Gericht: Bremer Hirnforscher darf Affenversuche vorerst fortsetzen

  • Der Hirnforscher Andreas Kreiter darf seine Versuche an Makaken vorerst fortsetzen.
  • Das Verwaltungsgericht Bremen entschied, dass der Senat die Tierversuche bis zu einer endgültigen Entscheidung weiter dulden muss.
  • Zugleich übt das Gericht ungewöhnlich deutliche Kritik an der Bremer Gesundheitssenatorin und ihrer Behörde.
|
Anzeige
Anzeige

Bremen. Der Hirnforscher Andreas Kreiter kann seine umstrittenen Versuche an der Affengattung Makaken an der Universität Bremen zumindest vorläufig fortsetzen: Das Bremer Verwaltungsgericht hat am Mittwoch in einem Zwischenbeschluss entschieden, dass der Senat die Experimente zumindest bis zu einer endgültigen Entscheidung weiter dulden muss.

Zugleich haben die Richter die zuständige Gesundheitssenatorin Claudie Bernhard (Linke) und ihre Behörde ungewöhnlich deutlich kritisiert: Es sei bei ihnen „der Eindruck entstanden“, dass eine Entscheidung über den Antrag des Wissenschaftlers „bewusst verzögert“ worden sei, heißt es in dem Beschluss.

Kreiter forscht seit 1998 in Bremen an Makaken, um daraus Erkenntnisse über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns zu gewinnen. Er gilt als renommierter Wissenschaftler, seine Arbeit wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Union gefördert.

Von Tierschützern wird Kreiter allerdings seit Langem scharf angegriffen: Sie halten seine Experimente für Tierquälerei, da den Affen für die Versuche eine Kopfhalterung implantiert, eine Elektrode ins Hirn eingeführt und die Flüssigkeitszufuhr verknappt werde, um die Makaken zum Mitmachen anzuhalten.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Auch die rot-rot-grüne Koalition in der Bremer Bürgerschaft hatte sich zuletzt gegen Versuche positioniert. Die Genehmigung für die Versuche läuft zum 30. November aus. Über einen Verlängerungsantrag, von Kreiter im Sommer gestellt, hat der Senat bis heute offiziell nicht entschieden. Daher hatten die Universität und Kreiter jetzt auf eine Eilentscheidung des Gerichts gepocht.

Anzeige

Vermerke enthüllen Zweifel in der Behörde

In dem Beschluss vom Mittwoch formuliert das Verwaltungsgericht nun drastische Kritik an mangelnder Kooperation, am Vorgehen als auch an den inneren Abläufen in der Behörde. In einer Stellungnahme gegenüber dem Gericht hatte sich das Haus der Gesundheitssenatorin offenbar auf Änderungen im Tierschutzrecht und angebliche neue wissenschaftliche Erkenntnisse bezogen, die die Versuche Kreiters unnötig machten.

Anzeige

Die Behördenakte sei dem Gericht allerdings „erst auf ausdrückliche Nachfrage“ überlassen worden, und die neuen Erkenntnisse seien „keinesfalls (...) eindeutig“. Außerdem gehe aus internen Vermerken hervor, dass es auch in der Behörde selbst die Ansicht gab, dass Kreiter die Verlängerung juristisch nicht versagt werden könne. Letztlich habe die Senatorin weder der Universität noch dem Gericht erklärt, warum sie über die Verlängerung bislang nicht entschieden hat.

Die Universität begrüßte in einer ersten Reaktion am Mittwoch die Entscheidung des Gerichts, „dass der Hirnforscher Professor Andreas Kreiter seine Versuche über das Monatsende hinaus fortführen darf. Damit erhält ihr Wissenschaftler Rechtsschutz.“

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen