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“Corona-Frisur” und “coronafrei”: In der Corona-Krise entstehen ungewöhnlich viele neue Wörter

  • Die Corona-Pandemie hat nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Sprache verändert.
  • Begriffe wie “Social Distancing” benutzen wir alle nahezu täglich.
  • Experten des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache beschäftigen sich mit einem solchen Wandel der Sprache in Krisenzeiten.
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Mannheim. Auch wer sich gerade nicht auf das "Corona-Abitur" vorbereitet, verwendet Begriffe wie "Social Distancing", "Besuchsverbot", "Kontaktbeschränkung" oder "Behelfsmaske": Die Corona-Pandemie hat nicht nur das Alltagsleben, sondern auch die Sprache fest im Griff. "In Krisenzeiten reagieren wir auch mit der Sprache auf die Veränderungen", sagte Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Experten befassen sich mit der "Coronisierung" der Sprache.

Begriffe dominieren in den Medien

Es sei normal, dass außergewöhnliche Ereignisse das Vokabular prägen. "Ich habe aber noch keine Zeit erlebt, wo sich sprachlich so viel verändert wie jetzt", erläuterte die Leiterin Programmbereich "Lexikographie und Sprachdokumentation" im IDS. Selbst während der Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90 seien nicht so viele neue Begriffe entstanden.

So beobachten die Wortschatzexperten, dass Begriffe um das Coronavirus seit Wochen in deutschen Medien dominieren. Bisher sei es so gewesen, dass sich die 100 meist verwendeten Wörter von Tag zu Tag unterscheiden, erklärte Klosa-Kückelhaus. Sie sammelt Neologismen, also neue Wörter, die dann in einem Online-Neologismenwörterbuch dokumentiert werden. Dazu werten die Wissenschaftler Zeitungen und Online-Medien aus.

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Bekannte Wörter bekommen neue Bedeutung

Für eine funktionierende Verständigung muss sich der Wortschatz nach Angaben der Lexikographin fortwährend ausbauen. Durch die Krise entstünden nicht nur neue Wörter wie "Alltagsmaske" oder "Corona-Abitur". Auch bereits bekannte Wörter erhielten neue Bedeutungen. Weitere würden aus dem Englischen entlehnt wie etwa "Lockdown", oder stammten aus der der medizinischen Fachsprache.

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So sei etwa der Ausdruck "Social Distancing" ein Fachausdruck aus der Epidemiologie und aus dem Englischen entlehnt, erklärt sie. Da es hierbei nicht um eine soziale, sondern um eine räumliche Trennung gehe, sei eine Übersetzung mit "Soziale Distanzierung" unzutreffend.

Welche Begriffe dauerhaft bleiben, ist noch unklar

Eine sowohl negative wie positive Bedeutung habe das Adjektiv "coronafrei". Positiv in der Bedeutung "keine Infektion aufweisend" sowie "ohne Sorgen und Einschränkungen wegen der Pandemie", negativ wenn etwa das Training ausfalle. Eine ungewöhnliche Wortschöpfung sei der Begriff "Corönchen", der verharmlosend für das Virus verwendet werde.

Auch bildhafte Begriffe wie "Distanzschlange" oder "Corona-Frisur" zeigten, wie kreativ Menschen mit Sprache umgehen, sagt Klosa-Kückelhaus. So habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wohl spontan den Ausdruck "Öffnungsdiskussionsorgie" geschaffen, um auf eine ihrer Ansicht nach endlose Diskussion zur Lockerung von Beschränkungen hinzuweisen.

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Welche Wörter dauerhaft Eingang in die deutsche Sprache finden, lässt sich noch nicht sagen. Eine Antwort darauf werden vielleicht in ein paar Jahren die "Coronials", die jetzigen Jugendlichen, finden.

RND/epd

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