Corona auf einen Blick: 50 Fragen und Antworten zum neuen Alltag mit der Seuche

  • Corona verändert den Alltag der Menschen radikal in allen Lebensbereichen.
  • Wie bei den ganzen Informationen den Überblick behalten?
  • Wir haben 50 Fragen aus dem neuen Alltag mit der Corona-Krise für Sie zusammengestellt.
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Die Verwirrung beginnt schon beim Namen. Die Lungenkrankheit heißt “Covid-19”. Aber was soll das bloß bedeuten? Die Beraterin von US-Präsident Trump, Kellyanne Conway, blamierte sich jüngst beim Sender Fox News mit einer Wissenslücke: Die Weltgesundheitsbehörde, zürnte sie live auf Sendung, habe viel Zeit verloren, schließlich handle es sich um “Covid-19 und nicht um Covid-1!”. Was Conway nicht wusste: Der Namenszusatz "19″ verweist auf das Jahr des ersten Auftretens der Krankheit, nicht auf die neunzehnte Variante.

Nicht nur Kellyanne Conway hat viele Fragen zu der Pandemie. Minütlich neue Nachrichten, einander widersprechende Experten, ein politischer Flickenteppich mit anderen Regelungen je nach Bundesland – es fällt schwer, den Überblick zu behalten. Dabei will das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) helfen. Hier finden Sie 50 Fragen und Antworten zum Alltag mit der Pandemie – sortiert nach Themengebieten. Wir beginnen mit der Krankheit selbst:

Das Coronavirus und die Lungenkrankheit Covid-19

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So sieht das Virus im Modell aus. © Quelle: picture alliance / Hollandse Hoo

1. Wo kommt das Coronavirus inzwischen überall vor – und wie hoch sind die Fallzahlen?

Das Virus und mit ihm die Krankheit haben sich inzwischen von China aus auf alle Kontinente der Erde verbreitet – mit Ausnahme der Antarktis. Damit das so bleibt, haben sich die Bewohner der deutschen Antarktis-Forschungsstation Neumayer-III erst einmal Isolation im Eis verordnet. “Bei uns ist kein Personalaustausch geplant, im antarktischen Winter kommt hier auch kein Flugzeug her”, sagte der aktuelle Stationsleiter Klaus Guba. Die Vorräte reichen für zwei Jahre.

Die derzeit am stärksten betroffenen Länder sind die USA, Spanien und Italien. Die WHO hat die Ausbreitung des neuartigen Virus am 12. März 2020 offiziell zur Pandemie erklärt. Die Zahl der Toten hat am 18. April 2020 die Marke von 150.000 überschritten. Eine umfassende Übersicht zu Fallzahlen, Todesfällen und Genesenen im Ländervergleich findet sich bei der Johns Hopkins Universität. Mehr dazu…

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2. Worin unterscheiden sich denn nun Covid-19 und Sars-CoV-2?

Sars-CoV-2 ist der offizielle Name des Erregers, der in den Medien zunächst “neuartiges Coronavirus” genannt wurde. Die Abkürzung steht für “Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2”, („Schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus 2“). Er gehört zur Gruppe der Coronaviren und ist eng mit dem Sars-Virus verwandt. Covid-19 ("Coronavirus disease 2019″‚ Coronavirus-Krankheit-2019) dagegen bezeichnet die durch diesen Erreger ausgelöste Erkrankung der Atemwege. Bei schweren Verläufen entsteht eine Lungenentzündung, die tödlich enden kann. Mehr dazu

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3. Ich habe Husten und Schnupfen, aber keine Körperschmerzen. Welche Symptome deuten auf eine Covid-19-Infektion hin?

Die Sache ist kompliziert, denn eine Infektion mit Sars-CoV-2 verläuft nicht für alle Menschen gleich. Husten und Fieber zählen nach Daten des Robert-Koch-Institutes von mehr als 22.000 Erkrankten in Deutschland zu den häufigsten Symptomen. Auch Kopfschmerzen, Geschmacksverlust und Durchfall können auf eine Infektion hindeuten. Etwa die Hälfte der Menschen, die sich angesteckt haben, verspüren trotz Infektion keine Symptome. Mehr dazu

4. Ist Covid-19 “gefährlicher” als die Grippe?

Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. Bei 5 Prozent der Infizierten ist eine künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle – exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen, weil die Datenlage das nicht zulässt. Mehr dazu

5. Wie gelangt das Virus überhaupt in den Körper? Muss ich flacher atmen, damit es nicht eindringt?

Spezielle Zellen in der Nase sind einer Studie des Max-Delbrück-Centrums zufolge die wahrscheinlichsten Eintrittspforten für das neue Coronavirus. Die beiden wichtigsten Eintrittsproteine seien auch in Hornhaut-Zellen des Auges und in der Darmschleimhaut zu finden. Das deutet auf einen weiteren möglichen Infektionsweg über das Auge beziehungsweise die Tränendrüsen hin. Wichtigste Regel dazu ist: Die Finger gehören nicht ins Gesicht – und schon gar nicht in die Nase. Mehr dazu

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6. Was ist mit Türklinken und Einkäufen? Wie lange überlebt das Virus auf Oberflächen?

Die Stabilität von Coronaviren in der Umwelt hängt von Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche sowie vom speziellen Virusstamm und der Virusmenge ab. Humane Coronaviren sind nicht besonders stabil auf trockenen Oberflächen. Für Sars-CoV-2 zeigen erste Laboruntersuchungen einer amerikanischen Arbeitsgruppe, dass es nach starker Kontamination bis zu 3 Stunden als Aerosol (also feuchter Nebel), bis zu 4 Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu 2-3 Tagen auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben kann. Dies gilt jedoch unter Laborbedingungen. Im Alltag gilt eine Infektion beim Einkaufen als unwahrscheinlich, so lange alle Hygieneregeln eingehalten werden. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass die Virusmenge im Alltag deutlich kleiner ist als bei Tests. Wichtig: Gemüse und Obst gründlich abwaschen! Mehr dazu

7. Macht eine Infektion mit dem Coronavirus dauerhaft immun?

Das ist nicht ganz klar. Eine chinesische Studie stimmt optimistisch, dass Menschen nach der Infektion zumindest für eine gewisse Zeit immun gegen Sars-CoV-2 sind. Bei einem Experiment mit vier Rhesus-Affen hat eine nach Abklingen der Erstinfektion erneut injizierte Virus-Dosis bei allen Tieren keine erneute Infektion mehr hervorgerufen – obwohl die Tiere mit einer enormen Menge an Viren infiziert wurden. Für eindeutige Belege sind aber klinische Studien mit Menschen nötig, die nach einer Infektion mindestens drei Monate beobachtet werden. Mehr dazu

8. Wann gelten Corona-Infizierte als genesen?

Nach Definition des Robert-Koch-Instituts gelten Corona-Infizierte frühestens 14 Tage nach Beginn ihrer Symptome als genesen. Danach dürfen sie 48 Stunden lang keine Symptome wie Husten oder Fieber verspürt haben. Erst dann dürfen Isolierungs-Maßnahmen zu Hause aufgehoben oder Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden - nach Absprache mit Gesundheitsamt und/oder Arzt. Mehr dazu

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Risikogruppen

Ältere Menschen, vor allem in Pflege- und Seniorenheimen, gelten als besonders gefährdet. © Quelle: imago/photothek

9. Schützt Nikotin vor Corona? Oder bin ich als Raucher besonders gefährdet?

Wie in vielen Fragen zum Corona-Virus gibt es auch dazu unterschiedliche Vermutungen: Zurzeit etwa sorgt eine Studie des französischen Instituts Pasteur für Aufsehen. Die Wissenschaftler um Forschungsleiter Prof. Jean-Pierre Changeux wollen herausgefunden haben, dass ausgerechnet Raucher weniger anfällig für die Lungenkrankheit Covid-19 sein sollen. Grund dafür soll eine Substanz im Tabak – höchstwahrscheinlich Nikotin – sein. Das Institut Pasteur in Paris gilt zwar als eines der weltweit führenden Grundlagenforschungs-Zentren für Biologie und Medizin, allerdings fehlt der Studie wie vielen Veröffentlichungen dieser Tage die klinische Testreihe für die Bestätigung der Annahme. Mediziner weltweit gehen zudem weiterhin davon aus, dass Rauchen das Risiko einer schweren Lungenerkrankung bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 erhöht. Der Grund dafür ist ganz einfach: Durch die Belastung des Rauchens sind die Abwehrkräfte des Bronchialsystems eingeschränkt. Viren und andere Krankheitskeime können die Lunge deshalb schneller schwächen und schädigen. Mehr dazu

10. Wie können sich Ältere vor dem Coronavirus schützen?

Menschen im Alter von 80 Jahren und darüber zählen ebenso wie Menschen mit Vorerkrankungen zur besonderen Risikogruppe. Diese gilt es laut Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité besonders zu schützen – auch um das Gesundheitssystem nicht allzu sehr zu überlasten: “Wenn man das nicht ernst nimmt, muss man davon ausgehen, dass es bei den Risikogruppen Sterberaten im Bereich von 20 bis 25 Prozent geben wird”, sagte der Mediziner im NDR. Ältere Menschen sollten deshalb besonders streng bei der Einhaltung der Kontaktsperre sein – und auch auf Besuche der engsten Familienmitglieder und gar der Enkel verzichten, auch wenn das ein großes Opfer bedeutet.

Die Schließung der Altenheime ist umstritten, nach den vielen Todesfällen in besonders betroffenen Einrichtungen aber wohl unausweichlich. Eine Pflegeheimbewohnerin (86) in Berlin etwa empfindet die Kontaktsperre trotzdem als “Einzelhaft”, weil sie wochenlang den Garten nicht betreten und alle Mahlzeiten allein einnehmen musste.

Wichtig für alle älteren Menschen: Einkäufe möglichst nicht mehr selbst erledigen und besonders auf Hygiene wie etwa gründliches Händewaschen achten. Mehr dazu…

11. Gehören Allergiker zur Risikogruppe?

Wer unter Heuschnupfen leidet, muss sich keine Gedanken machen. Trotz Husten, Schnupfen und Co. werden Allergiker nach derzeitigen Erkenntnissen nicht zur Risikogruppe gezählt. Nach Angaben der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) besteht auch bei Allergikern, die auf andere Stoffe reagieren, nach bisherigen Erkenntnissen kein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Mehr dazu…

12. Ich bin Herzpatient, was muss ich beachten?

Abstand halten, Hygieneregeln beachten: Diese Hinweise zum Schutz gegen das Coronavirus sind für Menschen mit Herzkrankheiten besonders wichtig. Denn ein Ausbruch von Covid-19 kann Schwerstarbeit für das Herz bedeuten. Das gilt selbst dann, wenn die Krankheit das Organ nicht direkt befällt, erklärt die Deutsche Herzstiftung. So kann eine Lungenentzündung dafür sorgen, dass im Blut nicht mehr genügend Sauerstoff vorhanden ist. Sinkt dann durch die Krankheit auch noch der Blutdruck, muss das Herz zum Ausgleich schneller schlagen. Das kann das Organ überlasten – gerade wenn es schon vorgeschädigt ist. Mehr dazu…

13. Sterben Männer häufiger am Coronavirus?

Ja. Laut Robert-Koch-Institut sind zwei Drittel der Todesopfer in Deutschland männlich. Obwohl sich Männer und Frauen gleich häufig mit dem Coronavirus infizieren, nimmt die Erkrankung bei Männern häufiger einen schwereren Verlauf. Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 2. April waren damals 872 Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Davon waren 567 Personen männlich (65 Prozent) und 304 weiblich (35 Prozent). Während die Infektionsrate bei beiden Geschlechtern nahezu identisch ist (Männer: 52 Prozent, Frauen: 48 Prozent), sterben Männer in Deutschland deutlich häufiger am Virus. In der Altersgruppe der unter 60-Jährigen sowie der 70- bis 79-Jährigen starben Männer sogar mit einer viermal höheren Wahrscheinlichkeit. Mehr dazu

14. Können sich Neugeborene mit dem Virus infizieren?

Darüber, wie sich das Coronavirus auf Babys auswirkt, gibt es bislang nur wenige Studien. „Bei den bisher untersuchten Neugeborenen Covid-positiver Mütter konnte kein Nachweis einer Übertragung erbracht werden", heißt es etwa beim Robert-Koch-Institut. Es gibt Einzelfallberichte von Neugeborenen, bei denen Sars-CoV-2 nachgewiesen wurde. „In diesen Fällen ist aber unklar, ob die Übertragung während der Schwangerschaft, während der Geburt oder nach der Geburt erfolgte, so dass hieraus keine Schlussfolgerungen gezogen werden können.” Mehr dazu

Regeln und Gesetze zum Umgang mit dem Coronavirus

15. Was sind die Rechtsgrundlagen für den Lockdown?

Grundlage aller Maßnahmen ist das Infektionsschutzgesetz. Es ermächtigt auch die Bundesländer, eigene Ge- und Verbote zu erlassen. Bislang hat die Bundesregierung die Ausgangsbeschränkungen überwiegend koordiniert und Empfehlungen abgegeben, die Umsetzung liegt bislang bei den Ländern. Mehr dazu

16. Sind auch Meinungs- und Demonstrationsfreiheit eingeschränkt?

Wegen der Kontakt- und in einigen Ländern und Städten auch der Ausgangsbeschränkungen ist vor allem die Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Die Meinungsfreiheit darf davon nicht betroffen sein – auch Bundeskanzlerin Merkel betonte jüngst, eine öffentliche Debatte über die Corona-Maßnahmen sei „selbstverständlich“. Mehr dazu

Längst haben mehrere Kritiker den Ausnahmezustand als verfassungsrechtlich heikel bezeichnet, darunter Opposition und Verfassungsrechtler (mehr dazu hier). Die Bundesregierung hat mehrfach betont, nach der Corona-Krise würden alle Einschränkungen wieder aufgehoben. Mehr dazu

Aber auch die Demonstrationsfreiheit darf allein wegen der Maßnahmen nicht völlig abgeschafft werden, hat das Bundesverfassungsgericht in mehreren Fällen geurteilt – sodass inzwischen wieder Demonstrationen stattfinden, allerdings unter strengen Infektionsschutz-Auflagen. Mehr dazu

17. Wie bewerten die Deutschen die Einschränkungen und das Krisenmanagement der Regierung?

Bislang zeigt sich in mehreren Meinungsumfragen eine große Unterstützung der Bevölkerung für die Schutzmaßnahmen der Bundes- und Landesregierungen. Sowohl die ersten, weiterreichenden Maßnahmen fanden bei einer sehr großen Mehrheit Unterstützung (mehr dazu), als auch die jüngsten Lockerungen, von denen ab Mai weitere folgen sollen. Mehr dazu hier

Auch mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung zeigt sich eine klare Mehrheit der Deutschen bislang zufrieden, was auch dazu führt, dass die Kanzlerpartei CDU in Umfragen deutlich zulegt. Mehr dazu

18. Ist es von Vorteil oder von Nachteil, dass wegen des Föderalismus in Deutschland die meisten Zuständigkeiten für den Infektionsschutz bei den Bundesländern liegen?

Die Frage ist derzeit heftig umstritten. Klar ist: Die finanziellen Hilfen für Wirtschaft, Arbeitnehmer und Gesundheitswesen kommen derzeit überwiegend von der Bundesregierung und aus dem Bundeshaushalt. Die Ausgangssperren, Geschäftsschließungen und Auflagen wie Mundschutzpflichten erlassen dagegen die Länder. Kritiker bemängeln, dass die Landesregierungen im Detail so verschiedene Maßnahmen zu so verschiedenen Zeitpunkten erlassen, dass die Bürger unsicher sind, was nun gilt. Mehr dazu

Die Verteidiger des Föderalismus – vor allem die Landesregierungen selbst – betonen den Vorteil, dass die Länder besser auf die aktuelle Lage vor Ort reagieren könnten, die ja hinsichtlich des Infektionsstandes tatsächlich sehr unterschiedlich ist. Mehr dazu

19. Mit welchen Sofort-Hilfen und Gesetzesänderungen hilft die Bundesregierung der Wirtschaft, den Arbeitslosen, Eltern und Kliniken?

Der Bundestag hatte sehr schnell ein beispielloses, insgesamt rund 500 Milliarden Euro teures Hilfspaket zur Rettung von Arbeitsplätzen und Unternehmen, zur Unterstützung von Krankenhäusern sowie zur Sicherung von Lebensunterhalt und Wohnung der Bürger beschlossen. Der Bundestag setzte zudem für die Hilfspakete die Schuldenbremse aus, um neue Kredite in Höhe von 156 Milliarden Euro aufzunehmen. Mehr dazu…

In der vierten Aprilwoche beschloss der Koalitionsausschuss weitere Hilfen im Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro, darunter eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, um für Geringverdiener Einkommensverluste auszugleichen, sowie eine längere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes. Die in der Krise stark belasteten Gastronomiebetriebe bekommen Steuererleichterungen. Um Schulen und Schüler beim digitalen Unterricht zu Hause zu unterstützen, will der Bund 500 Millionen Euro bereitstellen. Mehr dazu

20. Wer soll das alles bezahlen?

Die Kosten werden teilweise aus bestehenden Rücklagen, teilweise aus neuen Schulden getilgt. In der Diskussion sind auch neue Steuern, die SPD fordert zum Beispiel eine höhere Belastung von Spitzenverdienern. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat angekündigt, dass der Bund die neuen Kredite ab 2023 wieder zurückzahlen will. Da aber der Ausgang der Pandemie noch völlig offen ist, hat auch diese Debatte gerade erst begonnen. Mehr dazu

21. Wird es eine Handy-App zur Ortung von Infizierten auch in Deutschland geben? Und wann?

Nach Meinung führender Epidemiologen und Virologen wäre eine von möglichst vielen genutzte Corona-Warn-App ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Mit ihr würden die Kontakte der Nutzer anonymisiert erfasst und bei Infektion eines Nutzers alle anderen Nutzer gewarnt, die zuvor Kontakt hatten – zum Beispiel Sitznachbarn bei einer längeren U-Bahn-Fahrt. Zugleich warnen in Deutschland Hunderte Experten vor Gefahren für den Datenschutz. Ein von der Bundesregierung eingesetztes Konsortium versucht nun, eine App zu programmieren, die allen Ansprüchen und Vorgaben gerecht wird – und tut sich sehr schwer damit. Nun hat die Bundesregierung auf die Kritik an der geplanten zentralen Datenspeicherung reagiert: Die Daten sollen nun dezentral erfasst werden. Gesundheitsminister Spahn erklärte am Sonntag, Ziel sei ein möglichst baldiger Einsatz der App, einen Termin nannte er noch nicht. Mehr dazu

Die Forschung zu Corona

22. Wann kommt der Impfstoff?

Das ist die wichtigste Frage in Zeiten der Corona-Pandemie. Erst wenn es einen Impfstoff gibt, ist so etwas wie Normalität wieder möglich. Der Zeitdruck ist daher enorm und das Rennen um einen Impfstoff läuft so schnell wie noch nie. Erste Studien starteten im März in den USA, am 23. April ist auch in Deutschland eine erste Impfstoff-Studie genehmigt worden. Dass damit aber schon dieses Jahr ein Impfstoff für die deutsche Bevölkerung bereit steht wird, gilt als unwahrscheinlich. In anderen Ländern verfolgen Forscher teils ehrgeizigere Pläne: In der Schweiz etwa gibt das Universitätsspital Bern an, schon im Oktober einen Impfstoff bereitstellen zu wollen. Mehr dazu

23. Welche Medikamente helfen gegen Covid-19?

Auch nach einem Medikament wird in der Corona-Krise fieberhaft gesucht. Das sorgt dafür, dass sich die Meldungen über mögliche Erfolge und Misserfolge von Medikamenten wie etwa Remdesivir von Tag zu Tag zu widersprechen scheinen. Aktuell ist der Stand jedoch: Es gibt noch kein Medikament, bei dem eine Wirkung gegen Covid-19 klinisch nachgewiesen ist. Mehr dazu

24. Warum widersprechen sich die Virologen?

Wohl noch nie standen Virologen, Epidemiologen und Infektions-Experten so im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Doch manche ihrer Aussagen sorgen für Verwirrung oder sind im Nachhinein betrachtet falsch. Müssten sie es nicht besser wissen? Tatsächlich gibt es gute Gründe dafür, dass auch Virologen sich selbst oder ihren Kollegen widersprechen. Das liegt unter anderem daran, dass auch sie in Sachen Sars-Cov-2 dazulernen und die Fakten und damit die Projektionsgrundlagen für die weitere Entwicklung sich ständig verändern. Das Virus ist neu, auch Viren-Experten müssen erst verstehen lernen, wie es sich verhält. Mehr dazu

25. Was ist die Reproduktionszahl?

Die Reproduktionszahl (R) steht derzeit im Zentrum vieler Überlegungen. Sie sagt etwas darüber aus, wie viele andere Menschen ein mit Sars-CoV-2 Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Man kann damit also etwas über die Geschwindigkeit, mit der sich die Infektion ausbreitet, aussagen. Am Anfang der Corona-Krise lag die Ansteckungsrate bei 3. Inzwischen liegt sie in Deutschland bei knapp unter 1. Ist das der Fall, sinkt die Zahl der Neuinfektionen. Mehr dazu...

26. Was ist Herdenimmunität?

Von Herdenimmunität spricht man, wenn ein Erreger sich nicht mehr wirklich in einer Population verbreiten kann. Das passiert, wenn sehr viele Menschen bereits immun dagegen sind. So werden auch Menschen geschützt, die nicht immun sind. Eine Herdenimmunität kann im Prinzip auf zwei Weisen entstehen: Sehr viele Menschen sind geimpft oder haben eine Infektion durchgemacht. Da es derzeit noch keinen Impfstoff gibt, müssten sich in Deutschland zum “Zweck” einer Herdenimmunität also Millionen Menschen infizieren. Die Bundesregierung hält das für eine schlechte Strategie: „Um nur die Hälfte der deutschen Bevölkerung in 18 Monaten zu immunisieren, müssten sich jeden Tag 73.000 Menschen mit Corona infizieren“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun vergangene Woche. Das aber wiederum könnten die Kliniken in Deutschland nicht verkraften. Mehr dazu

Masken und Mundschutz

27. Gilt in ganz Deutschland die Mundschutz-Pflicht?

Die Bundesregierung hatte nach den letzten Beratungen mit den Regierungschefs der Länder eine “dringende” Empfehlung ausgesprochen. Inzwischen haben jedoch alle Bundesländer eine Maskenpflicht etwa im öffentlichen Nahverkehr oder beim Einkaufen eingeführt. Die Startdaten dafür unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Der größte Teil startet am 27. April. Als letztes Bundesland führt Schleswig-Holstein die Maskenpflicht ein: Sie gilt dort ab Mittwoch, 29. April. Mehr dazu

28. Welche Maskentypen gibt es und inwiefern schützen sie?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterscheidet zwischen selbst hergestellten Masken (oder DIY-Masken, Community-Masken), medizinischem Mund-Nasen-Schutz (etwa OP-Masken) und sogenannten filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP3). Nur die filtrierenden Halbmasken schützen die Träger, bei den anderen Masken steht der Fremdschutz im Vordergrund. Mehr dazu

Arztbesuch und Krankenhaus

29. Muss man für eine Krankschreibung zum Arzt?

Wer krank ist, kann sich derzeit auch am Telefon krankschreiben lassen. Eine entsprechende Ausnahmeregelung sollte ursprünglich am 20. April auslaufen, wurde dann aber nach Protesten durch den Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen vorerst befristet bis 4. Mai verlängert. Schon jetzt plädiert der Deutsche Hausärzteverband für eine weitere Verlängerung. Mehr dazu

30. Wie stark sind die Intensivbetten in Deutschland ausgelastet?

Es hat ein wenig gedauert, bis es möglich war, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Inzwischen lässt sich auf der Karte der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gut nachvollziehen, wie stark die Klinken in Deutschland ausgelastet sind. Aktuell sind demnach rund 13.000 Intensivbetten in Deutschland frei. Mehr dazu...

Schule und Lernen während Corona

31. Wann finden die Abiturprüfungen statt?

Die Kultusminister der Bundesländer haben sich geeinigt: Auch 2020 soll es Abiturprüfungen geben. Trotz der Ausbreitung des Coronavirus besagt der gemeinsame Beschluss, dass die Prüfungen zu den geplanten Terminen beziehungsweise bis zu einem Nachholtermin bis Schuljahresende stattfinden – soweit dies aus Infektionsschutz-Gründen zulässig ist.

Wann die Abi-Prüfungen in den einzelnen Ländern stattfinden, wo sich Termine verschieben und welche Änderungen es sonst noch gibt – hier halten wir Sie über aktuelle Bestimmungen in allen Bundesländern auf dem Laufenden. Mehr dazu

32. Wie geht es in den Schulen nach der Wiederaufnahme des Unterrichts im Mai weiter?

Es wird auf lange Sicht keinen gewohnten Unterricht geben, darin sind sich viele Experten einig. Die Schulen müssen sich so organisieren, dass der Abstand eingehalten werden kann. Daher kommt nur Unterricht in Kleingruppen in Frage. Wie das genau umgesetzt wird, regelt jede Schule individuell – auch ob die Schüler im Unterricht einen Mundschutz tragen müssen oder nicht. Ausgefeilte Hygienekonzepte sind auch Grundvoraussetzung für die Wiederaufnahme des Unterrichts. Mehr dazu und hier...

Arbeit und Geld in der Corona-Krise

33. Wer erhält Kurzarbeitergeld und wie viel?

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet im Jahresschnitt 2,5 Millionen Kurzarbeiter. Kurzarbeiter erhalten in der Regel 60 beziehungsweise 67 Prozent des Lohns für Menschen mit Kindern. Die Spitzen der großen Koalition in Berlin haben sich jedoch in der Nacht zum 23. April darauf verständigt, das Kurzarbeitergeld befristet bis zum Jahresende zu erhöhen – ab dem vierten Bezugsmonat auf 70 Prozent des letzten Nettolohns (77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem achten Monat auf 80 Prozent (87 Prozent mit Kindern). Mehr dazu

34. Wie werden Eltern für Lohnausfälle entschädigt?

Wer derzeit wegen der Betreuung seiner Kinder weniger oder gar nicht arbeiten kann, muss unter Umständen auf sein Gehalt verzichten. Betroffene Eltern haben jedoch – unter bestimmten Umständen – Anspruch auf eine Entschädigung. Grundsätzlich wird die Entschädigung maximal für sechs Wochen gezahlt und beträgt 67 Prozent des entstandenen Nettoverdienstausfalls. Doch dabei gibt es viele Einschränkungen, zum Beispiel, wenn eine andere Person im Haushalt die Betreuung übernehmen kann. Mehr dazu

35. Soll ich jetzt lieber sparen oder Geld ausgeben?

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Kurzarbeit haben das Konsumklima Deutschland auf einen historischen Tiefstand gedrückt. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der Nürnberger Marktforscher GfK. Doch muss man in der Corona-Krise wirklich auf Anschaffungen verzichten? Eine Mitarbeiterin der Hamburger Verbraucherzentrale rät gegenüber dem RND: Verbraucher sollten vor größeren Anschaffungen die eigene wirtschaftliche Lage gründlich abklopfen. Wie sicher der Job und das Einkommen sind, sei dabei wichtig. Auch einen Überblick über mögliche Rücklagen sowie finanzielle Risiken – etwa beim Job und bei Geldanlagen – sollte man haben. Ansonsten spricht grundsätzlich nichts gegen größere Anschaffungen. Mehr dazu

Öffentliches Leben während der Corona-Pandemie

36. Wie wird für Hygiene im Supermarkt gesorgt und welche Verhaltensregeln gelten?

Es gibt zahlreiche Maßnahmen, um menschlichen Kontakt so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei werden in Filialen individuelle und pragmatische Lösungen eingesetzt. Fast überall gibt es im Kassenbereich Abstandsmarkierungen am Boden, Plexiglas-Scheiben als Spuckschutz an den Kassen sowie Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe für Mitarbeiter. Kunden dürfen nur allein oder maximal zu zweit eintreten und auch nur mit einem Einkaufswagen, der automatisch den Abstand zueinander sicherstellen soll. Die Hust- und Niesetikette, wie in die Armbeuge zu niesen, sollte auch hier beachtet werden. Kunden wird empfohlen, möglichst ohne Bargeld zu bezahlen, sondern mit Karte. Nicht verboten, aber ungern gesehen sind sogenannte Hamsterkäufe. Toilettenpapier oder haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Mehl und Zucker sind verstärkt nachgefragt und werden vielerorts nur noch mit Mengenbeschränkungen verkauft. Mehr dazu

37. Welche Rechte haben Festival- und Konzertbesucher?

Schon jetzt ist bekannt, dass Großveranstaltungen in Deutschland bis mindestens 31. August 2020 verboten sind. Das betrifft also sämtliche großen Festivals und Konzerte auf Messegeländen, in Stadien und Veranstaltungshallen. Große Festivals wie Hurricane, Southside, Wacken Open Air, Fusion Festival sowie Rock am Ring und Rock im Park wurden bereits offiziell abgesagt. Eine Verschiebung wird es nicht geben, die Festivals finden also frühestens im kommenden Jahr statt. Das Geld für Tickets bekommen Käufer auf jeden Fall zurück. Wenn Veranstalter das Konzert oder Festival absagen, kommen sie ihrer Leistungspflicht nicht nach – selbst, wenn sie nicht für den Ausfall verantwortlich ist, erklärt die Verbraucherzentrale. Um das Geld zu erhalten, sollen sich Käufer an die Stelle wenden, wo das Ticket gekauft wurde. Das gilt übrigens auch für Dauerkarten, etwa für Fußballspiele. Hier kann der Preis anteilig zurückgefordert werden. Wenn eine Veranstaltung nach dem 31. August 2020 stattfindet, können Karteninhaber ihr Ticket nicht aus Angst vor dem Virus zurückgeben. Das ist kein Erstattungsgrund, jedoch gibt es das Geld teils aus Kulanz dennoch zurück. Wenn das Event verschoben wird und Karteninhaber an dem Termin nicht können, haben sie ebenfalls das Recht auf eine volle Erstattung. Eventuell auch auf die Erstattung der Vorverkaufsgebühren und Versandkosten, so die Verbraucherzentrale. Mehr dazu

38. Ab wann gilt ein Event als Großveranstaltung?

Die Bundesregierung untersagt bis zum 31. August alle Großveranstaltungen. Dazu gehören zum Beispiel Fußballspiele, größere Konzerte, Stadtfeste, Festivals, Schützenfeste und Kirmes-Veranstaltungen. Die genaue Definition einer Personenanzahl fehlt allerdings noch. Denn ab wann ein Event als Großveranstaltung zählt, ist Ländersache. Festgelegte Regelungen der Bundesländer dürften noch auf sich warten lassen. Bereits festgelegt hat sich das Ministerium für Inneres und Kommunales von Nordrhein-Westfalen. Als Großveranstaltung gelten hier zurzeit Events, bei denen insgesamt 100.000 Besucher erwartet werden, sich mehr als 5000 Besucher zur gleichen Zeit auf dem Gelände befinden oder bei denen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial vorliege. Aus anderen Bundesländern wurde eine Besucherzahl von 1000 als Grenze ins Spiel gebracht. Bis zum 31. August werden sich alle Bundesländer festgelegt haben. Es ist aber auch denkbar, dass sich die Länder zeitnah auf eine einheitliche Regelung einigen. Mehr dazu

39. Kann ich im Jahr 2020 überhaupt noch Urlaub machen?

Den Urlaub für das komplette Jahr 2020 müssen wir zwar noch nicht abschreiben, aber für den Sommerurlaub sind die Aussichten eher düster. Selbst EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuletzt davon abgeraten, jetzt schon den Sommerurlaub zu buchen: „Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen.“ Nach Prognosen von Reiseexperten wird sich der Urlaub in drei Schritten erweitern. Zuerst werden Reisen innerhalb Deutschlands wieder möglich sein, danach kommen die näher gelegenen Länder im Schengen-Raum und zuletzt internationale Fernreisen. Wann das möglich sein wird, hängt im Prinzip von zwei Faktoren ab: einmal der Reisewarnung der Bundesregierung und auf der anderen Seite von unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer für Inlandtrips und Einreiseverbote beziehungsweise -beschränkungen für Touristen bei Mittelstrecke- oder Fernreisen. Deutsche Tourismusverbände gehen davon aus, dass erste Reisen im Juni oder Juli wieder möglich seien, aber noch nicht in vollem Rahmen. Ausländische Einreisesperren sollen vermutlich, wenn überhaupt, erst in mehreren Monaten wieder aufgehoben werden. Christian Laesser, Touristik-Professor an der Universität St. Gallen, rechnet damit, dass Fernreisen „bestenfalls 2021“ wieder möglich seien. Wann unbegrenztes Reisen wieder möglich ist – darauf wollen sich auch Branchenkenner nicht festlegen. Die Corona-Lage sei schlichtweg zu dynamisch. Mehr dazu

Körper und Seele in Corona-Zeiten

40. Was hilft bei Angst und Panik in sozialer Isolation?

Die Corona-Krise ist eine große Belastung für die seelische Gesundheit. Es hilft, diese Phase nicht als Freiheitsberaubung, sondern als Krisenbewältigung und Lebensrettung zu sehen. Alle stehen die Krise gemeinsam durch. Besser als gar kein Kontakt zu Therapeuten oder Freunden ist ein Gespräch via Skype oder am Telefon. Die Telefonseelsorge etwa ist rund um die Uhr erreichbar unter den Telefonnummern +49 800 111 0 111 oder +49 800 111 0 222 oder +49 116 123. Die deutsche Depressionshilfe bietet eine Telefon-Hotline unter +49 800 33 44 5 33 (Sprechzeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 13 bis 17 Uhr; Mittwoch und Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr). Die “Nummer gegen Kummer” bietet Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit, sich frei zu äußern und beraten zu lassen. Dieses Kinder- und Jugend-Telefon ist unter +49 11 6 111 erreichbar (Sprechzeiten: Montag bis Sonnabend von 14 bis 20 Uhr). Mehr dazu

41. Wie viel Abstand sollte man beim Joggen einhalten?

Joggen oder Radfahren sind mit zwei Metern Abstand erlaubt. Forscher empfehlen, noch weiter auseinander zu gehen. Bert Blocken ist Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik an den Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande). Er empfiehlt beim Gehen in die gleiche Richtung einen Abstand von mindestens vier bis fünf Metern, beim Laufen oder langsamen Radfahren zehn Meter und bei schnelleren Bewegungen gar 20 Meter. Möchte man also eine andere Person überholen, sollte man sich bereits früh zur Seite bewegen, um der Tröpfchenwolke im Windschatten des anderen auszuweichen. Sein Tipp: “Halte mehr Abstand, als du es normalerweise tun würdest.”Mehr dazu

42. Was macht das ganze Händewaschen mit der Haut?

Durch die Corona-Hygienemaßnahmen wird die Haut besonders belastet. Der Gebrauch von Seife und Desinfektionsmittel kann die Hände austrocknen. Dagegen helfen regelmäßiges Eincremen und Handschuhe aus Baumwolle.Vor allem Handcreme mit dem Wirkstoff Urea hilft stark beanspruchter Haut, sich zu regenerieren. Mehr dazu√

43. Wie lange wird die Corona-Krise dauern?

Sicher ist nur, dass es für die gelegentlich geäußerte Hoffnung, in einigen Wochen werde sich die Lage deutlich gebessert haben, keine Grundlage gibt. Die meisten Experten sind der Ansicht, dass die Einschränkungen und die medizinischen Folgen noch Monate bis Jahre den Alltag bestimmen werden. “Glauben Sie niemandem, der behauptet, er wüsste schon jetzt, wie lange es dauert”, sagte der Infektiologe Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jüngst in einem RND-Interview. Mehr dazu

Familienleben und Partnerschaft

44. Ich habe Kinder. Wie erkläre ich ihnen die Corona-Krise? Und was sollten sie wissen?

Kinder leben im Augenblick. Für sie ist wichtig, was jetzt gerade gilt. Vor Spekulationen und Projektionen sollte man sie deshalb bewahren. Mit Kindern unter drei Jahren sollte man generell nicht über die Situation sprechen. Sie sollten auch weitestgehend von Bildschirmen, also Nachrichten ferngehalten werden – das gilt übrigens nicht nur in Zeiten von Corona. Mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren sollte nur über die Situation geredet werden, wenn sie danach fragen. Ab zehn Jahren könne laut dem Kinder- und Jugend-Psychotherapeuthen Dr. Christian Lüdke mit Kindern geredet werden wie mit Erwachsenen. Wichtig sei, bei Kindern, egal welchen Alters, keine Ängste zu schüren und ehrlich zu antworten, ohne sie zu überfordern. Mehr dazu…

45. Wie können Familien trotz Distanz Kontakt halten?

Viele vermissen den persönlichen Kontakt. Um dennoch Zeit miteinander zu verbringen, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um Freunde, Familie und Verwandte nicht aus dem Blick zu verlieren: Videotelefonie etwa, Online-Spiele, Netflix-Partys oder auch den guten, alten Brief. “Schiffe versenken” über Skype ist fast genau so nett wie direkt gegenüber. Mehr dazu

46. Was tun, wenn die große Hochzeit geplatzt ist?

Große Feiern sind tabu. Wer derzeit heiraten möchte, darf vielleicht seinen Termin beim Standesamt noch behalten – aber nur zu zweit kommen. Und kirchliche Zeremonien sind derzeit gar nicht möglich.

Heiraten im Jahr 2020 kann Frust statt Freude sein – oder man macht das Beste daraus. Susan Lippe-Bernard, Chefredakteurin des “Braut & Bräutigam Magazins”, rät: Wer einen Termin beim Standesamt hat, sollte ihn auf keinen Fall verschieben. “Wer weiß, wann es wieder einen gibt.” Statt einer großen Party haben sich manche Festgesellschaften originelle Optionen einfallen lassen. Im einem Fall radelte das Brautpaar allein durch den Ort und machte jeweils –mit gebührendem Abstand – bei Freunden und Verwandten Pause. Dort gab es mal ein Ständchen, mal einen Sekt, mal ein Gedicht. Mehr dazu

47. Kann man Sex haben in Corona-Zeiten?

Für viele Paare stellen sich in Zeiten des Coronavirus so manche Fragen. Wenn wir schon zu Hause bleiben müssen, dürfen wir dann noch Sex haben? Welche Risiken sind mit Intimität in dieser Zeit verbunden? Die gute Nachricht vorweg: Covid-19 ist grundsätzlich wohl sexuell nicht übertragbar. “Es gibt keine Hinweise darauf, dass Covid-19 entweder über den Vaginal- oder den Analverkehr übertragen werden kann”, sagt Carlos Rodríguez-Díaz von der Milken Institute School of Public Health der George Washington University. Das gelte allerdings nicht fürs Küssen – dabei könne das Virus sehr wohl übertragen werden. Mehr dazu

48. Wie können sich Kinder sinnvoll beschäftigen?

Nach Wochen in einem engen Bewegungsradius fehlen vielen Kindern Ideen, um sich sinnvoll zu beschäftigen. Die Verlockung ist groß – aber die eigenen Kinder jetzt stundenlang vor dem Fernseher oder Smartphone zu parken, ist nicht ratsam. Zu den größten Problemen gehört der Bewegungsmangel in engen Räumen. Dreimal um den Häuserblock zu laufen oder im Park 20 Bäume nacheinander zu berühren ist immer noch besser als gar keine Bewegung. Eine Toolbox gegen die Langeweile gibt es etwa beim Deutschen Roten Kreuz – jede Woche neu. Mehr dazu

49. Wo bekomme ich offizielle Informationen zu den aktuellen Vorgängen rund um Corona?

Das Bundesgesundheitsministerium hält ständig aktualisierte Informationen bereit. Dazu gehören aktuelle Forschungsergebnisse, Verhaltenshinweise, Regeln, eine Chronik und hilfreiche Downloads sowie Hotlines zum Thema. All das ist im Internet abrufbar. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt fachlich gesicherte Informationen bereit, ebenso wie das staatliche Robert-Koch-Institut.

50. Hat die Krise auch eine gute Seite?

Ja. Nach Ansicht vieler Soziologen und Gesellschaftsforscher bietet sie die Chance, den Wert von Gemeinsamkeit und Solidarität neu kennen zu lernen. Die Erkenntnis, dass gemeinsames Handeln und kleine und große Gesten der Menschlichkeit die Gesellschaft näher zusammenrücken lassen, könnte auch nach dem Abklingen der Epidemie erhalten bleiben. “Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die das Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe", sagt etwa der Zukunftsforscher Matthias Horx. "Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.”










“Staat, Sex, Amen”
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