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Brief an EU: Tausende Forscher fordern mehr Schutz für Flüsse und Seen

  • Um dem „katastrophalen Zustand” von Flüssen und Seen zu begegnen, haben sich mehr als 5500 Forscher aus ganz Europa in einer gemeinsamen Erklärung an die EU-Kommission gewandt.
  • Darin fordern die Experten die Beibehaltung und konsequente Umsetzung des wichtigsten EU-Wasserschutzgesetzes – der Wasserrahmenrichtlinie.
  • Weil die Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der Richtlinie seit Jahren säumig sind, ist jede dritte Fischart in Europa gefährdet, heißt es.
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Die Zahl der Amphibien erlebe einen steten Rückgang. Mehrere Arten seien gar vom Aussterben bedroht, auch bei Süßwasserinsekten gebe es erhebliche Verluste, erklären die Forscher. Mehr als 5500 Wissenschaftler aus ganz Europa haben in der gemeinsamen Stellungnahme die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten aufgefordert, den Schutz von Gewässern zu stärken. Unter ihnen sind Biologen und Ökologen, Chemiker und Ingenieure, Fischerei- und Agrarexperten.

Der Appell wird von zwölf wissenschaftlichen Gremien getragen, die mehr als 5000 Wissenschaftler vertreten, darunter 950 aus Deutschland. Hinzu kämen knapp 500 weitere Wissenschaftler. Anlass ist laut Umweltschutzorganisation WWF zum einen der „katastrophale Zustand der europäischen Flüsse, Seen und Feuchtgebiete“. Zum anderen befürchtet der WWF eine „getarnte Abschwächung der Gesetze zum Schutz des Wassers in Europa“.

EU-Richtlinie war im „Fitnesscheck“

Im Zentrum der Forderungen steht insbesondere eine EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die Richtlinie wurde 2000 verabschiedet und soll den Gewässerschutz der Staatengemeinschaft sichern. Die EU-Kommission unterzog die Regeln zuletzt einem „Fitnesscheck“, der prüfen soll, ob sie noch zeitgemäß und relevant sind. Kommende Woche will die Kommission unter Ursula von der Leyen die Ergebnisse im Rahmen des Klimaschutzfahrplans präsentieren.

Der WWF warnt nun, einzelne EU-Staaten und Verbände wollten den Check nutzen, um die Regeln aufzuweichen. Er befürchtet, dass am Ende dieses Prozesses „eine als Reform getarnte Aufweichung des Gewässerschutzes in ganz Europa“ stehe. „Wir drängen die Mitgliedsstaaten und die neue EU-Kommission, die Wasserrahmenrichtlinie in ihrer aktuellen Form zu bewahren und die Bemühungen zur Umsetzung zu intensivieren“, heißt es in der Erklärung der Wissenschaftler. Frischwasser-Ökosysteme seien weltweit stark gefährdet. Der Brief ist an den Vizepräsidenten der EU-Kommission, Frans Timmermans, sowie an Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius adressiert.

Industrie und Konsum fordern Tribut

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Mitunterzeichner des Briefs ist Prof. Dietrich Borchardt, Leiter der Wasserforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ): „Die Nutzung der Wasserressourcen und die Inanspruchnahme der aquatischen Ökosysteme in Europa ist in vielen Aspekten nach wie vor nicht nachhaltig. Nahrungsmittelproduktion, Rohstoffgewinnung, demografische Entwicklungen, Konsumverhalten und Energiebedarf fordern immer höheren Tribut.“

Hinzu kämen Klimawandel und die Klimaanpassung, die auf das Engste an das Thema Wasser gekoppelt seien, so Borchardt. Zu lösen seien die Herausforderungen nur mit qualitativ hochwertigen, sektorübergreifenden Lösungen, so wie sie die EU-Wasserrahmenrichtlinie ermögliche. „Sie abzuschwächen wäre fatal, sie sehr viel konsequenter umzusetzen ist mehr denn je notwendig.“

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