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Vor Besuch der Unesco

Hiobsbotschaft vom Great Barrier Reef: Hitzewelle sorgt für sechste Korallenbleiche

Ein Blick auf die Korallenbleiche (das Foto ist von 2020) rund um die Keppels-Inseln im australischen Bundesstaat Queensland.

Kein Jahr ist es her, dass das Great Barrier Reef erneut knapp an der Roten Liste der Unesco vorbeigeschrammt ist und nicht als gefährdet eingestuft wurde. Kurzzeitig sah es dann sogar so aus, als würden günstige Bedingungen während der regenreichen La-Niña-Saison im vergangenen Jahr zu einer leichten Erholung der Hartkorallen führen, die durch drei Bleichen in nur fünf Jahren schwer angeschlagen waren.

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Doch Ende der Woche kam dann die Hiobsbotschaft: Eine weitere Hitzewelle im Norden von Queensland, dem australischen Bundesstaat, vor dessen Küste sich das Riff über 2300 Kilometer erstreckt, hat erneut eine intensive Korallenbleiche ausgelöst. Die Great Barrier Reef Marine Park Authority (GBRMPA) bestätigte, dass die Bleiche sowohl im hohen Norden als auch in den zentralen Abschnitten des Riffs zu erkennen ist. In den zentralen Teilen vor Townsville ist sie wohl besonders schwerwiegend.

Normalerweise sollten die Korallen in einer La-Niña-Saison, die kühlere Temperaturen sowie Wolken und Regen bringt, nicht bleichen. „2022 ist dank der anthropogenen Erwärmung eine Premiere“, schrieb Terry Hughes von der James Cook University, einer der führenden Korallenforscher Australiens, auf Twitter.

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Tiere und Menschen hängen vom Riff ab

Das Riff, das aus 3000 Einzelriffen besteht und die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten bildet, leidet seit Jahren an den Folgen des Klimawandels. Die steigenden Meerestemperaturen, ausgelöst von den vom Menschen verursachten Emissionen, haben in den Jahren 1998, 2002, 2016, 2017 und 2020 bereits zu fünf Massenbleichen am Riff geführt. Während einer Bleiche wird die Symbiose der Korallen mit einer Algenart, die die Nesseltiere mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen. Zwar können sich die Tiere von Bleichen auch wieder erholen, doch wenn diese zu lange andauern oder zu häufig wiederkehren, sterben die Korallen oft ganz ab.

Zusätzlich zu den höheren Wassertemperaturen machen den Korallen auch Stürme, Abwässer aus der Landwirtschaft, der Ausbau von Kohlehäfen und die invasive Art des Dornenkronenseesterns zu schaffen. Doch der Erhalt des Riffs ist nicht nur für Australiens Ökosysteme von höchster Wichtigkeit, auch der wirtschaftliche Aspekt für die Menschen ist nicht zu unterschätzen: 60.000 Menschen in Australien arbeiten in einem Beruf, der mit dem Great Barrier Reef in Verbindung steht.

Milliarden weitere Korallen werden sterben

Die Korallen leiden jedes Jahr Anfang bis Mitte März unter dem größten Hitzestress. Doch Wissenschaftler begannen bereits im Dezember, sich Sorgen zu machen, nachdem die Wassertemperaturen auf ein Rekordniveau gestiegen waren. „Lassen Sie sich von niemandem sagen, dass ein weiteres Massenbleichereignis im Jahr 2022 am Great Barrier Reef keine Tragödie ist“, schrieb Terry Hughes in einem weiteren Post auf Twitter. „Ein paar Milliarden weitere Korallen sterben gerade – schon wieder.“ Denn die aktuelle Bleiche ist die vierte in nur sieben Jahren.

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Erst im November zeigte eine Studie, die im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde, dass inzwischen bereits 98 Prozent der Einzelriffe seit 1998 einer Bleiche ausgesetzt waren. Nur eine einzige Gruppe von Riffen im äußersten Süden des Great Barrier Reefs, in einer kleinen Region, die während aller fünf Massenbleichen konstant kühl geblieben ist, ist bisher ungebleicht. Im Oktober 2020 war eine weitere Studie zudem zu dem Schluss gekommen, dass die Anzahl der kleinen, mittleren und großen Korallen am Great Barrier Reef seit den 1990er-Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist.

Welterbekomitee zu Besuch am Riff

Die Nachricht von der erneuten Bleiche kommt zu einer kritischen Zeit für das Riff. Denn die Delegation der Unesco, die im Juni erneut über eine Aufnahme des Riffs in die Rote Liste entscheiden soll, wird ab dem Wochenende Australien einen zehntägigen Besuch abstatten. Im vergangenen Jahr war das Riff nach einer groß angelegten Marketingkampagne der australischen Regierung noch knapp einer Aufnahme in die Roten Liste der Unesco entgangen.

Doch schon damals ließ das Welterbekomitee verlauten, man habe die drei jüngsten Massenbleichereignisse „mit größter Besorgnis und mit Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Zudem kritisierte man schon damals die „unzureichenden“ Fortschritte, die in Bezug auf Wasserqualität und Agrarwirtschaft gemacht worden seien.

Geld allein kann das Riff nicht retten

An Geld mangelt es dabei nicht. So plant die derzeitige Regierung – sollte sie nach den Wahlen in diesem Jahr im Amt bleiben – das momentane 2-Milliarden-Dollar-Rettungspaket um eine weitere Milliarde australische Dollar – umgerechnet knapp 670 Millionen Euro – aufzustocken. Das Geld soll über die kommenden neun Jahre hinweg in den Erhalt des Welterbes fließen.

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Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Umweltschützer und Umweltschützerinnen begrüßten diese Nachricht durchaus, doch gleichzeitig sparten sie auch nicht mit Kritik. So schrieb der Riffexperte des WWF, Richard Leck, bereits im Januar, dass Bargeld allein die Probleme des Riffs nicht lösen werde. „Wir müssen die Wälder besser schützen und verstärkt an der Wasserqualität arbeiten“, meinte er. Außerdem müsse sich Australien zu einer Klimapolitik bekennen, die mit einer Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad vereinbar sei.

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