Wie sicher ist das Geld bei meiner Hausbank?

  • Nach den Pleitesorgen um die Bremer Greensill-Bank machen sich Verbraucher Gedanken um ihr Barvermögen auf dem eigenen Bankkonto.
  • Doch ein Sicherungssystem schützt in Deutschland die Einlagen vieler privater Bankkunden.
  • Bisher ist es nicht vorgekommen, dass hierzulande ein Sparer wegen einer Bankenpleite Geld verloren hat.
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Vor zwei Wochen hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin entschieden, die Bremer Greensill-Bank AG wegen drohender Überschuldung zu schließen. Für die Kunden der Banktochter des britisch-australischen Finanzkonzerns Greensill bedeutete dies, dass sie von einem Tag auf den anderen kein Geld mehr bekamen.

Kunden haben keinen Zugriff auf Guthaben

Die Bank wurde seitens des Bafin mit sofortiger Wirkung für den Kundenverkehr geschlossen, um durch dieses sogenannte Moratorium Vermögenswerte zu sichern. Das heißt, Kunden haben kurzfristig keinen Zugriff auf ihre Guthaben. Unter einem Moratorium versteht man ein Zahlungs- und Veräußerungsverbot durch die zuständige Aufsichtsbehörde, in diesem Fall die Bafin. Das klingt auf den ersten Blick für den Verbraucher widersprüchlich: Eine Bank wird geschlossen, um Geld zu sichern, man selbst kommt aber nicht an das eigene Geld. Geht das?

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Mit dieser Maßnahme will die Bafin eine Pleite der Bank, in diesem Fall der Greensill-Bank AG, verhindern und somit auch sicherstellen, dass private Bankkunden am Ende nicht in die Röhre schauen und ihr Geld, das sie bei der Bank auf dem Konto haben, wiederbekommen. Mittlerweile hat die Bafin als nächsten Schritt einen Insolvenzantrag für Greensill gestellt. Der Antrag vom Montagabend werde derzeit am Bremer Amtsgericht geprüft, so eine Sprecherin.

Bankenlandschaft verfügt über Einlagensicherungssystem

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Die gute Nachricht für Verbraucher und private Bankkunden: Es gibt ein Einlagensicherungssystem, dass nicht nur im Fall Greensill Bank, sondern für alle in Deutschland ansässigen Banken aktiv wird, wenn es zu einem solchen Fall kommt. Denn das deutsche Bankensystem verfügt laut der Bafin seit mehr als 40 Jahren über „eines der leistungsfähigsten Einlagensicherungssysteme weltweit“.

Jeder Bankkunde wird durch eine Kombination aus gesetzlicher und freiwilliger Einlagensicherung umfassend geschützt. Bisher ist es nicht vorgekommen, dass in Deutschland ein Sparer wegen einer Bankenpleite Geld verloren hat.

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Die gesetzliche Einlagensicherung schützt dabei 100.000 Euro pro Einleger pro Bank. Das bedeutet: Geht ein Geldinstitut pleite, sind die Gelder eines jeden Kundenkontos bis 100.000 Euro sicher geschützt und der Kunde verliert davon keinen Euro. Spannender wird es ab 100.001 Euro auf dem einzelnen Konto eines Kunden:

Ab 100.000 Euro greifen Einlagensicherungsfonds

Ein Verbraucher kann durch die gesetzliche Einlagensicherung auch über einer Summe von bis zu 500.000 Euro über einen Zeitraum von sechs Monaten abgesichert sein, wenn es sich beispielsweise um Erlöse eines Immobiliengeschäfts handelt. Auch größere Summen im Zusammenhang unter anderem mit Heirat, Scheidung, Renteneintritt, Pflegebedürftigkeit, Invalidität, Behinderung oder Tod fallen unter diese Sonderregelung.

Abseits davon müssen ab Summen von mehr als 100.000 Euro dann die freiwilligen Einlagensicherungssysteme der Banken greifen, denen die meisten Institute auch angehören und die dem Bankkunden einen weitergehenden Schutz bieten und nicht selten die Einlagen im Millionenbereich absichern.

In Deutschland gibt es vier dieser freiwilligen Einlagensicherungssysteme: den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), den Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe im Deutschen Sparkassen- und Giroverband und für die Volks- und Raiffeisenbanken die BVR-Institutssicherung. Wichtig zu wissen ist, dass nur natürliche Personen, das heißt private Anleger und Stiftungen, durch die freiwillige Einlagensicherung geschützt sind. Kreditinstitute oder Kommunen sind es nicht.

Aufpassen bei Filialen ausländischer Banken

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Wer als Kunde wiederum ein Konto bei deutschen Filialen oder einer Zweigniederlassung einer ausländischen Bank hat, ist mit seinem Vermögen nicht über die deutsche (gesetzliche) Einlagenabsicherung abgedeckt.

Hier greift die Einlagensicherung des jeweiligen Landes, in dem die Mutterbank ihren Sitz hat. Im europäischen Wirtschaftsraum (EWR) beträgt diese Garantiesumme pro Bankkunde aber ebenfalls 100.000 Euro pro Konto. Schweizer Banken fallen wiederum nicht unter diese Regel, da die Eidgenossen nicht dem EWR angehören.

Beim Wertpapierdepot läuft es anders

Viele Kunden haben bei einer Bank aber nicht nur (Giro-)Konten, sondern auch ein Wertpapierdepot. Aktien und andere Wertpapiere sind vom Einlagensicherungsfonds nicht geschützt. Aus einem einfachen Grund.

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Die Bank ist lediglich Verwahrort, Aktien sind Sachwerte und somit Eigentum des Kunden. Geht eine Bank pleite, bei der man ein Aktiendepot hat, kann man von ihr verlangen, das komplette Depot auf ein anderes Bankhaus zu übertragen. Dies geht auch während der Zeit des Moratoriums, denn die Bank „darf trotz des Zahlungs- und Veräußerungsverbotes diesem Begehren nachkommen, da ihr die Herausgabe fremder Sachen nicht verwehrt ist“, wie es beim Bundesverband deutscher Banken e.V. heißt.

Tipp: Geld auf mehreren Banken verteilen

Verbraucher, die sich Sorgen um ihr Geld machen und nicht wissen, inwieweit die eigene Bank der sichere Ort für das Ersparte ist, können ganz einfach die Sicherheit des Guthabens bzw. ihrer Bank überprüfen, indem Sie eine Abfrage dazu starten. Die lange Liste von Banken auf dem Portal des Bundesverbands deutscher Banken zeigt aber auf, dass Bankkunden sich eigentlich keine Sorgen um ihr Geld machen müssen.

Letztlich ist es aber auf jeden Fall sinnvoll, bei einem Barvermögen von mehr als 100.000 Euro das Geld auf Konten von mehreren Banken zu verteilen. Damit hat man Sicherheit und erspart sich in Zeiten von Niedrigzinsen vielleicht auch die eine oder andere Zahlung von Negativzinsen.

RND/dpa

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