• Startseite
  • Wirtschaft
  • Zu viele Weichmacher: Zahlreiche Lichterketten sollen aus dem Handel verschwinden

Zu viele Weichmacher: Zahlreiche Lichterketten sollen aus dem Handel verschwinden

  • Zu hohe Schadstoff-Werte hat der BUND bei einem Test zahlreicher Lichterketten festgestellt.
  • Die Umweltorganisation warnt: Die Weichmacher können krank machen.
  • Verbraucher sollten deshalb einige Dinge beachten - und Händler einige Produkte vom Markt nehmen.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Adventszeit steht vor der Tür, viele Menschen dekorieren ihren Wohnraum mit Lichterketten. Aber Vorsicht: Bei einem Test von Weihnachtsbeleuchtung sind laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Grenzwertüberschreitungen bei bedenklichen Weichmachern festgestellt worden. "In drei von vier Lichterketten konnten die Schadstoffe in erheblichen Konzentrationen von bis zu 27 Prozent nachgewiesen werden", teilte der BUND am Dienstag mit. Ein Labor habe vier bei Online-Händlern gekaufte Produkte im Herbst auf Phthalate und Chlorparaffine getestet.

Die Grenzwertüberschreitungen seien Verstöße gegen geltendes Recht. Der BUND forderte die betroffenen Hersteller auf, die Produkte vom Markt zu nehmen. Die Unternehmen Amazon, Globo, Hellum, Käthe Wohlfahrt, Obi und Salcar sind betroffen. Die Ergebnisse seien an Behörden übermittelt worden. Die Funde wertet die Organisation als Zeichen, dass die Hersteller ihre Lieferkette "nicht im Griff" hätten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Plastik-Weihnachtsschmuck kann krank machen

Weichmacher dünsten nach BUND-Angaben mit der Zeit aus Produkten aus, binden sich an Hausstaub und können so eingeatmet werden. Sie ähnelten körpereigenen Hormonen und seien in Studien mit mehreren Erkrankungen und Störungen in Verbindung gebracht worden, darunter Brustkrebs. Auch die Umwelt werde belastet. Mit der Einschätzung ist die Organisation nicht alleine. Laut der Verbraucherzentrale wurden Weichmacher von der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) bereits in die Liste der "besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC)" aufgenommen, weil sie schädigend auf das Hormonsystem wirken und die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden können.

Und auch das Bundesumweltamt führt regelmäßig Studien durch, in denen die Abbauprodukte von Phthalaten in Urinproben von Kindern und Erwachsenen gemessen werden. In der Probenbank des Bundes wurden diese in nahezu sämtlichen untersuchten Urinproben nachgewiesen.

Anzeige

Verbraucher können Produkte kontrollieren

Verbrauchern rät der BUND, stark riechende Plastikprodukte zum Händler zurückzubringen und Produkte aus weichem PVC oder Billigartikel aus dunklem Hartplastik zu meiden. Zudem bietet die Umweltorganisation die kostenlose App "ToxFox" an. Verbraucher können den Strichcode von Produkten einscannen und bekommen direkt angezeigt, ob sich darin hormonell wirksame Schadstoffe befinden - etwa in elektronischen Geräten, Spielzeug, Möbeln, Teppichen und Textilien.

Anzeige

Auch bei der Europäischen Kommission gehen täglich Meldungen von Behören aus den Mitgliedsstaaten ein, die vor Produkten mit ernstzunehmenden Gesundheitsrisiken auf ihren Märkten warnen. Im Schnellwarnsystem der EU für gefährliche Non-Food-Produkte - "Safety Gate" - können Verbraucher aktuelle Meldungen einsehen.

Fünf BUND-Tipps zum Vermeiden von Schadstoffen

1. Verwenden Sie Kerzen statt Lichterketten - natürlich mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.

2. Kaufen Sie keine Produkte aus weichem PVC oder Billigartikel aus dunklem Hartplastik.

3. Bringen Sie stark riechende Plastikprodukte zum Händler zurück.

4. Achten Sie auf umweltschonende Produktkennzeichen wie den Blauen Engel.

Anzeige

5. Nutzen Sie für den Einkauf Apps, die Schadstoffe in Produkten sichtbar machen.

RND/ dpa/ sbu