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Wirecard: Ein Niedergang zwischen Managementversagen und krimineller Energie

  • Die Sprengkraft des Wirecard-Skandals geht weit über Unternehmensgrenzen hinaus.
  • Von einem Imageverlust des Standorts Deutschland ist die Rede und einem Kontrollverlust auf allen Ebenen.
  • Wenn Unternehmen künftig nicht besser kontrolliert werden, drohe ein fatales Szenario: die Abkehr internationaler Unternehmen vom Standort Deutschland, kommentiert unser Autor Thomas Magenheim.
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Von deutschen Dax-Konzernen, die eigentlich die Elite der heimischen Wirtschaft verkörpern sollten, ist man inzwischen einiges gewohnt. VW hat mit dem Dieselbetrug eine Schlüsselindustrie in Verruf gebracht. Bei der Deutschen Bank verlieren inzwischen sogar Experten den Überblick über alle Skandale und Gerichtsverfahren. Wer dachte, es gehe nicht mehr schlimmer, steht nun fassungslos vor dem Fall Wirecard.

Der Dax-Konzern ist insolvent, was bei den Schutzschirmen, die in Corona-Zeiten speziell für Unternehmen aufgespannt werden, ein unrühmliches Kunststück ist – und nur durch extremes Managementversagen erklärbar ist. Auch kriminelle Energie war im Spiel. Offen ist nur noch, wer genau der oder die Täter sind. Fast zwei Milliarden Euro sind spurlos verschwunden. Große Teile des Geschäfts könnten frei erfunden und bloße Scheinumsätze sein.

Kontrollversagen auf allen Ebenen

Die Sprengkraft des Wirecard-Skandals reicht dabei weit über das Unternehmen hinaus. Nicht nur Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fürchtet einen Imageverlust für den Standort Deutschland. Dabei galt Wirecard lange als Musterbeispiel eines erfolgreichen deutschen Internetkonzerns.

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Jetzt ermitteln Staatsanwälte, doch der Wirtschaftskrimi ist auch ein krasses Beispiel für Kontrollversagen auf allen Ebenen. Das beginnt beim zahnlosen Wirecard-Aufsichtsrat, der eher Erfüllungsgehilfe als Kontrolleur des Vorstands um Mitgründer Markus Braun war. Es geht weiter bei den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young, die jahrelang Wirecard-Bilanzen durchgewunken und erst jetzt für den Geschäftsbericht 2019 ihr Testat verweigert haben.

Bafin spielt unrühmliche Rolle

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Unrühmlich ist auch die Rolle der heimischen Finanzaufsicht Bafin, die sich viel zu lange hinter das Wirecard-Management gestellt hat, obwohl Enthüllungsberichte britischer Journalisten längst eine ganz andere Geschichte erzählt haben. Vor Jahresfrist hat die Bafin Strafanzeige wegen Marktmanipulation in Sachen Wirecard gestellt. Aber nicht gegen das Unternehmen und dessen Manager, sondern gegen Börsenhändler und Journalisten. Zeitweise hat die Bafin sogar die Spekulation mit Wirecard-Aktien verboten und damit den Unschuldsbeteuerungen des Unternehmens zu einiger Glaubwürdigkeit verholfen. Heute erkennt Bafin-Chef Felix Hufeld eigene Fehler an.

Der Fall des Dax-Konzerns zeigt, dass Unternehmen in Deutschland besser kontrolliert werden müssen. Ziel einer Reform muss es sein, für klare Zuständigkeiten und Befugnisse zu sorgen. Sonst droht ein fatales Szenario: Internationale Investoren könnten sich mit Schaudern von Deutschland abwenden, wenn sich Skandale wie bei Wirecard wiederholen sollten.

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