Wirecard und der Stillstand der Wirtschaft

  • 2020 hätte das Jahr von Wirecard werden können – im positiven Sinn.
  • Doch es markierte letztlich den Zeitpunkt eines Wirtschaftskrimis ungeahnten Ausmaßes.
  • Für einen Augenblick rückten dadurch selbst die verheerenden Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft in den Hintergrund.
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Nicht alles in diesem Jahr war ohne Beispiel. Einen Stillstand der Wirtschaft kannte man schon von der Finanzkrise 2008. Ökonomisch war die Lage damals vielleicht sogar heikler, denn das System krankte sozusagen an sich selbst – von außen war ihm schwer zu helfen. Dagegen ordneten Konjunkturforscher die Corona-Krise schnell als Naturkatastrophe ein: verheerend in ihrer Wirkung, aber eindeutig in der Ursache.

Hilfspakete in Rekordgröße

Diese Erkenntnis und die Erfahrungen aus der Finanzkrise räumten alle Bedenken beiseite. Schnell und groß musste geholfen werden, um Pleitewelle und Massenarbeitslosigkeit zu verhindern, bevor sie aus einem heftigen, aber hoffentlich kurzen Wirtschaftseinbruch eine tiefe Rezession machen würden. In Rekordzeit schnürten die Staaten Hilfspakete in Rekordgröße. Die Bundesregierung sprang sogar über einen sehr langen Schatten: Damit auch die EU in dieser Krise handlungsfähig ist und die schwächeren Mitglieder unterstützen kann, werden gemeinsame Schulden aufgenommen. Manche haben das als Durchbruch begrüßt, andere als Dammbruch verdammt – historisch war es in jedem Fall.

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In Deutschland soll das viele Geld nicht nur alte Jobs retten, sondern auch neue schaffen. Im 100-Milliarden-Hilfspaket stecken viele Projekte für neue Technologien, von der künstlichen Intelligenz bis zur Wasserstoffwirtschaft. Denn auch das ist in dieser Wirtschaftskrise wie in anderen: Strukturen werden dauerhaft verändert. Während traditionsreiche Einzelhändler und etablierte Restaurants dramatisch unter der Krise leiden, erleben Onlinehändler und Bringdienste einen Boom. Und sie werden bleiben, wenn das Virus geht. Digitalisierung ist ökonomisch der große Gewinner dieser Pandemie.

Wirecard galt als führend

2020 hätte also das Jahr von Wirecard werden können. Das Jahr, in dem Geldscheine als Virenträger verrufen sind und selbst notorische Skeptiker zu Onlinekäufern werden. Das Jahr des Durchbruchs für elek­tronische Zahlungssysteme. Wirecard galt hier als führend, ein neuer deutscher Vorzeigekonzern. Doch die Geschichte war zu schön, um wahr zu sein: Das Zusammentreffen von Größenwahn, Überforderung und offenbar viel krimineller Energie machten unter anderem Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro möglich. Verschiedene Aufseher hatten nichts bemerkt. Beispiellos? Nein: Die Geschichte des Energiekonzerns Enron liest sich ähnlich.

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