Abgelaufene Medikamente: Darf man sie noch einnehmen?

Ist der Frischkäse im Kühlschrank verdorben, macht er sich schnell durch Geruch und Geschmack bemerkbar. Bei Medikamenten sieht man nur am Verfallsdatum, ob sie abgelaufen sind. Wie gefährlich abgelaufene Arzneimittel sind und was sie von Lebensmitteln unterscheidet, lesen Sie hier.

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Hannover. Ob die angebrochene Flasche Hustensaft oder die abgelaufene Schmerztablette – beim Wühlen im Arzneischrank stellen viele fest, dass einige Präparate schon über einen längeren Zeitraum hinweg nicht genutzt wurden. Doch können Medikamente, deren Verfallsdatum überschritten ist, weiterhin eingenommen werden oder sollte man besser die Finger von ihnen lassen?

Wie lange sind Medikamente verwendbar?

Medikamente sollten nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr eingenommen, sondern entsorgt werden. Das gilt auch, wenn sie äußerlich einwandfrei wirken. "Verfallsdaten auf Arzneimittelpackungen sind weit mehr als eine Empfehlung. Das unterscheidet sie vom Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln", erklärt Mathias Arnold, Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

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Für mehr Sicherheit: Medikamenten-Verpackung aufheben

Ebenso anders als bei Lebensmitteln fangen Medikamente weder an zu schimmeln, noch merkwürdig zu riechen. Das macht es bei einzelnen Arzneimitteln sogar für Experten nahezu unmöglich, nachzuvollziehen, ob sie noch verwendbar sind. Deshalb ist es sinnvoll, die Verpackung aufzuheben: Sie ist stets mit der Angabe „verwendbar bis“ gekennzeichnet. In der Regel sind industriell hergestellte Medikamente bis zu fünf Jahren verwendbar.

Vorsicht: Bei einigen Arzneimitteln, zum Beispiel bei Augentropfen, wirkt nach dem Öffnen die Aufbrauchfrist. Die Haltbarkeit kann sich – je nach Präparat – auf wenige Wochen verkürzen.

Empfindliche Medikamente richtig aufbewahren

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Weiterhin ist es wichtig, Medikamente richtig aufzubewahren. Viele Arzneimittel sollten vor Feuchtigkeit und Wärme geschützt werden. Das gilt zum Beispiel für Acetylsalicylsäure, dem Stoff, aus dem Aspirin hergestellt wird: Er zersetzt sich bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit. Wärme hingegen stellt gerade bei diversen Kalzium-Antagonisten, die in Mitteln gegen Bluthochdruck enthalten sind, ein Problem dar. Sie zersetzen sich beispielsweise bei einer zu hohen Sonneneinstrahlung.

Achtung: Ist man sich unsicher, gibt die Packungsbeilage Aufschluss darüber, wie bestimmte Medikamente gelagert werden sollten – denn teilweise gibt es auch Besonderheiten. Insulin zum Beispiel muss oft im Kühlschrank bei zwei bis acht Grad Celsius aufbewahrt werden.

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Wohin mit dem hauseigenen Arzneischrank?

Die Hausapotheke gehöre weder ins Bad noch in die Küche, warnt die Landesapothekerkammer Hessen. Besser geeignet sind trockene, eher kühle Räume ohne große Temperaturschwankungen – etwa das Schlafzimmer oder der Flur. Außerdem sollte man Medikamente immer so lagern, dass Kinder nicht herankommen. Am besten klappt das mit einem abschließbaren Schrank. Eine gute Alternative sind verriegelbare Arzneikoffer.

Offene Wunde nicht mit abgelaufene Pflaster versorgen

Bei allem, was zum Verbandskasten gehört, bezieht sich das Verfallsdatum auf Sterilität: Bis zu dem angegebenen Zeitpunkt garantieren die Hersteller Keimfreiheit. Offene Wunden sollten demnach grundsätzlich nicht mit abgelaufenen Produkten versorgt werden, um eine Infektion zu vermeiden. Geht es aber beispielsweise darum, eine Druckstelle am Fuß abzupolstern, kann auch ein Pflaster verwendet werden, dessen Verfallsdatum überschritten ist.

Wo kann man Medikamente entsorgen?

Fast überall in der Umwelt werden Arzneimittelrückstände gefunden: in Flüssen, Böden, aber auch im Grundwasser. Mit einer richtigen Entsorgung ließe sich das vermeiden – denn Medikamente gehören nicht in die Toilette oder Spüle. Laut dem Umweltbundesamt gibt es drei Möglichkeiten einer richtigen Entsorgung von Arzneimitteln:

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Restmülltonne: In Deutschland wird Restmüll größtenteils verbrannt. Dadurch werden die biologisch aktiven Bestandteile von Medikamenten zerstört und werden nicht zum Problem für die Umwelt.

Tipp: Ob bei Ihnen der Restmüll verbrannt wird, können Sie auf der Website der jeweiligen städtischen Müllabfuhr nachlesen.

Schadstoffmobil, -sammelstelle: Bei den kommunalen Fahrzeugen können Bürger kostenlos schadstoffhaltige Abfälle in haushaltsüblichen Mengen entsorgen.

Apotheke: In einigen Apotheken gibt es die Möglichkeit, Altmedikamente zurückzugeben.

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