Zwei-Faktor-Authentifizierung: Deutsche Firmen drücken sich

  • Onlinehändler in Deutschland befürchten Umsatzeinbußen durch das 2FA-Verfahren.
  • Dabei benötigen Kunden neben Anmeldenamen und Passwort einen zusätzlichen einmaligen Sicherheitsfaktor – etwa eine TAN.
  • Das System soll es Kriminellen schwerer machen, unbefugt einkaufen zu gehen – und Konten leer zu räumen.
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Kaum ein großer Onlinehändler oder ein Buchungsportal in Deutschland will seinen Kunden mehr Sicherheit beim Log-in ins Kundenkonto durch die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) anbieten. Bei 2FA benötigen Kunden neben Anmeldenamen und Passwort einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor, etwa einen Einmalcode. Firmen und Verbände befürchten wirtschaftliche Einbußen oder gehen davon aus, dass Nutzer kein Interesse an 2FA haben.

Beim Onlinebanking sind gedruckte TAN-Listen nicht mehr gültig

Nutzer von Onlinebanking oder Menschen, die im Internet einkaufen gehen, kennen 2FA bereits: Seit Mitte September gilt die gesetzliche Pflicht zur „starken Kundenauthentifizierung“, also 2FA. Neben den üblichen Anmeldeinformationen muss eine einmalige Transaktionsnummer (TAN) angefordert werden, etwa per SMS an eine zuvor bei der Bank hinterlegte Handynummer. Gedruckte TAN-Listen sind nicht mehr gültig. Damit sollen Kriminelle nicht mehr so einfach unbefugt einkaufen gehen oder fremde Bankkonten leerräumen können.

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Es geht nicht nur um Geld: Auch sensible Daten werden geschützt

Doch nicht nur Geld ist schützenswert, sagt der Sicherheitschef der Allianz-Tochter Iconic Finance, Vincent Haupert. „Auch Bestell- und Buchungshistorien oder die Anschrift sind sensible Daten.“ Er plädiert für eine breitere 2FA-Implementierung: „Aus Nutzersicht ist das sehr attraktiv, damit man erst gar keinen nachfolgenden Ärger, etwa mit Identitätsdiebstahl, hat.“

2FA gibt es in unterschiedlichen Formen. In einem optimierten Szenario verfügt der Kunde neben dem Anmeldenamen und dem Passwort als sogenanntes Wissenselement auch über ein Besitzelement. Dies kann ein Smartphone oder ein Schlüssel sein. Beim Smartphone wird dann ein sechsstelliger Code entweder per SMS zugestellt oder in einer Generator-App erstellt. Der individuelle Code kann beliebig oft angefordert werden und ist jeweils nur einmalig gültig. Internationale Unternehmen wie Facebook, Apple, Twitter oder Amazon bieten 2FA bereits länger an.

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Deutsche Anbieter sind dagegen zurückhaltender. „Zwei-Faktor-Authentifizierung brauchen wir nicht“, sagt ein Sprecher des Hamburger Versandhändlers Otto. Das Unternehmen vertraue stattdessen auf „diverse technische Maßnahmen“. Durch 2FA dauere der Kaufvorgang länger, so sei das Kauferlebnis unattraktiver. Auch die Otto-Tochter About You und Zalando verzichten auf 2FA. „Das wäre zu aufwendig für unsere Kunden“, sagt eine Sprecherin von About You. Man glaube nicht, dass Kunden den Zusatzschutz nutzen würden. Zalando verweist auf das „eigene, komplexe Datensicherheitssystem“.

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Laut Digitalbarometer 2019 war bereits knapp jeder Vierte Opfer von Kriminalität im Internet. Dabei handelte es sich am häufigsten um Betrug beim Onlineshopping (36 Prozent), gefolgt vom Ausspähen vertraulicher Daten, sogenannten Phishing-Fällen, mit 28 Prozent. Identitätsdiebstahl wurde von 18 Prozent der Befragten genannt. Aber nicht nur Onlineversandhändler verzichten auf Zwei-Faktor-Logins. Das Hotelbuchungsportal HRS bietet keine 2FA an mit der Begründung, die Zahlung erfolge bei Abreise oder über einen externen Dienstleister. HRS befürchtet, dass der zweistufige Anmeldungsvorgang der Buchungsvorgang „massiv erschwere“ – also dass weniger Menschen buchen. Die Lufthansa erklärte, sie wolle sich aus Sicherheitsgründen nicht dazu äußern, warum sie keine 2FA anbietet. Die Tochter Eurowings will dies zumindest prüfen. Die Deutsche Bahn schafft nach eigenen Angaben zurzeit die technologischen Voraussetzungen dafür.

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Mitunter sind es auch schwache, mehrfach genutzte Passwörter, die für eine breitere 2FA-Implementierung sprächen. „Schwache Passwörter gleichen Haustüren, an denen von außen ein Schlüssel steckt“, sagt der Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI), Prof. Christoph Meinel. Er plädiert dafür, 2FA so schnell wie möglich zu aktivieren, sobald ein Dienstleister die Option anbietet. Dass sich Unternehmen gar gegen die Sicherheitsmaßnahme sträuben, kann Meinel nicht verstehen: „Jeder Serviceanbieter sollte dem Nutzer diese Entscheidung überlassen.“ Besonders wichtig sei ein zusätzlicher Schutz bei „allem, was mit Geld, was mit hohem Wert, dem Bereich der Gesundheit oder der Privatsphäre“ zu tun hat.

Handelsverbände sehen 2FA kritisch

Das sehen aber nicht alle so. 2FA stehe „im Widerspruch zu den Anforderungen einer guten Nutzererfahrung“, heißt es beim Handelsverband Deutschland (HDE). „Gerade im Onlineshopping ist es von besonderer Bedeutung, hier den Interessenten einen möglichst schlanken und hürdenlosen Check-out zu ermöglichen“, argumentiert ein HDE-Sprecher. Jeder Extraschritt schmälere die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses. Ähnlich sieht das der Bundesverband Onlinehandel: Die Gefahr des Abbruchs durch den Kunden sei extrem hoch, weswegen sich der Verband auch gegen die „Realisierung von PSD2 und erst recht die Ausweitung auf weitere Gebiete“ stelle.

In gewissem Umfang versteht auch Iconic-Finance-Sicherheitschef Haupert die Bedenken: „Händler wollen keine zusätzliche Hürde einbauen.“ Zugleich glaubt er, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis 2FA flächendeckender angeboten werde. „Wenn es in der Bevölkerung mehr Nachfragen danach gibt, werden die Anbieter dem nachkommen.“

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RND/dpa