Wie amerikanisch wird die Deutsche Telekom?

  • Bislang war der Widerstand gegen die Fusion der US-Telekom-Tochter T-Mobile mit dem Rivalen heftig.
  • Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, hat jüngst ihren Widerstand aufgegeben.
  • Für die Telekom bedeutet das, dass das US-Geschäft bald wichtiger als der Heimatmarkt sein dürfte.
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Es dürfte mehr als nur ein weiterer Trippelschritt sein: Die Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaates New York, Letitia James, hat erklärt, dass sie doch keine Berufung gegen die Genehmigung der Übernahme des Mobilfunkers Sprint durch die Telekom-Tochter T-Mobile US einlegen wird. James betonte, sie setze nun darauf, dass für die Nutzer bestmögliche Preise erzielt, Infrastruktur für den Mobilfunk aufgebaut und gutbezahlte Jobs geschaffen würden.

Die Vorgeschichte: Vorige Woche hatte ein Bezirksgericht in New York Klagen von 14 Bundesstaaten gegen den Deal abgelehnt. Die Vertreter mehrerer Staaten kündigten Berufung an – befürchtet werden vor allem steigende Preise für Nutzer. Dass James jetzt überraschend ausschert, ist bemerkenswert, da sie die führende Klägerin war. Ob andere Bundesstaaten ihr folgen werden, war am Montag zunächst unklar. Vieles dürfte vom Generalstaatsanwalt von Kalifornien, Xavier Becerra, abhängen, der der zweite wichtige Wortführer der Klagenden ist.

Die US-Tochter wächst und wächst und wächst

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Die Aktien der deutschen T-Mobile-Mutter legten am Montag noch einmal merklich zu. In den vergangenen fünf Handelstagen haben sich die Telekom-Aktien um mehr als 5 Prozent verteuert. Kein Wunder, ist doch der schon vor knapp zwei Jahren ausgehandelte Deal nicht nur für T-Mobile wichtig, sondern für den gesamten Telekom-Konzern von massiver Bedeutung. Die US-Tochter ist bereits jetzt die mit Abstand wichtigste Sparte des teilstaatlichen Unternehmens. Sie steuerte zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes bei und sie ist die am schnellsten wachsende Division.

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T-Mobile hatte Ende September mehr als 84 Millionen Kunden (Deutschland: 45,5 Millionen). Mit der Übernahme, das Volumen lag bislang bei 26 Milliarden Dollar, käme der Telekom-Ableger auf rund 130 Millionen, er würde damit zu den Branchenriesen AT&T und Verizon aufschließen. Die Manager wollen sich mit der Akquisition vor allem wertvolle Funkfrequenzen sichern, ansonsten drohen Engpässe im Netz.

Telekom braucht neue Strategie

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Branchenkenner gehen davon aus, dass der Telekom-Vorstand dem gesamten Konzern eine neue Strategie verpassen wird, wenn der Deal endlich unter Dach in Fach gebracht werden sollte. Es dürfte dabei einerseits darum gehen, wie die bislang weitgehend eigenständig arbeitende Tochter näher an das Hauptquartier in Bonn gebunden werden kann. Andererseits wird die Übernahme so viel Geld kosten, dass die selbst gesteckte Verschuldungsgrenze im Verhältnis zum Gewinn überschritten wird.

Verkauft die Telekom bald andere Tochter-Unternehmen?

Die Analysten des Bankhauses Lampe gehen deshalb davon aus, dass in Bonn „weitreichende Maßnahmen zum Umbau“ längst durchgespielt werden. Die Verschuldung ist bereits üppig. Sie lag zuletzt bei knapp 79 Milliarden Euro. Viele Experten gehen davon aus, dass die Telekom sich mit Verkäufen neue finanzielle Spielräume verschafft. Zur Disposition sollen unter anderem wenig lukrative Mobilfunktöchter in Südosteuropa stehen. Zudem wird gemutmaßt, dass der Vorstand größere Teile des beträchtlichen hiesigen Immobilienbesitzes veräußern könnte. Auch der Verkauf von Funktürmen und anderer Sendeanlagen – bei gleichzeitigem Zurückmieten – soll im Gespräch sein. Um die 47 Milliarden Euro könnten insgesamt in die Kassen gespült werden.

Massive Investitionen in die USA

Doch bevor all dies angepackt wird, dürfte der Preis noch einmal verhandelt werden. Denn T-Mobile hat in den vergangenen zwei Jahren seinen Wert deutlich gesteigert, während Sprint ins Straucheln kam – der Mobilfunker ist mittlerweile zu klein, um in dem extrem dynamischen Geschäft dauerhaft mithalten zu können. Günstigere Konditionen kann die Telekom gut gebrauchen.

Denn es stehen gigantische Investitionen in den USA an. Dort wird der Mobilfunk schon in den nächsten zwei, drei Jahren auf die neue 5G-Technik umgestellt. Die ermöglicht zehnmal höhere Übertragungsgeschwindigkeiten. Dafür müssen die Funknetze aber mit deutlich mehr Sendeanlagen ausgestattet werden. Das kostet Milliarden.

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Das Telekom-Geschäft wird amerikanischer

Nach den USA steht dies auch in Europa an. Und “nebenbei” will die Telekom hierzulande auch noch das Festnetz auf Gigabit umstellen – was das aufwendige Verlegen von Glasfaserkabel bedeutet. Sicher ist, mit dem Sprint-Deal wird die Telekom eine deutliche Schlagseite in Richtung USA bekommen. Zugleich will die Bundesregierung aber ihren Anteil behalten. Knapp ein Drittel der Aktien gehört dem deutschen Staat.

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