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Spannende Fakten über Ameisen

Großartige Krabbler: das faszinierende Leben der Ameisen

Zwei Exemplare der Kahlrückigen Waldameise (Formica polyctena), auch Kleine Rote Waldameise genannt, betasten sich.

Zwei Exemplare der Kahlrückigen Waldameise (Formica polyctena), auch Kleine Rote Waldameise genannt, betasten sich.

Der Verkehr auf der winzigen Straße durch die Küche ist rege. Kleine schwarze Punkte rasen von A nach B, scheinbar wahllos, aber doch irgendwie geordnet. Wenn es warm wird, verlassen Ameisen ihren Bau – Nahrungssuche ist angesagt. Weder Haustür noch Gartenzaun halten die kleinen Jäger und Sammler dann ab. „Ameisen sind manchmal schon ein bisschen anstrengend, wenn sie auf der Suche nach Leckerbissen sind“, sagt Laura Breitkreuz vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Vor allem aber sind sie faszinierende Tiere.

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„Ihre Hoheit“: Ameisenkönigin legt täglich rund 100 Eier

Ein Ameisenstaat ist perfekt organisiert – das muss er auch sein, denn in einem Volk leben, je nach Ameisenart, zwischen wenigen Hundert und mehreren Millionen Krabblern. Es existieren mehr als 14.000 verschiedene Ameisenarten weltweit, in Mitteleuropa sind es etwa 190. „Wenn wir in Deutschland von Ameisen reden, ist oft die Schwarze Wegameise gemeint, bei uns ist sie zum Beispiel in den Städten die verbreitetste Ameisenart“, sagt Breitkreuz.

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Die einzelnen „Bürgerinnen und Bürger“ des Staates unterscheiden sich in sogenannten Kasten: Die Tiere sehen verschieden aus und jedes hat seine eigene Aufgabe. In jedem Staat gibt es geschlechtlich aktive Tiere: Weibchen und Männchen zeugen den Nachwuchs. Beide tragen Flügel und begatten sich in der Luft. Danach sterben die Männchen. Die Weibchen speichern die Millionen von Samenzellen und verbringen als Königinnen den Rest ihres Lebens damit, Eier zu legen. Und das ist ganz schön lange, erklärt die Nabu-Mitarbeiterin. „Der Rekord einer Königin der Schwarzen Wegameise liegt bei 29 Lebensjahren, an denen sie täglich rund 100 Eier legt.“ Doch jeder hochherrschaftliche Staat braucht nicht nur Königinnen, sondern auch fleißige Helferinnen und Helfer, die dafür sorgen, dass der Laden läuft. So auch bei den Ameisen.

Die Tiere stehen unter Schutz

Ameisen spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Durch ihre Gangsysteme lockern sie den Boden auf, sie bringen dort Biomasse ein und fördern dadurch die Bodenfruchtbarkeit. „Seit Jahrzehnten befinden sich die Waldameisenbestände in starkem Rückgang; ihre Existenz ist somit zunehmend bedroht“, erklärt die Ameisenschutzwarte Bayern. Die Waldtiere stehen unter Naturschutz – sie dürfen nicht getötet und ihre Bauten nicht zerstört werden.

Hebamme, Bodyguard, Architektin: die Berufswahl der Weibchen

Die sogenannten Arbeiterinnen pflanzen sich nicht fort. Sie sind Hebamme, Kindergärtnerin, Köchin, Bodyguard, Architektin oder Bauarbeiterin: Sie füttern und reinigen den Nachwuchs, bauen den Unterschlupf, verteidigen ihn und bringen Nahrung. Bei einigen Arten dieser Insekten lässt sich die Rolle der einzelnen Tiere auch an ihrer Körperform erkennen: Tiere, die das Nest verteidigen, haben zum Beispiel einen größeren Kopf und auch einen ausgeprägten Kiefer.

Und wer entscheidet über die Aufgaben jeder einzelnen Arbeiterin? „Das System ist komplex, dazu tragen verschiedene Aspekte bei“, so Breitkreuz. Zum Beispiel die Jahreszeit, in der die Tiere schlüpfen, ihre Nahrung und bestimmte Drüsensekrete, mit denen die Arbeiterinnen die Larven versorgen. Und auch das Alter spielt eine Rolle: Während die älteren Tiere „gefährlichere“ Aufgaben draußen übernehmen, arbeiten die jüngeren eher im sicheren Bau. Doch wie sieht so ein Ameisenhaufen überhaupt von innen aus?

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Der Palast: Ameisenhaufen hält die Krabbler warm

Genau wie viele Menschen möchten Ameisen weder auf die Klimaanlage noch auf eine Heizung im Eigenheim verzichten. Deshalb kons­tru­ie­ren sie – je nach Klima und Ort – ihren Bau entweder flach oder in die Höhe. Je höher der Ameisenhaufen, desto größer die Oberfläche. So wärmt sich das Heim schneller auf. Von April bis Oktober herrschen 20 bis 30 Grad im Ameisenhaufen. Falls es mal zu heiß werden sollte, wird umgebaut. An mehreren Stellen öffnen die Tiere ihr Nest, was den gleichen Effekt hat wie das Öffnen eines Fensters: Die Luft wird ausgetauscht. Sobald es kälter wird, sorgen die Arbeiterinnen dann dafür, dass es kuschelig wird: Draußen heizen die Sonnenstrahlen ihre kleinen, dunklen Körper auf. Diese Wärme bringen sie anschließend ins Nest.

Je höher der Bau, desto größer die Oberfläche – und desto wärmer das Innere.

Je höher der Bau, desto größer die Oberfläche – und desto wärmer das Innere.

Der Bau selbst besteht aus unterirdischen Gängen und Kammern, die miteinander vernetzt sind. Für die unterschiedlichen Brutstadien der Larven gibt es je eine eigene Kammer, die Kleinen werden also nach Altersgruppen getrennt. In einem Raum legt die Königin ihre Eier, es gibt Müllkammern, Friedhofskammern, wo tote Ameisen gelagert werden, und Vorratskammern. Und diese Vorratskammern müssen gefüllt werden. Ihre Nahrungssuche führt die kleinen Krabbler auch immer wieder in Häuser und Wohnungen.

Der Straßenbau: über eine Duftspur zur Nahrung

Wer zu einem Restaurant fährt, sucht sich dafür meist den kürzesten Weg. Uns Menschen hilft dabei ein Navigationssystem – eine Technik, mit der Ameisenvölker locker mithalten können: Viele Arbeiterinnen sind rund um den Bau unterwegs auf Nahrungssuche. Mit einem Duftstoff markieren sie die Route nicht nur auf dem Hin-, sondern auch auf dem Rückweg. Die Ameise, die als Erste zurückkehrt, hat den kürzesten Weg zur Nahrung gefunden. Die anderen Ameisen folgen ihrer Duftspur – dem Navigationssystem. So entsteht eine Ameisenstraße.

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Mit Gift lässt sich solch eine Straße laut Expertin Breitkreuz aber nicht verhindern. Das Gift gefährde eher Menschen und Nützlinge. Und auch einzelne Tiere zu töten ergebe keinen Sinn, schließlich folgen viele weitere. „Die Ameisenstraße einfach gut putzen und mit Lavendel-, Minz- oder Zitronenöl einen Strich durch die Straße machen“, rät Laura Breitkreuz. Das hat den gleichen Effekt, wie wenn das Navigationssystem im Auto die Verbindung verliert.

Diese Ameisenstraße wurde mit einem Kreidestrich unterbrochen.

Diese Ameisenstraße wurde mit einem Kreidestrich unterbrochen.

Das Zusammenleben mit Ameisen muss also nicht kompliziert sein. Und wer beim nächsten Waldspaziergang einen Ameisenbau entdeckt, sollte sich unbedingt etwas Zeit nehmen und die Tiere beobachten. Denn gerade jetzt herrscht Hochbetrieb im Hause Ameise – und es gibt viel zu entdecken.

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