Wirecard könnte deutsche Banken geplündert haben

  • Die Manager des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard könnten vor der Pleite Hunderte Millionen Euro beiseitegeschafft haben.
  • Das belegen interne Unterlagen, die der “Süddeutschen Zeitung” vorliegen.
  • Es stelle sich die Frage, ob die Commerzbank, die Landesbank Baden-Württemberg und andere Hausbanken systematisch geprellt worden seien.
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Gegen den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard ermitteln die Behörden seit Wochen – nun kommen neue Details ans Licht. So sollen sich Wirecard-Manager laut internen Unterlagen im ersten Halbjahr 2020 noch einmal 800 Millionen Euro zusätzlich von einem Bankenkonsortium besorgt haben. Das schreibt die “Süddeutsche Zeitung”. Das Geld sei nicht mehr auffindbar, die Konten seien leer gewesen, als die AG im Juni Insolvenz anmeldete, heißt es in dem Bericht. Es stelle sich die Frage, ob die Commerzbank, die Landesbank Baden-Württemberg und andere Hausbanken systematisch geplündert worden seien.

Treuhandkonten existieren nicht

Bei Wirecard fehlen insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die der deutsche Dax-Konzern in seiner Jahresbilanz 2019 auf der Habenseite verbuchen wollte – das Ergebnis wahrscheinlich nicht existierender Luftgeschäfte mit Subunternehmern in Südostasien und im Mittleren Osten. Das vermisste Geld sollte sich eigentlich auf philippinischen Treuhandkonten befinden, ein philippinischer Anwalt hatte das Treuhandmandat erst im vergangenen November von einer Singapurer Firma übernommen. Im Juni stellte sich dann heraus, dass weder die Milliarden noch die Treuhandkonten existierten.

Tod eines deutschen Verbindungsmannes nicht bestätigt

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Berichte über den Tod eines deutschen Managers in Manila, dessen Verbindungen zu dem Skandal geprüft werden, bestätigten die philippinischen Behörden zunächst nicht. Der 45-Jährige soll ein enger Vertrauter von Jan Marsalek gewesen sein, dem flüchtigen Ex-Finanzvorstand von Wirecard. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet, der Mann sei Ende Juli in Manila gestorben.

Der Deutsche gelte im Rahmen der Ermittlungen auf den Philippinen als eine von mehr als 50 Personen und Organisationen von Interesse, sagte der Direktor der zuständigen Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLC) in Manila, Mel Racela. Er sei aber bisher nicht vorgeladen worden und gehöre nicht automatisch zu den Verdächtigen. Racela fügte hinzu: “Wir werden zu gegebener Zeit neue Angaben veröffentlichen.” Derart komplexe Untersuchungen dauerten normalerweise Monate.

dpa/RND



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