Wirtschaftswachstum: Hat die Talfahrt der Konjunktur im Jahr 2020 ein Ende?

  • Der Abwärtstrend in der Industrie belastete die deutsche Wirtschaft in der Vergangenheit.
  • Jetzt, im begonnenen Jahr 2020, könnte das ein Ende haben.
  • Aber Volkswirte warnen: Es geht weder schnell, noch handelt es sich um einen Selbstläufer.
Anzeige
Anzeige

Nürnberg. Die Talsohle in der deutschen Industrie scheint in Sicht oder sogar schon durchschritten – doch die Konjunktur braucht noch Erholungszeit. Volkswirte führender Finanzinstitute in Deutschland rechnen nicht mit einer schnellen Rückkehr zu hohen Wachstumswerten in der Bundesrepublik. „Das wird eine Zeit dauern“, sagte Katharina Utermöhl von der Allianz-Gruppe in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sie rechnet mit einem Wachstum von 0,6 Prozent im laufenden Jahr, so wie schon 2019 nach der vorläufigen offiziellen Berechnung. Erst 2021 werde wieder ein Wert über 1,0 Prozent erreicht.

Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt zunächst

Auch die Tendenz am Arbeitsmarkt, seit Mai vergangenen Jahres von leicht steigenden Arbeitslosenzahlen betroffen, werde sich nicht blitzschnell umkehren. Marc Schattenberg von der Deutschen Bank geht von einem saisonalen Anstieg der Arbeitslosenzahl im Januar um 206.000 auf rund 2,433 Millionen aus – eine durchaus übliche Steigerung in diesem Monat, wenn Saisonarbeitskräfte auf dem Bau oder aus dem Weihnachtsgeschäft wegfallen. Saisonbereinigt könnte es einen leichten Anstieg um 5000 geben. Die Wirtschaft sieht der Experte der Bank schon im laufenden Jahr wieder bei einem Wachstum von 1,0 Prozent – allerdings nur aufgrund einer günstigen Arbeitstageverteilung im Kalender, die allein für 0,4 Prozentpunkte verantwortlich sei.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Wie Utermöhl und Schattenberg geht auch deren Kollegin Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW-Gruppe, von einer zunächst steigenden Arbeitslosigkeit in Deutschland aus. „Eine Umkehr der schwachen Arbeitsmarktentwicklung ist wohl frühestens zum Jahresende zu erwarten“, betonte sie. Achillesferse blieben die außenwirtschaftlichen Risiken. Utermöhl warnte, ein Brexit ohne Freihandelsabkommen mit der EU sei noch nicht vom Tisch. Und auch der amerikanisch-chinesische Handelsstreit sei keineswegs ausgestanden.

Anzeige

Abwärtstrend in der Industrie scheint gestoppt

Die Hochphase am Arbeitsmarkt mit ständig sinkenden Arbeitslosenzahlen sei wohl vorbei, sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. „Die konjunkturelle Lage verbessert sich etwas, der Abwärtstrend in der Industrie scheint gestoppt“, betonte er. „Die schlimmsten Befürchtungen mit Bezug auf die Industrie haben sich erst einmal nicht bewahrheitet.“ Auch konjunkturell sieht er eher eine Seitwärtsbewegung. „Dass wir jetzt die Erfolgsgeschichte weiterschreiben, das wäre jetzt noch ein bisschen früh.“

Anzeige

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen