich auch weiterhin präventiv so verhalten, dass eine Ansteckung weniger wahrscheinlich wird. „Der weitere Verlauf der Pandemie hängt maßgeblich davon ab, wie sich das Verhalten in der Bevölkerung ändert und in welchem Umfang mögliche infektionsrelevante Kontakte zunehmen“, betont das RKI.

„Es ist nicht so, dass von einem Tag auf den anderen entweder Pandemie ist – oder eben nicht“, sagte etwa der britische Immunologe Peter Openshaw, der die Auswirkungen des „Freedom Days“ in Großbritannien kennt. Der Corona-Experte vom Imperial College London rät: „Die Normalität sollte nicht bedeuten, alle Schutzmaßnahmen zu verwerfen, bei denen wir wissen, dass sie effektiv sind.“

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Corona-Ansteckung: Was schützt im Alltag?

Nur, wie soll man sich konkret verhalten, wenn die Regeln immer weiter gelockert werden – und man selbst eine Infektion verhindern möchte? Dass das Virus nicht mehr verschwinden wird, betonen Forschende schon seit Monaten.

Das Gute ist: Rein wissenschaftlich gesehen ist nach zwei Pandemiejahren hinreichend bekannt, was präventiv vor einer Corona-Ansteckung schützt und wo Infektionen besonders wahrscheinlich sind. Zehn Faustregeln, die dem RKI zufolge Geimpfte, Geboosterte, Genesene und Menschen ohne Immunschutz beachten sollten:

  • Kontakte sollten möglichst reduziert werden. Je größer eine Veranstaltung, je mehr Menschen aufeinandertreffen, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich das Virus unter den Gästen verbreiten kann.
  • Sofern Kontakte nicht gemieden werden können, sollten sie auf einen engen, möglichst gleichbleibenden Kreis von Personen beschränkt werden. Das gilt im Büro genauso wie im Freundeskreis oder in der Schule.
  • Treffen Menschen in Innenräumen aufeinander, ist das Infektionsrisiko deutlich höher als draußen. Deshalb sollten dort kontinuierlich medizinische Masken getragen werden, um sich vor infektiösen Aerosolen in der Luft zu schützen. Es sollte auch möglichst viel Abstand zu anderen gehalten werden, weil die Wahrscheinlichkeit einer Exposition gegenüber Viruspartikeln im Umkreis von rund zwei Metern um eine infektiöse Person herum stark erhöht ist.
  • Wer vor Treffen mit anderen einen Schnelltest macht, verringert das Risiko, unwissentlich jemanden anzustecken. Es bleibt aber ein Restrisiko, trotz eines negativen Ergebnisses coronapositiv zu sein. Bei Kontakten mit Ungeimpften ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung größer als bei Geimpften. Trotzdem können sich auch Grundimmunisierte und Geboosterte anstecken und das Virus auch an andere weitergeben – gerade auch bei der Omikron-Variante.
  • Innenräume sollten vor, während und nach dem Aufenthalt mehrerer Personen regelmäßig und gründlich gelüftet werden. So können infektiöse Partikel entweichen.
  • Größere Events, Tanzveranstaltungen und andere Feiern im öffentlichen und im privaten Bereich sollte man absagen oder meiden. Gerade beim Atmen und Sprechen, aber noch stärker beim Schreien und Singen werden Aerosole ausgeschieden, beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich deutlich vermehrt größere Partikel. Und treffen viele Menschen aufeinander, stecken sich auch wahrscheinlicher viele an.
  • Vor Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen, beispielsweise im Pflege- oder Altenheim, sollte man geboostert sein und zusätzlich vor dem Treffen einen Test machen.
  • Wer Symptome wie Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten verspürt, sollte zu Hause bleiben, sich von anderen isolieren und bei Hausarzt, Hausärztin oder im Testzentrum per Test prüfen, ob man Corona hat. Das gilt unabhängig vom Impfstatus.
  • Auf Reisen verzichten. Erfahrungen mit anderen Virusvarianten wie Alpha und Delta haben gezeigt: Die Mobilität und Kontakte anderswo einzuschränken, um die Ausbreitung neuer Virusvarianten aufzuhalten, kann eine sinnvolle Maßnahme sein. Komplett aufhalten lässt sich das Virus dadurch zwar nicht, aber es lässt sich Zeit gewinnen.
  • Schon die Corona-Warn-App auf dem Handy installiert? Darüber wird man informiert, wenn man unwissentlich in der Nähe von einer infizierten Person war.

Impfen hilft nicht immer vor Ansteckung - aber vor Krankheit und Tod

Neben präventivem Verhalten im Alltag – mit Masken, Abstand, Testungen und weniger Kontakten – wird weiterhin auch dringend empfohlen, sich impfen und boostern lassen. Inzwischen ist zwar klar, dass mit den derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffen in vielen Fällen eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht verhindert wird. Aber wenn es dann passiert, ist man mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Schlimmsten geschützt: Krankheit und Tod. Momentan sind rund 58 Prozent der Bevölkerung geboostert, rund 76 Prozent sind grundimmunisiert (Stand: 16. März). Es gibt also noch Impflücken, zumal erst mit der Auffrischimpfung ein guter Immunschutz vor Omikron zu erwarten ist.

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Weitere Infektionswellen im Herbst und Winter sind zu erwarten. Die Welt wird auf lange Sicht mit dem Coronavirus umgehen lernen müssen. Im Moment kann niemand wirklich vorhersagen, wie sich die Corona-Krise in den kommenden Monaten und Jahren weiterentwickeln wird.

Vier denkbare Szenarien

Forschende sprechen von verschiedenen denkbaren Szenarien. Im besten Fall kommen nur noch schwache Corona-Wellen mit weniger Schwerkranken als noch bei Delta und Omikron. Es könnten aber auch Infektionswellen entstehen, die mal eher Omikron, mal eher Delta ähneln. Und es könnte auch erneut plötzlich eine besorgniserregende Variante auftauchen, die besonders viele Menschen ansteckt und besonders krank macht. Oder eine, die den Immunschutz besonders stark umgeht. Gerade weil die Zukunft ungewiss ist, so betonen es Forschende, bleibt vorsichtiges Verhalten im Alltag in Kombination mit der Impfung der beste Schutz für alle Eventualitäten.

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