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Australien: Drohnen filmen besonderes Fressverhalten von Buckelwalen

  • In Australien haben Drohnenaufnahmen ein bisher nur selten dokumentiertes Fressverhalten von Buckelwalen festgehalten.
  • Bei der sogenannten Bubble-Net-Fütterung arbeiten die Tiere wortwörtlich zusammen.
  • Die atemberaubenden Aufnahmen zeigen zudem sogenannte Supergruppen – ein positives Zeichen für die Erholung der Säuger.
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Jedes Jahr wieder ziehen Buckelwale im Winter auf der Südhalbkugel von der Antarktis in die warmen nördlichen Gewässer vor Australien, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Und jedes Jahr sind es ein paar mehr: Sogar sogenannte Supergruppen mit 20 bis 90 Tieren wurden in den vergangenen Wochen und Monaten gemeldet.

Bei einer dieser Migrationen sind einem Bürgerwissenschaftler nun erstmals spektakuläre Aufnahmen mit einer Drohne gelungen. Das Video zeigt das seltene Phänomen der sogenannten Bubble-Net-Fütterung. Dabei stoßen die Säugetiere kreisförmige Blasen aus und treiben ihre Beute auf diese Weise in eine Art Blasennetz.

Die Aufnahmen entstanden bereits im September 2020, wurden aber erst jetzt von der Macquarie-Universität in Sydney veröffentlicht. In den Gewässern vor Australien war dieses Spektakel zuvor noch nie beobachtet worden.

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Geschicktes Teamwork bei der Beutejagd

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Das Video würde nicht nur einen ersten Beweis für eine Massenfütterung von Buckelwalen vor der Ostküste Australiens liefern, sondern auch zum ersten Mal die Verwendung von Blasennetzen in Australien dokumentieren, erklärt Vanessa Pirotta, eine Walexpertin der Macquarie-Universität, die das Verhalten analysiert hat, in einem Videotelefonat.

Auf den Bildern ist eine Supergruppe von Walen zu sehen, über 30 Tiere, die rund fünf Körperlängen voneinander entfernt im selben Gebiet fressen. Bei der Bubble-Net-Fütterung pusten die Buckelwale Blasen aus der Nase, die sich oben auf ihrem Kopf befindet. Mit den Blasen fangen sie ihre Beute – Fisch oder Krill – quasi ein, indem sie sie in einer Art Kugel zusammentreiben. Dabei „arbeiten sie mit anderen Walen zusammen“, wie Pirotta erklärt. Die Wale schwimmen dann von unten heran und verschlingen die Beute.

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Video
Buckelwale erstmals in Australien bei der Bubble-Net-Fütterung
1:18 min
Schauspiel in Australien – bei der Bubble-Net-Fütterung pusten die Buckelwale Blasen aus der Nase, die sich oben auf ihrem Kopf befindet.  © Vanessa Pirotta

Phänomen bisher unbekannt

Bisher wurde das Fressverhalten hauptsächlich mit Buckelwalpopulationen auf der Nordhalbkugel in Verbindung gebracht. Auf der Südhalbkugel war es bisher nur in der Antarktis und seit 2011 immer wieder vor Südafrika beobachtet worden. Doch in den Gewässern vor Australien war das Phänomen bisher unbekannt, wobei es andere Bürgerwissenschaftler interessanterweise nur einen Monat später noch mal südlich von der australischen Insel Tasmanien beobachteten.

Angelerntes Verhalten?

Die Frage sei nun, „wie diese Verhaltensweise in dieser Population entstanden“ sein könnte, sagt die australische Forscherin. „Haben einige Individuen entschieden, dies zu tun, oder haben sie das Verhalten von anderen Walen aus verschiedenen Populationen erlernt?“ Pirotta vermutet, dass es in diesem speziellen Fall das „Ergebnis einer kulturellen Übertragung“ sein könnte, bei der einige Wale das Verhalten weitergegeben haben und anderen Tieren quasi gezeigt haben, wie man mithilfe der Blasen seine Beute fangen kann.

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„Es gibt Hinweise darauf, dass Buckelwale die australischen Gewässer sozusagen als Zwischenstopp zur Fütterung genutzt haben“, so Pirotta. Die Aufnahmen seien für sie auch deswegen so interessant, weil sie mehr darüber erfahren würde, wo sich Wale ernähren, aber auch, wie sie in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedliche Verhaltensweisen anwenden.

Buckelwale können monatelang auf Nahrung verzichten

„Buckelwale gehen auf verschiedenste Weise auf Beutejagd“, berichtete die Forscherin. Sie seien dafür bekannt, sich beim Fressen auf die Seite zu drehen, und sie könnten in größeren Tiefen, aber auch an der Oberfläche fressen. Pirotta vermutet, dass die verfügbare Beute möglicherweise die Art der Nahrungsaufnahme bestimmt, je nachdem beispielsweise, ob es sich um Krill oder kleine Fische handelt.

Normalerweise fressen sich die Buckelwale in der Antarktis satt und verzichten auf dem Weg nach Australien dann aufs Futter. Die Tiere können monatelang ohne Nahrung auskommen und leben – während sie sich fortpflanzen – rein von ihren Energiereserven. Von August bis November, wenn die Buckelwale dann aber wieder südwärts in Richtung Antarktis ziehen, bekommen sie auch wieder Appetit.

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Population auf 65.000 Tiere angestiegen

Nachdem die Walpopulation durch den Walfang vor den Küsten Australiens bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts drastisch geschrumpft war, gibt es inzwischen wieder zwei Buckelwalpopulationen in australischen Gewässern. „Sie haben sich seit dem Ende des Walfangs in den frühen Sechzigerjahren erholt“, sagt Pirotta.

Das seien wirklich gute Nachrichten, wie die Forscherin meinte. Vor allem die Population an der Ostküste entwickle sich gut: Laut Pirotta wächst sie um etwa 11 Prozent pro Jahr, sodass die Zahl der Buckelwale dort inzwischen wieder auf etwa 65.000 Tiere geschätzt wird.

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