Menschlichster Roboter der Welt

Wie der Roboter Erica lachen lernte

Erica, der lachende Roboter (Screenshot aus einem Video des HiroshiIshiguro-Lab).

Erica, der lachende Roboter (Screenshot aus einem Video des HiroshiIshiguro-Lab).

Erica ist eine ganz besondere Roboterfrau: Ihr Gesicht aus Silikon kann Emotionen abbilden und dank einer Spracherkennungssoftware ist Erica in der Lage, einfache Unterhaltungen mit Menschen zu führen. Androiden nennt man solche Roboter wie Erica, die besonders humanoid, also menschenähnlich sind.

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Erica wurde vor sieben Jahren an der Universität von Osaka entwickelt, doch bisher fehlte ihr noch das „gewisse Etwas“. In Gesprächen wirkte sie stets noch ein wenig zu roboterhaft. Um die Androidin menschlicher zu machen, haben Forschende der Universität Kyoto ihr nun beigebracht, wie man lacht. Drei Jahre lang hat das gedauert, nun wurde das Ergebnis vorgestellt. Videos zeigen, wie Erica im Gespräch kichert, in Gelächter ausbricht oder schmunzelt.

Lachen drückt Empathie aus

„Wir glauben, dass eine der wichtigsten Aufgaben bei einer kommunizierenden künstlichen Intelligenz die Empathie ist“, sagte Koji Inoue, einer der beteiligten Forschenden gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“. „Und wir dachten uns, ein Weg, auf dem ein Roboter Empathie zeigen kann, ist, das Lachen von Gesprächspartnern zu teilen.“

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In einem Beitrag, den Koji Inoue und zwei weitere Forschende in „Frontiers in Robotics and AI“ veröffentlicht haben, schildern sie, wie sie es schafften, Erica Humor beizubringen. Lachen an der passenden Stelle im Dialog einzubauen erfordere ein hohes Level an Sprachverständnis, schreiben sie in ihrem Artikel. Daher hätten sie sich dafür entschieden, dass Erica nicht auf bestimmte Stellen im Dialog mit Lachen reagieren soll, sondern auf das Lachen ihres Gegenübers.

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Obwohl Erica also eigentlich nur mitlacht, ist auch das eine Herausforderung. Sie musste lernen, das Lachen des Gegenübers als solches zu erkennen und verschiedene Arten von Lachen richtig einzuordnen. Dann entscheidet ein Algorithmus, ob und mit welcher Art von Lachen Erica in das Lachen des Gegenübers einstimmt.

Sie wurde für drei verschiedene Varianten programmiert: Macht ihr Gegenüber einen Scherz, ist dies meist an seinem oder ihrem lauten, fröhlichen Gelächter zu erkennen. In dieses stimmt Erica mit einem genauso fröhlichen Gelächter ein. Menschen neigen im Gespräch außerdem zum sogenannten sozialen Lachen. Damit sind eher verhaltene Laute gemeint, die wir von uns geben, um Zustimmung zu signalisieren oder Verlegenheit zu überspielen. Auch solche Laute soll Erica erwidern. Die dritte Option ist, dass Erica schweigt. Das tut sie dann, wenn ihr Algorithmus erkennt, dass Mitlachen oder Zurücklachen in diesem Moment unpassend wäre.

Um Erica zu trainieren, hatten die Forschenden ein Setting gewählt, das einem Speeddating nachempfunden war. Bei einer solchen Situation versuche man, freundlich zu sein und den anderen kennenzulernen, weshalb normalerweise viel gelacht werde, erklären die Forschenden in ihrem Artikel. Insgesamt 82 männliche Studenten trafen im Roboterlabor auf Erica und spielten die Speeddating-Situation durch – bei der Ericas Gestik und Sprache noch von einer Schauspielerin ferngesteuert wurde. Anschließend wurden die Speeddating-Dialoge genutzt, um zu analysieren, wann welche Art von Mitlachen nach menschlichem Verständnis angebracht war. Und Erica wurde so programmiert, dass sie dies nun erkennt.

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Roboter könnten Charaktere entwickeln

Abschließend testete das Team der Forschenden, wie Ericas neue Fähigkeit ankam. Es wurden vier Dialogsituationen aufgenommen, in denen die Androidin entweder gar nicht lachte, immer nur mit sozialem Lachen, also mit zustimmenden Lauten auf Gelächter reagierte, oder aber auf die genau passende Weise mit- und zurücklachte.

Personen, denen die Dialoge vorgespielt wurden, fanden Erica mit dem passenden Lachen am empathischsten, natürlichsten und menschenähnlichsten. Roboterforscher Koji Inoue glaubt, dass Lachen helfen könne, Androiden mit einem eigenen Charakter zu kreieren: „Wir glauben, dass sie diesen durch ihr Gesprächsverhalten, Lachen, Augenbewegungen, Gesten und Sprechweise zum Ausdruck bringen können“, sagte Inoue gegenüber dem „Guardian“. Es werde aber noch mehr als 20 Jahre dauern, so der Forscher, bis wir mit einem Roboter „plaudern können wie mit einem Freund“.

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