Wie Pro Sieben Sat.1 unter Corona leidet – und um Marktanteile kämpft

  • Die Pandemie ist für die TV-Gruppe paradox.
  • Sie bringt mehr Zuschauer und weniger Werbung.
  • Aber Letzteres ändert sich gerade wieder zum Besseren – ist das schon die Trendwende?
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München. Medien von gedruckter bis digitaler Form inklusive Fernsehen waren zuletzt gefragt wie nie. Zugleich hielten sich aber Werbekunden zurück. Insofern ist die Münchner TV-Gruppe Pro Sieben Sat.1 das Spiegelbild einer weit gefächerten Branche. “Seit Beginn des Jahres hat sich die Gesamtsumme der gesehenen Minuten auf allen unseren Kanälen und digitalen Plattformen um 3,4 Prozent erhöht”, freut sich Pro-Sieben-Sat.1-Chef Rainer Beaujean mit einemlachenden Auge. Bemerkenswert ist das, weil diese Minuten in Vorjahren stetig rückläufig waren und in der Pandemie auch andere Medien mehr Aufmerksamkeit erfahren.

Die Werbeerlöse sind rückläufig – aber nicht mehr ganz so stark

Beaujeans weinendes Auge blickt auf ein Werbeminus, das sich zum Halbjahr in einem auf 1,6 Milliarden Euro um 12 Prozent verminderten Konzernumsatz ausdrückt. Auch in dem Punkt macht sich in der Pro-Sieben-Sat.1-Zentrale aber wieder Optimismus breit. “Wir sehen eine Konjunkturaufhellung und erste positive Tendenzen im Werbegeschäft”, sagt Beaujean. Waren die Werbeerlöse im zweiten Quartal noch um ein Drittel rückläufig, sind sie im Juli noch um ein Fünftel niedriger, für den August zeichne sich ein Werbeminus von noch einem Zehntel ab.

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Setzt sich diese Tendenz fort, könnte die Sendergruppe bis Ende des Jahres mit einem blauen Auge davonkommen. Denn die mit Blick auf Werbeeinnahmen bei Weitem wichtigsten Monate des Jahres sind die von September bis Dezember. Sie spülen traditionell die Hälfte aller Gewinne in die Kasse. Aufholen könne man die durch die Pandemie bedingten Rückgänge aber nicht mehr, stellt Beaujean klar. Möglicherweise sind jedoch Verluste für das Gesamtjahr noch zu vermeiden.

Digitalgeschäft mit Partnervermittlung boomt

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Ende Juni steht ein Halbjahresverlust von 30 Millionen Euro zu Buche, nachdem Pro Sieben Sat.1 voriges Jahr um diese Zeit noch 215 Millionen Euro Gewinn erzielt hatte. Es hätte schlimmer kommen können ohne die Tochter Nucom. In ihr sind auf den TV-Sendern der Gruppe heftig beworbene Digitalunternehmen wie die Partnervermittlung Parship oder der Kosmetikversender Flaconi gebündelt, die in Pandemiezeiten stark gefragt waren. Parship konnte um fast die Hälfte, Flaconi um über zwei Drittel zulegen, betonte Beaujean. Als Ganzes zur Disposition steht Nucom nun nicht mehr, währen vor Ausbruch der Pandemie noch ein Verkauf im Raum gestanden hat. Vielmehr werde Pro Sieben Sat.1 werthaltig gemachte Nucom-Firmen verkaufen oder an die Börse bringen, aber im Gegenzug auch neue zukaufen, sagt der Konzernchef jetzt.

Kerngeschäft sei aber das Fernsehen, wo man vor allem mit Eigenproduktionen und weniger US-Material der Konkurrenz wieder Marktanteile abjagen wolle. Auch hier hat die Pandemie Sand ins Getriebe gebracht, weil in den letzten Monaten gut ein Viertel der Produktionen wegen Infektionsgefahren abgesagt oder verschoben werden mussten. Diese Hürde ist überwunden. “Unsere Pipeline für den Herbst ist gefüllt”, verspricht Beaujean den Fans von Pro-Sieben-Sat.1-Shows und Serien.

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Trotz Pandemie: Pro Sieben Sat.1 will keine Stellen streichen

Auch für das eigene Personal hat er beruhigende Worte. Stellen müssten wegen der Pandemie wohl nicht gestrichen werden. Die Zahl der Kurzarbeiter im Konzern sei auch rückläufig auf noch 1000 Beschäftigte. Ein zweiter Shutdown der heimischen Wirtschaft darf allerdings nicht kommen.

RND

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