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  • Angst vor Klimawandel und Corona - Zukunftsforscher Daniel Dettling: Eine bessere Zukunft ist möglich!

Eine bessere Zukunft ist möglich!

  • Die meisten Deutschen haben Angst vor dem, was die nächsten Jahre bringen.
  • Dabei können wir weltweit die Armut überwinden, den Klimawandel in den Griff bekommen und Gesellschaften friedlicher machen.
  • Ein Gastbeitrag von Zukunftsforscher Daniel Dettling.
Daniel Dettling
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Wer in den Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts aufgewachsen ist, müsste als 40- oder 50-Jähriger heute längst tot sein. Nukleares Wettrüsten, Waldsterben, Tschernobyl, Aids – die Prognosen für unsere heutige Zeit ließen damals das Allerschlimmste befürchten. Es sei unverantwortlich, in diese Welt noch Kinder zu setzen, hörte die junge Generation von Lehrern, Politikern und eigenen Eltern. Die Geburtenrate sank tatsächlich, die große Katastrophe blieb jedoch aus.

Viele bezeichnen sich als glücklich – und sehen trotzdem schwarz

Umfragen und Studien kommen heute zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die allermeisten Deutschen sehen ihr eigenes Leben als gut an und bezeichnen sich selbst als glücklich – für die generelle und gemeinsame Zukunft sehen sie dagegen schwarz. Bestätigt hat diesen Befund im vergangenen Monat eine Studie des Rheingold-Instituts. Fast zwei Drittel der Deutschen (61 Prozent) sagen, dass Deutschland vor einem Niedergang stehe. Die frühere Vision des technologischen Fortschritts steht heute nicht mehr für sozialen Aufstieg und eine bessere Welt. Stattdessen dominiert die Angst vor der Zukunft. Viel Arbeit für die selbst ernannte „Fortschrittskoalition“ aus SPD, Grünen und FDP. Fast 90 Prozent der in der Rheingold-Studie Befragten fürchten drastische Veränderungen durch Krisen wie Corona und den Klimawandel. Drei Viertel (76 Prozent) sind der Ansicht, dass „die jüngere Generation es nicht mehr so gut haben wird wie wir“.

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Dabei geht es der Menschheit besser als je zuvor. Lebenserwartung, Bildung und Gesundheit – die Indikatoren des Fortschritts haben sich global enorm verbessert. Noch nie in der Geschichte haben die Menschen mehr Zeit, mehr Bildung, eine bessere Gesundheit und höhere Einkommen gehabt. Weltweit hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen in den vergangenen 20 Jahren mehr als halbiert. Fast 90 Prozent der Menschen haben Zugang zu Bildung und können lesen und schreiben. Die Mehrheit lebt heute in einer Demokratie mit geschützten Rechten. Selbst Terrorismus, Naturkatastrophen und Kriminalität gehen zurück.

Der globale Wohlstand und damit die Chancen für immer mehr Menschen wachsen. In Afrika ist die Lebenserwartung seit 1950 von 37 Jahren auf heute 65 Jahre bei den Frauen gestiegen. Bis 2050 wird sie sich der europäischen Lebenserwartung angeglichen haben. Für die zweite Hälfte des Jahrhunderts wird der Höhepunkt des Bevölkerungswachstums erwartet. Danach wächst die Weltbevölkerung nicht mehr, sondern sinkt. Überbevölkerung ist ein aussterbender Begriff, der uns keine Angst mehr machen muss. Der Grund für diese Entwicklung: Immer mehr Frauen haben Zugang zu Bildung und können ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten.

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Die Menschheit hat ihre beste Zeit noch vor sich

Die Menschheit hat ihre beste Zeit nicht hinter, sondern vor sich. Aus den beschriebenen Trends lassen sich fünf Prognosen ableiten:

  • Erstens werden wir zwar älter, bleiben aber kreativ und innovativ. Die Begriffe Überalterung und Überbevölkerung sterben aus. Immer mehr 70- bis 80-Jährige üben Spitzenfunktionen aus. Treiber der demografischen Entwicklung sind der medizinische Fortschritt, die gestiegene Lebenserwartung und ein globaler Wertewandel, der das Thema Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt.
  • Zweitens wird die Welt friedlicher, weil sie immer mehr zum Dorf wird. Wir leben heute in der friedlichsten Welt aller Zeiten. Erstmals seit 2013 gibt es weniger Konflikte. Aus fernen Ländern werden Nachbarn, aus einander fremden Gesellschaften werden Netzwerke, die voneinander abhängen. Kriege wie jüngst im Irak und in Afghanistan wird es nicht mehr geben. Tödlicher als Terrorismus und militärische Gewalt sind heute schlechte Ernährung und Verzweiflung.
  • Drittens: Eine globale Mittelschicht entsteht, die wohlhabender sein wird als alle Generationen zuvor. Eine Welt ohne extreme Armut und Hunger ist damit möglicher denn je. Gesellschaften, die offen sind für Migration, profitieren mehr als geschlossene Gesellschaften.
  • Viertens werden wir bis 2030 den „Carbon Peak“, den Höhepunkt des globalen CO₂-Ausstoßes, erreichen. Es wird uns gelingen, die Wirtschaft weltweit bis 2050 klimaneutral zu machen. Wir werden mit erneuerbarer und grüner Energie so viel fliegen und Auto fahren können, wie wir wollen. Die Kreislaufwirtschaft ersetzt bis 2050 die lineare Verschwendungswirtschaft.
  • Und fünftens wird die Zahl der Demokratien zunehmen. Vollendete Demokratien führen keine Kriege untereinander, weil sie die Freiheit zur Entscheidung ihren Bürgern und nicht Despoten überlassen, so der Begründer der Aufklärung, Immanuel Kant, vor 250 Jahren. Umfragen zufolge sind in fast allen Regionen der Welt emanzipative Werte wie Gleichberechtigung der Geschlechter, persönliche Entscheidungsfreiheit, Meinungsfreiheit und politische Mitwirkungsrechte auf dem Vormarsch. Liberale Systeme sind, das zeigen Patentanmeldungen und Erfindungen wie Impfstoffe gegen Corona, lernfähiger und innovativer als autoritäre Systeme und Diktaturen.
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Wir müssen entscheiden, welches Spiel wir spielen wollen

Der amerikanische Religionswissenschaftler James P. Carse unterscheidet in seinem Buch „The Infinite Game“ zwei Arten von Spielen: Fußball, Wahlen und rein profitorientiertes Business sind „endliche“ Spiele – Spiele, in denen es immer Gewinner und Verlierer gibt. Dagegen sind Familie, Lachen, Liebe, Kunst und Kochen sowie gemeinnütziges Business „unendliche“ Spiele. Diese kennen keine Verlierer, sondern nur Gewinner. Wir spielen sie immer wieder, verbessern sie und uns.

Wir müssen uns entscheiden, welche Art von Game wir in Zukunft spielen wollen und ob dabei alle gewinnen sollen. Wir entscheiden, was wir sein wollen und sein können. Wir können aus weniger Armut, Hunger und Klimazerstörung mehr Wohlstand, Frieden und Freiheit machen.

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