Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Gewinn verdreifacht

Der Zara-Konzern erholt sich von Corona

In Deutschland betreibt Inditex rund 70 Zara-Geschäfte.

In Deutschland betreibt Inditex rund 70 Zara-Geschäfte.

Hannover. Die Modebranche hat Corona besonders heftig getroffen. Geschlossene Läden rund um die Welt, stillstehende Fabriken und wacklige Logistik trafen auch den Marktführer Inditex. Jetzt könnte der spanische Konzern, bekannt durch die Modekette Zara und die Designermarke Massimo Dutti, die Krise eigentlich abhaken – wäre nicht schon die nächste da.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Inditex seine Geschäfte dort geschlossen, wenige Tage später folgten die in Russland – vorerst mit Lohnfortzahlung für die Beschäftigten.

Es geht nicht um irgendeins der 96 Länder, in denen das Unternehmen Mode verkauft. Russland zählt mit 502 Geschäften das zweitgrößte Filialnetz des Konzerns nach der spanischen Heimat. Zum operativen Gewinn steuert die Region normalerweise knapp 10 Prozent bei, das üppige Wachstum des Konzernumsatzes von gut 30 Prozent zu Jahresbeginn wäre ohne das Russland-Geschäft um fünf Punkte niedriger ausgefallen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Zahlen nannte der scheidende Inditex-Chef Pablo Isla, als er am Mittwoch über das vergangene Jahr berichtete. Das musste dann allerdings genügen, „wir wollen nicht näher darauf eingehen“. Sein Nachfolger Oscar Garcia Maceiras will „so schnell möglich wieder starten“ in Russland und der Ukraine, aber „wir können keine Voraussagen machen“. Die Anleger blieben skeptisch: Die Inditex-Aktie schwächelte in einem insgesamt starken Markt.

Das allerdings ignoriert man in der Firmenzentrale bei La Coruna weitgehend. Das Unternehmen, geprägt vom 85-jährigen Gründer Amancio Ortega, legt viel Wert auf langfristiges Denken. „Bescheiden, vorsichtig und sehr ambitioniert“ sei Inditex, sagte Garcia Maceiras.

Und vor allem flexibel: Inditex ist berühmt dafür, Trends extrem schnell aufzunehmen und wenig Ware ins Lager zu legen. Mehr als die Hälfte der Lieferanten sitzt deshalb vergleichsweise nah in Europa und Nordafrika. Drei Wochen dauert es vom Entwurf eines Kleidungsstücks bis zum Verkauf in den Läden, die mehrmals wöchentlich neue Ware bekommen.

Inditex-Gründer Amancio Ortega ist Mehrheitseigentümer des Konzerns.

Inditex-Gründer Amancio Ortega ist Mehrheitseigentümer des Konzerns.

Zara will nachhaltig sein

Zara wurde damit zum Inbegriff von „Fast Fashion“ – ein Begriff, den man im Unternehmen ungern hört, weil er nicht zu den eigenen Ambitionen auf mehr Nachhaltigkeit passt. Doch Ortega schuf mit Tempo und kurzlebiger Mode einen der größten Textilkonzerne der Welt. Der langjährige Chef Isla vergrößerte zuletzt noch den Abstand auf den großen schwedischen Konkurrenten H&M.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Flexibilität habe auch durch die Pandemie geholfen, heißt es im Unternehmen. Außerdem rentierten sich jetzt die Milliarden, die in den vergangenen Jahren in die Digitalisierung investiert wurden. Wie überall schoss auch bei Inditex der Onlineverkauf in den vergangenen beiden Jahren nach oben. Im Moment macht er ein Viertel des Umsatzes aus, in zwei Jahren sollen es 30 Prozent sein.

Sonderdividende für die Aktionäre

So hat der Konzern die Pandemie vergleichsweise gut überstanden und inzwischen das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz gegenüber dem Pandemiejahr 2020 um gut ein Drittel auf knapp 28 Milliarden Euro. Damit ist wieder das Niveau von 2019 erreicht.

Gleichzeitig wurde der Nettogewinn auf 3,2 Milliarden Euro verdreifacht. Die Aktionäre sollen für 2021 eine Sonderdividende bekommen, und eine weitere wird schon für das laufende Geschäftsjahr angekündigt. Mit Prognosen für dieses Jahr hielt sich Garcia Maceiras allerdings zurück.

Preise sollen stabil bleiben

Das könnte auch an weiteren Unsicherheitsfaktoren liegen: Nach wie vor gibt es Lieferengpässe, und vor allem steigen die Rohstoffpreise rapide. Deshalb liegt die Inflation im Euroraum inzwischen über fünf Prozent. Inditex wolle seine Verkaufspreise aber möglichst stabil halten und dabei trotzdem die gleiche Gewinnmarge erreichen wie im vergangenen Jahr, sagte Garcia Maceiras. „Selektive Anpassungen“ seien in Ländern mit besonders hohen Preissteigerungen geplant.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im spanischen Heimatmarkt, wo die Inflation im Februar 7,6 Prozent erreichte, will Inditex die Preise im Schnitt um zwei Prozent erhöhen.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen