Wirtschaftsnobelpreis geht in die USA: Drei Ökonomen erhalten Auszeichnung

  • Am Montag wurde der Wirtschaftsnobelpreis verliehen.
  • In diesem Jahr geht er an die Ökonomen David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens.
  • Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt.
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Stockholm. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die drei in den USA forschenden Ökonomen David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt.

Der in Kanada geborene Card erhält die eine Hälfte des renommierten Preises für seine empirischen Beiträge zur Arbeitsmarktökonomie, wie der Generalsekretär der Akademie, Göran Hansson, bei der Bekanntgabe sagte.

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Wirtschaftsnobelpreis geht an Arbeitsmarktforscher aus USA
1:13 min
Die drei Forscher hatten mit einer neuen Untersuchungsmethode die Wirtschaftswissenschaft revolutioniert.  © Reuters
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Der aus dem US-Staat Ohio stammende Angrist und der niederländisch-amerikanische Wissenschaftler Imbens teilen sich die andere Hälfte für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalbeziehungen. Damit sind alle Nobelpreisträger für dieses Jahr benannt worden.

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Card, Angrist und Imbens hätten neue Erkenntnisse über den Arbeitsmarkt geliefert und gezeigt, welche Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung aus natürlichen Experimenten gezogen werden können, erklärte die Akademie. Ihr Ansatz habe auf andere Bereiche übergegriffen und die empirische Forschung revolutioniert. Dabei gehe es auch um Fragen wie die Auswirkung von Einkommen auf die Gesundheit, von Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt und von Lockdowns auf die Ausbreitung von Krankheitserregern.

Die Frage nach dem „was wäre, wenn“

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Die Antwort auf die Frage, was geschehen wäre, wenn bestimmte Entscheidungen anders getroffen worden wären, sei sehr schwer, führte die Akademie weiter aus. Die Preisträger hätten jedoch gezeigt, dass es möglich sei, solche Fragen mit natürlichen Experimenten zu beantworten.

Der in Kanada beborene Card lehrt an der University of California in Berkeley. Er habe mit seinem verstorbenen Mitstreiter Alan Krueger die Auswirkungen von Mindestlöhnen, Einwanderung und Bildung auf den Arbeitsmarkt untersucht. Seine Studien aus den frühen 1990er Jahren hätten konventionelle Weisheiten in Frage gestellt und unter anderem gezeigt, dass eine Erhöhung des Mindestlohns nicht unbedingt zu weniger Arbeitsplätzen führe. Er zeigte auch, dass Einwanderer keineswegs die Löhne von Alteingesessenen gefährden, sondern eher die von Menschen, die etwas früher eingewandert sind.

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Die goldene Medaille, die mit dem Wirtschafts-Nobelpreis vergeben wird. © Quelle: Lovisa Engblom/The Nobel Foundat

Es sei jedoch schwierig, die Ergebnisse solcher natürlichen Experimente zu interpretieren, erklärte die Akademie weiter. Wenn etwa die Schulpflicht um ein Jahr verlängert werde, wirke sich das nicht auf alle Mitglieder einer untersuchten Gruppe gleichermaßen aus, weil einige wohl auch ohne Anordnung länger zur Schule gegangen wären. Angrist und Imbens hätten dieses methodische Problem Mitte der 90er Jahre gelöst und gezeigt, wie aus natürlichen Experimenten präzise Schlüsse über Ursache und Wirkung gezogen werden können. Angrist arbeitet am Massachusetts Institute of Technology, der in den Niederlanden geborene Imbens an der Universität Stanford.

Wirtschaftsnobelpreis nicht von Alfred Nobel gestiftet

Der seit Ende der 60er Jahre vergebene Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige, der nicht auf das Testament von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) zurückgeht.

Er wurde von der schwedischen Zentralbank gestiftet und zählt somit streng genommen nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Dennoch wird er gemeinsam mit den anderen Preisen an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht.

Erst ein deutscher Preisträger

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Unter den Wirtschaftsnobelpreisträgern ist bislang erst ein Deutscher gewesen: Der Bonner Wissenschaftler Reinhard Selten erhielt ihn 1994 gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi für ihre wegweisenden Beiträge zur nichtkooperativen Spieltheorie.

Besonders häufig werden Wissenschaftler aus den USA mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Preis ausgezeichnet. Vergangenes Jahr war er an die US-Ökonomen Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson gegangen, die für ihre Verbesserungen der Auktionstheorie und Erfindung neuer Auktionsformate geehrt wurden.

Bereits in der vergangenen Woche waren die Auserwählten in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden verkündet worden. Darunter waren mit dem Meteorologen Klaus Hasselmann in Physik und dem Chemiker Benjamin List auch zwei Deutsche. Alle Preise sind pro Kategorie erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen dotiert - umgerechnet entspricht das fast einer Million Euro.

RND/dpa

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