Zig Milliarden Kassenbons zusätzlich: Handel kritisiert Gesetzesänderung

  • Ab 2020 gelten für Kassen im Handel striktere Regeln – die allerdings einiges an Müll mit sich bringen könnten.
  • Denn die neue Kassensicherungsverordnung führt dazu, dass selbst beim Kauf eines Brötchens ein Kassenzettel ausgestellt werden muss.
  • Der Handel befürchtet, dass deutschlandweit deshalb Milliarden zusätzliche Bons gedruckt werden.
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Im Kampf gegen Steuerhinterziehung in Gastronomie und Handel ist die Kasse ein zentrales Instrument der Finanzämter: Längst sind die Geräte keine Geldkästen mehr, stattdessen protokollieren sie im Detail, wann und wie welche Umsätze gemacht wurden. 2020 soll das System weiter verfeinert werden – doch ein Aspekt der Neuregelung stößt dem Handel übel auf. Denn abseits technischer Vorgaben für die zukünftigen Kassengeräte sieht die neue Kassensicherungsverordnung auch vor, dass künftig jeder Bon ausgestellt werden muss. Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet deshalb Unmengen unnötigen Mülls.

„Im Einzelhandel in Deutschland rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr“, erklärte HDE-Steuerexperte Ralph Brügelmann gegenüber der Wirtschaftswoche. Gerechnet haben auch Deutschlands Bäcker, bei denen im Regelfall eher kleine Summen den Besitzer wechseln. Trotzdem müssen auch sie künftig Bons ausdrucken. Das laufe auf etwa fünf Milliarden Kassenbons jährlich hinaus, so Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bäcker-Zentralverbands, im „Handelsblatt“. „In Zeiten, in denen unsere Betriebe und die Gesellschaft zunehmend auf Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung achten, ist es geradezu unsinnig, wenn für den Kauf von ein paar Brötchen ein Kassenzettel gedruckt werden muss.“

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Kampf gegen Steuerbetrug soll erleichtert werden

Hintergrund der Kassenzettel-Pflicht ist die Kassenversicherungsordnung, die ab dem 1. Januar 2020 gilt. Künftig werde schon beim ersten Tastendruck einer Kassiererin die Transaktion erfasst und könne nicht mehr gelöscht werden, fasst Brügelmann das erweiterte Konzept zusammen. Das könne im Kampf gegen Steuerbetrug helfen. Und der Handel sei für Steuergerechtigkeit, betont Brügelmann – auch, weil ehrliche Kaufleute auch Wettbewerbsnachteile gegenüber Steuersündern hätten.

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Doch die Belegpflicht leuchtet ihm nicht ein. Ob der Kunde einen Beleg erhalte, sei angesichts der künftigen Protokollierung von Umsätzen durch die digitalen Kassen unerheblich, meint Brügelmann. Die Pflicht zum Kassenbon trage also nicht zum Kampf gegen Steuersünder bei, produziere aber viel Müll. Der noch dazu nicht unkompliziert ist, weil bei Bons meist Thermopapier zum Einsatz kommt. Selbst das Umweltbundesamt rät dazu, Kassenzettel wegen des beschichteten Papiers nicht in den Papiermüll zu werfen.

Kassenbon per Mail?

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Wie die „Welt“ berichtet, hält das Bundesfinanzministerium trotzdem an der Regelung fest. Das solle Steuerermittlern die Arbeit vor Ort erleichtern, heißt es. Allerdings betont das Ministerium, dass die Belegausgabepflicht bewusst technologieneutral gehalten werde. Die Kasseninhaber können die Bons also auch per Mail oder Datenübertragung auf das Smartphone an die Kunden weitergeben. Oder die Geschäfte beantragen eine Befreiung vom Belegzwang, die das Gesetz auch vorsieht. Ob die gerechtfertigt ist, entscheiden die örtlichen Finanzämter im Einzelfall.

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