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Animal Hoarding: Immer mehr schwere Fälle von Tiersammelsucht

  • Der Deutsche Tierschutzbund schlägt Alarm: Die Tiersammelsucht, auch Animal Hoarding genannt, greift in Deutschland immer weiter um sich.
  • Der Tierschutzbund hat für das Jahr 2018 die bisher höchste Anzahl von Fällen dokumentiert, in denen Privatpersonen Tiere auf krankhafte Art „sammelten“ und unter tierschutzwidrigen Bedingungen hielten.
  • Die Zahl der gehorteten Tiere erreichte mit insgesamt 3888 ihren Höchststand seit 2012. Die Tierschützer gehen von einer „hohen Dunkelziffer“ aus.
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Demnach wurden dem Verband 59 solcher Animal-Hoarding-Fälle im vergangenen Jahr bekannt. Auch die Zahl der gehorteten Tiere erreichte mit insgesamt 3888 ihren Höchststand seit 2012. Die Tierschützer gehen von einer „hohen Dunkelziffer“ aus.

Beim Animal Hoarding sammeln Betroffene Tiere. Doch sie verlieren irgendwann die Kontrolle darüber, sodass ihre Schützlinge verwahrlosen und hungern – manchmal bis zum Tod. Die Tiersammler leben mit einer psychischen Störung und sehen das Leiden ihrer Tiere nicht. Mal sind es 60 Tauben in einer Kleingartenanlage, oder eine Frau, die mit mehr als 20 Katzen in einer Zweizimmerwohnung lebt, ein Paar, das in seinem Kleingarten 50 Hunde hält. In Kiel befreiten Amtstierärzte jüngst mehr als 160 verwahrloste Tiere aus einer Dreizimmerwohnung – darunter 36 Katzen, 51 Meerschweinchen, 32 Kaninchen und andere Kleintiere. Im niedersächsischen Gifhorn fand die Polizei auf einem Anwesen 400 Tiere, vor allem Vögel, Meerschweinchen, Ratten und Schlangen. Einige Tiere in den Käfigen waren schon tot.

Großes Problem für Tierheime

Die Tierheime, zu denen die Tiere gebracht werden, stoßen immer öfter an ihre Grenzen. Wenn viele verwahrloste und kranke Tiere auf einmal versorgt werden müssten, bedeute dies einen enormen personellen Einsatz, eine große psychische Belastung sowie hohe Kosten. „Obwohl unsere Auswertung zeigt, wie relevant die Problematik hierzulande ist, ist das Phänomen Animal Hoarding leider bisher wenig bekannt“, sagt Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Bedingungen, denen die Tiere in solchen Fällen oft über lange Zeit ausgesetzt sind, sind nicht artgerecht und hygienisch meist absolut untragbar. Die Tiere pflanzen sich unkontrolliert fort und die überforderten Halter können ihnen weder eine richtige Ernährung noch eine hinreichende medizinische Versorgung bieten.“

Jedes dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossene Tierheim muss im Jahr durchschnittlich fünfmal Tiere aus Animal-Hoarding-Fällen aufnehmen. Sind viele Tiere betroffen, belaufen sich die Kosten schnell auf einen fünfstelligen Bereich. Die Kommunen erstatteten den Tierheimen die entstandenen Kosten häufig aber nur unzureichend, sagt Caterina Mülhausen, Leitung Campaigning beim Deutschen Tierschutzbund, die für mehr Unterstützung der Tierheime wirbt.

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18.000 Tiere bisher betroffen

Seit der ersten Auswertung im Jahr 2012 waren laut Tierschutzbund bis heute mindestens 18.746 Tiere betroffen. Ob die tendenziell steigende Anzahl auf eine tatsächliche Zunahme von Animal Hoarding zurückzuführen ist, bleibe aber unklar. Ebenso könnte ein verbesserter Vollzug, eine häufigere Berichterstattung oder eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit und damit eine vermehrte Meldung von Verdachtsfällen bei Polizei und Veterinärbehörden Ursache für den Anstieg sein, heißt es.