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Zwangsarbeit in China: Inwieweit profitieren ausländische Konzerne?

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping (64) bündelt mehr Macht als seine Vorgänger in seinen Händen und sucht eine größere Rolle für China auf der Weltbühne.

Nanchang. Erneut gibt es Medienberichte, die auf Zwangsarbeit in China hindeuten. Davon, dass dort Uiguren gegen ihren Willen in Fabriken schuften, sollen auch mehrere deutsche Großkonzerne profitieren. Darunter laut NDR: Volkswagen, Daimler, Puma, Adidas, BMW, Bosch und Siemens. Sie sollen unter anderem Vorprodukte von Lieferanten beziehen, bei denen Uiguren von der chinesischen Regierung zur Arbeit gezwungen werden. Die muslimische Minderheit beklagt schon länger, von der chinesischen Regierung massiv unterdrückt zu werden - was auch unabhängige Berichte bestätigen.

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Wie die Unterdrückung aussieht, zeigt sich an einer Fabrik in Nanchang. Dort werden Bildschirme, Kameras und Fingerabdruck-Scanner produziert, die an Technologie-Giganten wie Apple oder Lenovo gehen. Sie liegt in einem belebten muslimischen Viertel - doch die meisten Uiguren, die in dem Werk arbeiten, sind auf einem von einer Mauer umgebenen und bewachten Gelände isoliert. Ihr Ausgang ist beschränkt, sie dürfen ihrem muslimischen Glauben nicht nachgehen und müssen spezielle Abendschulen besuchen, wie Anwohner und Arbeiter berichten.

Uiguren aus den Familien gerissen

In den vergangenen vier Jahren hat die chinesische Regierung mehr als eine Million Menschen aus der Region Xinjiang im Westen des Landes in Internierungslager und Gefängnisse gesteckt, wo sie einer zwangsweisen Umerziehung unterzogen werden. Die meisten von ihnen sind Uiguren. China wirft ihnen separatistische Tendenzen vor, weil sie eine andere Kultur, Sprache und Religion haben. Nach dem Lageraufenthalt werden viele der Insassen zur Arbeit in Fabriken im weit entfernten Osten des Landes geschickt. Ein Dutzend Uiguren und Kasachen berichteten der Nachrichtenagentur AP von solchen und ähnlichen Fällen. Manchmal seien die Menschen auch aus ihren Familien gerissen oder von Berufsschulen geholt worden - zumindest die meisten von ihnen gegen ihren Willen.

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Die Arbeiter werden dann oft in Klassen gesteckt, wo ihnen staatliche Lehrer Unterricht in der chinesischen Hauptsprache Mandarin, Politik oder “Ethnischer Einheit” erteilten. Die Arbeitsbedingungen sind mit Blick auf Bezahlung und Einschränkungen unterschiedlich. Anwohner der Ofilm-Fabrik in Nanchang erzählen, die Uiguren würden zwar wie andere Arbeiter bezahlt. Allerdings dürften sie das Gelände nicht verlassen oder beten - anders als etwa die ebenfalls muslimischen Hui-Chinesen, die vom Staat als weniger bedrohlich angesehen werden.

Zwei Mal im Monat Ausgang

“Wenn Du Uigure bist, hast Du nur zwei Mal im Monat Ausgang”, sagt ein Händler, der mit Arbeitern gesprochen hat. “Die Regierung hat entschieden, dass sie zu Ofilm kommen, nicht sie haben das entschieden.” Die chinesische Regierung sagt, das Arbeitsprogramm sei ein Weg, die Uiguren und andere Minderheiten auszubilden und ihnen Arbeit zu geben. Das Außenministerium nannte am Montag Bedenken über mögliche Zwangsarbeit im Rahmen des Programms “unbegründet” und “verleumdend”.

Daran wirft ein neuer Bericht des Australian Strategic Policy Institute (Aspi) aber Zweifel auf: Mehr als 80.000 Angehörige der muslimischen Minderheit seien seit 2017 interniert und anschließend in andere Landesteile verbracht worden worden, heißt es im Bericht “Uyghurs for Sale”. Die Umstände der Arbeitertransfers und die Arbeitsbedingungen legten nahe, dass es sich schlussendlich um Zwangsarbeit handele, zitiert die Tagesschau die Untersuchung.

Volkswagen, Bosch sowie Daimler dementieren Bericht

Insgesamt sollen 27 Fabriken in neun chinesischen Provizen auf die uigurischen Arbeiter zurückgreifen. Diese 27 Unternehmen wiederrum geben an, insgesamt 80 internationale Konzerne zu beliefern - darunter eben Volkswagen, Daimler, Puma, Adidas, BMW, Bosch und Siemens.

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Puma und Siemens kündigten der Tagesschau zufolge an, die Vorwürfe untersuchen zu wollen. Bewahrheite sich die Angelegenheit, wolle Siemens die entsprechenden Unternehmen von den Lieferantenleisten streichen, heißt es seitens des DAX-Konzerns. Adidas teilte demnach mit, sich schon vor einem Jahr neue Zulieferer gesucht zu haben. Und Volkswagen, Bosch sowie Daimler dementiert den Bericht gänzlich. Die genannten Firmen seien schlicht keine Lieferanten.

RND/dpa/hö

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