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  • Australien: Teddybär-Bienen - seit fast 100 Jahren verschwundene Bienenart wieder aufgetaucht

Wie winzige Teddybären: Australische Bienen schwärmen zu Tausenden aus

  • Ausreichend Regen und Wildblumen haben den einheimischen Bienen Westaustraliens zu einem Schub verholfen.
  • Tausende der Insekten schwärmen derzeit aus und erfreuen ganze Schulklassen, die extra anreisen, um die Bienen zu bestaunen.
  • Die Bienen leben unter der Erde und bauen Tunnel mit einer Tiefe von bis zu 30 Zentimetern.
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Australien. Amegilla dawsoni, die auch als Dawson’s Burrowing Bee bekannt ist, ist kein kleines Insekt: Drei Zentimeter können die einheimischen australischen Bienen groß werden. Die Insekten, die in Westaustralien heimisch sind und im Gegensatz zu den europäischen Bienen keinen Honig produzieren, sind recht sanfte Lebewesen, obwohl ihr Summen geradezu ohrenbetäubend ist. Nur die Weibchen haben einen Stachel, doch Michelle Judd weiß von niemandem, der je gestochen wurde. „Sie sind einfach so friedlich“, sagte die australische Umweltschützerin in einem Telefoninterview. „Wir hatten selbst schon Schulklassen zu Besuch, die einfach mitten im Bienenschwarm saßen.“

Judd kümmert sich gemeinsam mit einem weiteren Manager um das Hamelin Station Reserve, ein von der Umweltorganisation Bush Heritage Australia verwaltetes Grundstück in Westaustralien, rund 670 Kilometer nördlich von Perth gelegen. Auf diesem Gelände sind in den vergangenen Wochen mehr als 5000 Bienennester aufgetaucht, die sich weiträumig verteilen. „So viele hatte ich zuvor noch nie im Reservat gesehen“, sagte die Australierin.

Weibchen sind hochbegehrt

„Wir hatten mehr Regen als in den Vorjahren und auch die Wildblumen stehen in voller Blüte dieses Jahr“, berichtete Judd. Davon würden auch die Bienen profitieren. Diese erstaunen nicht nur durch ihr ungewöhnlich kuscheliges Aussehen, das Judd mit einem Teddybär vergleicht. Die Insekten wohnen auch nicht in Bienenstöcken, wie man das vielleicht vermuten würde, sondern in Löchern unter der Erde. Von dort aus stoßen die weiblichen Bienen ein Pheromon aus, das die Männchen anlockt. „Wenn das Weibchen dann aus seinem Bau herauskommt, schwirren oft schon 20 Männchen umher“, sagte Judd.

Die Bienen lassen sich dabei gar nicht stören. Auf dem Daumen eines Rangers vollziehen sie friedlich den Geschlechtsakt. © Quelle: Barbara Barkhausen
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Selbst bei der Paarung seien die Tiere absolut friedlich, berichtete sie. Ein Ranger habe zwei Bienen bei der Paarung auf seinem Daumen sitzen gehabt und sie sogar noch dabei fotografiert, sagte sie. Ist der Akt vollzogen, verlieren die Männchen und Weibchen jedoch schnell das Interesse aneinander.

Exzellente Architektinnen

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Für die weiblichen Bienen beginnt danach jedoch die harte Arbeit: „Sie sind exzellente Architektinnen“, beschrieb die Australierin die Insekten. Die weiblichen Bienen graben teils bis zu 30 Zentimeter lange Tunnel in die Erde, von denen sieben bis acht Kammern abgehen. Die ausgegrabene Erde stapeln die Bienen in etwa 20 Millimeter hohen Türmchen neben den Erdlöchern. Anschließend kleiden die Bienen die kleinen Kammern unter der Erde mit ihrem Wachs aus, damit diese bei Regen trocken bleiben. Schließlich transportieren die Weibchen Nektar und Pollen in die Kammern und legen ihre Eier ab. Danach reißen sie ihr Erdtürmchen ein, verschließen den Tunnel und sterben vor Erschöpfung. Unter der Erde beginnt derweil der neue Lebenszyklus und nach zwölf Monaten erscheinen die jungen Bienen.

Die Tunnel, die die Dawson’s Burrowing Bees graben, können bis zu 30 Zentimeter tief sein. © Quelle: Nathan Beerkens

Dieses Jahr trugen die günstigen Wetterbedingungen gepaart mit ausreichend Nahrung dazu bei, dass mehr Bienen als normal schlüpften und überlebten. Doch auch die Erholung der Landschaft hat nach Meinung der Umweltschützerin die Entwicklung positiv unterstützt. Denn seitdem das Gelände von Bush Heritage Australia verwaltet wird, gibt es keine Huftiere mehr in dem Gebiet.

„Besonders aufregendes entomologisches Erlebnis“

Judd ist dabei nicht der einzige Fan der Teddybärbienen. Auch die lokale indigene Bevölkerung kann sich nicht an den Insekten sattsehen. Als die Ureinwohner kürzlich ein Training auf dem Grundstück der Organisation abhielten, waren auch sie von den bezaubernden Insekten hin und weg.

Selbst das Western Australian Museum gerät auf seiner Website ins Schwärmen: Die Tiere gehörten zu den „größten und attraktivsten einheimischen Bienen Australiens“, heißt es dort. Sie würden zwar alleine in ihren Nestern wohnen, die Weibchen würden diese aber nah aneinander bauen und seien gesellig, beschreiben die Forscher die Insekten. Die Tiere zu beobachten sei deswegen ein „besonders aufregendes entomologisches Erlebnis“.

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Ausgestorben geglaubte Biene wiederentdeckt

Insgesamt gibt es rund 2000 einheimische Bienenarten in Australien. Die wenigsten davon bauen Bienenstöcke, sondern nisten wie Amegilla dawsoni in der Erde. Wie ihre Verwandten in Europa sind aber auch die australischen Bienen durch Schädlingsbekämpfungsmittel oder den Klimawandel gefährdet.

Doch immer wieder gibt es auch positive Nachrichten wie die derzeitige aus Westaustralien. Ein weiteres Beispiel stammt vom Anfang des Jahres: Damals meldete ein australischer Forscher, dass er eine einheimische Biene wiederentdeckt habe, die bereits als ausgestorben galt. „Ich ging am Rande eines Regenwaldes in der Nähe von Atherton im hohen Norden von Queensland spazieren, als ich eine Biene auf einem Blatt landen sah“, berichtete der Wissenschaftler damals der lokalen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“. Bei der Biene handelte es sich um Pharohylaeus lactiferus, die seit fast 100 Jahren nicht mehr gesichtet worden war.

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