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Wird die Welt wegen des Coronavirus wieder kleiner?

Containerhafen in Shanghai.

Berlin. Es gibt freie Liegeplätze im Hamburger Hafen. Doch es ist nicht der Corona-Ausbruch in Europa, der dort seine Spuren hinterlässt – es ist der in China vom Jahresanfang. Im Februar verhängte die Regierung dort Quarantäne und schloss Fabriken, irgendwann waren auch deren Lager leer, und den Schiffen Richtung Deutschland fehlte Fracht.

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Jetzt, rund vier Wochen nach dem Ablegen in China, kommen sie langsam in Deutschland an – viel weniger als sonst und oft halbleer. Man weiß auch schon, wann sich das wieder ändern wird: “Die Schiffe, die jetzt dort losfahren, sind voll”, sagt Angela Titzrath, Chefin der Hafengesellschaft HHLA.

Die globalen Lieferketten hängen durch

Textil- und Elektrohändlern fehlte Ware schon, als die Kunden hier noch kaufen wollten. Und Industriebetriebe sahen Engpässe kommen, Tage bevor die Produktion stoppte.

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Als VW seine Werker in die Zwangspause schickte, reichten einige wichtige Teile noch für knapp eine Woche. Dagegen machen sich Logistiker jetzt schon Gedanken darüber, wo in einigen Wochen die vielen Container aus China bleiben sollen, wenn hier die Produktion bestenfalls langsam wieder hochläuft. Europa dürfte dann in der Rezession stecken und gar nicht alles brauchen, was jetzt schon übers Meer schippert.

Schocks wie die Corona-Krise bringen das erprobte System der globalen Arbeitsteilung ins Wanken. Es ist nicht das erste Mal: Die Finanzkrise 2008 brachte ähnliche Herausforderungen, der Tsunami 2011 in Japan ebenfalls, und auch als ein harter Brexit oder Importschranken in den USA drohten, fragten sich Manager in aller Welt, wie sie ihre Produktion robuster machen können – nicht mehr abhängig von einzelnen Ländern, einzelnen Lieferanten und reibungslosen Transportketten rund um die Welt.

Nach jeder Krise liegt das Thema auf dem Tisch, auch jetzt. “Wir werden alle unsere industriellen Lieferketten überprüfen, um Geschäfte in den strategisch wichtigsten Bereichen wieder zu lokalisieren, souverän und unabhängig zu werden”, sagt etwa Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire.

Unternehmen werden sich fragen, muss ich wirklich alles dort produzieren, wo es am billigsten ist?

Jörg Wuttke,

Präsident der Europäischen Handelskammer in China

Ähnlich klingt Ralph Brinkhaus: “Wir müssen schauen, dass wir nicht von einer Region in dieser Welt abhängig sind”, sagte der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Blick auf Lieferprobleme bei Medikamenten. Und Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, beendet kurzerhand ein ökonomisches Zeitalter: “Die Globalisierung, alles dorthin zu bringen, wo die Produktion am effizientesten ist, das ist vorbei”, sagte er dem “Economist”.

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Auch Gabriel Felbermayr, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, sieht das Thema auf der Agenda. “Unternehmen werden sich fragen, muss ich wirklich alles dort produzieren, wo es am billigsten ist?”, fragte er jüngst in der “Zeit”.

Zurückdrehen will die Globalisierung allerdings niemand in den Unternehmen. Schließlich ist man nicht nur wegen der billigen Produktion nach China gegangen, sondern vor allem, weil dort eine Milliarde Kunden leben, für die vor Ort produziert wird. Was nun anstehen könnte, hat der niederländische Trendforscher Adjiedji Bakas schon 2015 mit einem Schlagwort belegt: Die Globalisierung setze sich als “Slowbalisierung” fort – alles ein bisschen langsamer, slower.

Die Daten für Welthandel und Auslandsinvestitionen stützen die These, seit der Finanzkrise zeigen sie eine gebremste Globalisierung. Das ist allerdings auch kein Wunder: Die großen Schritte sind in der Industrie längst gemacht. Doch Felbermayr glaubt, dass mancher Schritt auch noch einmal überdacht wird. “Wir werden künftig mehr Lagerhaltung sehen”, sagt der Wirtschaftsforscher und sieht einen Trend zu regionalen Lieferketten.

Auch andere Experten glauben, dass Produktion noch stärker regional organisiert wird: für europäische Kunden in Europa, für asiatische in Asien. Die Globalisierung wird nicht zurückgedreht, aber vielleicht besser organisiert. Die Frage ist nur, ob das auch die Kunden mitmachen. Denn wer nicht mehr alles am billigsten Platz produziert, wird wohl den Preis erhöhen.

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