Mehr Hitze, mehr Starkregen: Wie sich die Bahn auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet

  • Eine Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung für die Deutsche Bahn zeigt, wie anfällig die Bahn immer noch bei Hitze ist.
  • Auch in der aktuellen Hitzewelle kommt es bereits zu Störungen an der Strecke.
  • Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel fordert, auch bei milderen Wintern die Vorbereitung auf Eis und Schnee nicht zu vernachlässigen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Deutsche Bahn (DB) muss ihre Züge und Strecken stärker gegen Hitze und Starkregenereignisse schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Klimastudie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) für den Staatskonzern. Die Forscher geben erstmals für 34 Verkehrsregionen Prognosen ab, wie sich Hitze, Frost, Stürme und Starkregen auswirken werden.

„Die Zahl der Hitzetage nimmt zu und wird weiter zunehmen“, sagte PIK-Direktor Ottmar Edenhofer. „Zwischen 2031 und 2060 wird ein weiteres Grad hinzukommen“, das bedeutet im Durchschnitt mehr als elf Tage mehr Hitze pro Jahr.

Anzeige
Video
Warnstreiks bei Deutscher Bahn erwartet
0:51 min
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, kurz GDL, erklärte am Dienstag ihre Tarifverhandlungen mit dem Unternehmen für gescheitert.  © dpa

Die aktuelle Hitzewelle habe bereits zu verstärkten Störungen bei der Bahn-Infrastruktur geführt, sagte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Bei den in der Vergangenheit anfälligen Zug-Klimaanlagen sorge die DB vor: Sämtliche neu angeschaffte Fernverkehrszüge seien auf ein stabiles Raumklima ausgelegt – der ICE 4 sei sogar für Außentemperaturen bis 45 Grad ausgelegt.

Um die Stabilität der Klimaanlagen in ihren Fernverkehrszügen zu gewährleisten, wende die DB jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag auf.

Die Bahn will zudem vom konventionellen Dieselantrieb wegkommen, um schneller als geplant klimaneutral zu werden, kündigte Pofalla an. Eine Möglichkeit seien „Oberleitungsinseln“ für Akkuzüge auf nicht durchgehend elektrifizierten Strecken. Ein DB-Versuchszug, der mit Biodiesel aus aufbereiteten organischen Reststoffen fährt, sei störungsfrei im Streckennetz unterwegs.

Anzeige
Hauptstadt-Radar Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Das Bundesverkehrsministerium stellt der Bahn Fördermittel in Höhe von 227 Millionen Euro für alternative Antriebe bereit. Im Fokus stehen Antriebe auf Basis von Batterien und Wasserstoff, teilte das Ministerium am Freitag in Berlin mit.

Anzeige

Auch der Aufbau der notwendigen Lade- und Tankinfrastruktur werde unterstützt. „Um noch umweltfreundlicher unterwegs zu sein, setzen wir die Schiene weiter unter Strom – und ersetzen Dieselloks durch saubere Fahrzeuge mit Batterie und Brennstoffzelle“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Ziel des Elektrifizierungsprogramms ist, dass bis 2050 alle gefahrenen Zugkilometer elektrisch beziehungsweise klimaneutral zurückgelegt werden. Dafür sollen 70 Prozent des Schienennetzes mit Oberleitungen ausgerüstet werden. Auf Strecken ohne Oberleitungen sollen die Züge mit alternativen Antrieben fahren.

„Einmal mehr wird deutlich, wie schnell die Klimakrise voranschreitet und wie stark wir die Folgen in unserem Alltag zu spüren bekommen“, sagte der Bahnexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Nur eine topgewartete ICE-Flotte mit funktionsfähigen und belastbaren Klimaanlagen ist gegen länger andauernde Hitzewellen gewappnet“, betonte er.

Anzeige

Bei künftigen Fahrzeugbeschaffungen müsse „gerade bei der Klimatisierung großer Wert auf die mehrfache Redundanz der technischen Systeme gelegt werden“ – es müsste also mehrere voneinander unabhängige Klimaanlagen geben, wie bereits beim neuen ICE 4.

Gastel warnte zudem vor Nachlässigkeit beim Winterdienst: „Allerdings darf der künftig erwartbare Rückgang von Eistagen nicht zu falschen Rückschlüssen führen“, sagte er und verwies auf den zehntägigen Wintereinbruch im Februar, der zu umfangreichen Streckensperrungen führte. Pofalla räumte ein, dass es hier ein Manko bei der Ausbildung gäbe: Auch neu eingestellte Eisenbahner müssten für die Aufgaben bei einem Wintereinbruch trainiert werden.

RND

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen