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RND-Kolumne „Von oben gesehen“

Wie macht man es sich im All gemütlich?

Auf diesem von der Nasa zur Verfügung gestellten Foto blickt der US‑Astronaut und Flugingenieur der Expedition 66, Mark Vande Hei, aus dem Inneren der Sieben-Fenster-Kuppel, dem Fenster der Internationalen Raumstation zur Welt, auf die Erde.

Auf diesem von der Nasa zur Verfügung gestellten Foto blickt der US‑Astronaut und Flugingenieur der Expedition 66, Mark Vande Hei, aus dem Inneren der Sieben-Fenster-Kuppel, dem Fenster der Internationalen Raumstation zur Welt, auf die Erde.

Bezaubernde Ausblicke auf unseren blaugrünen Planeten mit seinen faszinierenden Wolken­formationen, 16 Sonnenaufgänge pro Tag, spannende Experimente und vielleicht sogar ein Welt­raum­spaziergang – das alles erwartet Raumfahrende im All. Am Starttag gibt es das Wunsch­frühstück, und eine Teslafahrt im schicken Raumanzug zur Startrampe – mit Entourage, versteht sich. Das Leben als Astronautin, voller Glamour, Ruhm und Ehre?

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Nicht ganz. Das böse Erwachen folgt spätestens bei Ankunft auf der Raumstation: denn es riecht. Streng. Sehr streng. Das ist natürlich logisch, denn Duschen und Baden ist auf der ISS nicht möglich, eine Wasch­maschine gibt es auch – noch – nicht. Und auch sonst ist es um vieles, mit dem man sich das Leben auf der Erde angenehm macht, schlecht gestellt: ein Wald­spazier­gang, Freunde umarmen oder eine kalte Maracuja­saft­schorle? Fehlanzeige. Kaffee­connaisseure hegten 2015 kurz Hoffnung, als die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti die Espresso­maschine ISSpresso im All einweihte. Leider ohne bleibenden Erfolg. Und Alkohol ist an Bord der Raumstation genau wie Rauchen sowieso verboten.

Viele Strapazen und Entbehrungen

Tatsächlich bringt der Aufenthalt im All so viele Strapazen und Entbehrungen mit sich, dass schon früh Augenmerk auf zumindest kleine Annehmlichkeiten gelegt wurde: Yuri Gagarin hatte bei seinem ersten Flug ins All nicht nur Fleischpüree mit dabei, sondern auch eine Tube Schokoladensauce. Und die Nasa berichtet, dass Schokolade es auf nahezu jedem Flug ins All schafft. 2006 flog sogar Eis ins All – eine für die Forschung benötigte Gefriertruhe wurde pragmatisch mit Vanilleeis gefüllt. Allerdings ist das ein seltenes Highlight, das sich erst 2012 wiederholte.

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Umso wichtiger ist es also, den eigenen Gemütszustand nicht zu sehr von Nahrungs­mitteln abhängig zu machen. Alternativ lässt sich auch über die Freizeit­gestaltung für Behaglichkeit sorgen: Musik hören oder meditieren, mit Freunden videochatten oder vielleicht sogar musizieren, auch Bilder wurden schon auf der Raumstation gemalt.

Produktivität steigt bei einer guten Work-Life-Balance

Apropos Freizeit: Mit der Errichtung von Skylab, der ersten dauerhaft besetzten Station im All, wurden insbesondere für Lang­zeit­missionen geregelte Arbeitszeiten und Wochenenden eingeführt – denn wie während der Mission Skylab 4 festgestellt wurde, steigt die Produktivität bei einer guten Work-Life-Balance. Das klingt vielleicht nicht sonderlich überraschend, ist aber leider auch auf der Erde noch keine Selbstverständlichkeit.

Bei allen Entbehrungen steht auf jeden Fall fest: Die Annehmlich­keiten auf der Raumstation sind zwar nicht grenzenlos, aber wenigstens schwerelos!

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Insa Thiele-Eich ist Meteorologin und forscht an der Universität Bonn an den Zusammen­hängen zwischen Klimawandel und Gesundheit. Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissen­schafts­astronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation – und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Hier schreibt sie alle zwei Wochen über Raumfahrt, den Klimawandel und die faszinierende Welt der Wissenschaft.

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