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Westfleisch-Betriebe: Dissen darf vorerst weiterproduzieren – Coesfeld startet Testbetrieb

  • In zwei Fleischbetrieben der Firma Westfleisch wurden vermehrt Corona-Fälle gemeldet.
  • In Dissen dürfen Restbestände noch zerlegt werden, bevor der Betrieb geschlossen wird.
  • Beim Standort Coesfeld startet am Dienstag dagegen wieder der Betrieb – im Testmodus.
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Dissen/Coesfeld. In einem Westfleisch-Werk in Dissen, welches das Unternehmen gemeinsam mit Danish Crown in Niedersachsen betreibt, waren am Wochenende zahlreiche Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden. Dort waren bei 92 von 278 getesteten Personen Coronavirus-Infektionen festgestellt worden. Der Betrieb soll für zwei Wochen geschlossen werden – allerdings erst nachdem bereits im Betrieb gelagertes Fleisch und welches, das sich in Auslieferung befindet, zerlegt wurde.

Der Betrieb ist aus das Zerlegen von Schweinehälften spezialisiert, was nur auf wenige Betriebsstätten zutrifft. In einer Meldung des Landkreises Osnabrück heißt es, der Betrieb dürfe gelagertes Fleisch und “Fleischmengen, die bereits in Lastwagen aus ganz Europa angeliefert werden und nicht mehr gestoppt werden können, in den kommenden Tagen noch verarbeiten”. Erst dann werde der Betrieb vollständig geschlossen. Die Entscheidung habe der Landkreis Osnabrück gemeinsam mit dem niedersächsischen Sozialministerium und dem Landesgesundheitsamt getroffen.

Grund dafür ist, dass das Dissener Unternehmen nach gemeinsamer Einschätzung der Behörden als spezialisierter Zerlegebetrieb “als wichtiger Teil der Lebensmittelversorgung betrachtet werden” kann. Damit werde verhindert, dass Schweinefleisch in großen Mengen entsorgt werden müsse. Denn ähnlich spezialisierte Betriebe, auf die das Fleisch ausgelagert werden kann, gibt es nur wenige.

Es sollen jedoch nur negativ getestete Mitarbeitet zum Einsatz kommen und unter einem strengen Hygienekonzept arbeiten, das “für die Abläufe im Betrieb als auch bei der Unterbringung der Arbeitskräfte” gelte, heißt es in der Mitteilung des Landkreises.

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Mitarbeiter leben teils in Sammelunterkünften

Die Dissener Mitarbeiter stammen überwiegend aus Polen und Rumänien und waren der niedersächsischen Sozialministerin Reimann zufolge in Einzel- und Sammelunterkünften untergebracht. Das Osnabrücker Gesundheitsamt habe alle Unterkünfte überprüft. Eine zweiwöchige Quarantäne sei für die positiv Getesteten und die Kontaktpersonen angeordnet worden. Positiv Getestete, die nicht in ihrer Unterkunft isoliert werden können, sollen im Kreis Osnabrück in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Die negativ Getesteten sollen in Einzelzimmer kommen. Die Kosten müsse das Unternehmen tragen, sagte Reimann. Weitere Kontaktpersonen sollen nun ermittelt werden.

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Durch die positiven Befunde in Dissen sind die Infektionszahlen im Kreis Gütersloh, wo Betroffene ihren Wohnsitz hätten, wieder gestiegen. Von den 27 Neuinfektionen sind 26 bei der Reihentestung in Dissen gefunden worden, teilte der Kreis am Montag mit. Dabei waren 17 der Werksarbeiter in Borgholzhausen gemeldet, sechs in Versmold und drei in Rheda-Wiedenbrück. Der Kreis prüft jetzt, ob die Betroffenen tatsächlich an ihren Meldeadressen wohnen.

Nach Angaben der niedersächsischen Landesregierung sind beide Standorte, also Coesfeld und Dissen, vom gleichen Dienstleister mit Personal versorgt worden. “Bei den betroffenen Mitarbeitern handelt es sich größtenteils um Arbeiter eines Subunternehmers, der auch das Personal im Westfleisch-Schlachthof in Coesfeld stellt”, sagte am Montag die niedersächsische Sozialministerin, Carola Reimann (SPD), in Hannover.

Testbetrieb in Coesfeld

Westfleisch nimmt am Standort Coesfeld am Dienstag nach etwa einwöchiger Zwangspause testweise den Betrieb wieder auf. Das teilte das Unternehmen am Montag in Münster mit. Im ersten Schritt würden aber noch keine Schweine geschlachtet. Zusammen mit den Überwachungsbehörden würde der Betrieb stufenweise wieder hochgefahren. Am Mittwoch sollen dann die ersten 1500 Schweine in einer zweiten Testphase geschlachtet werden. “Wir freuen uns sehr, dass wir in unserem Betrieb in Coesfeld nun wieder unsere Arbeit aufnehmen dürfen”, sagte Carsten Schruck, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Westfleisch-Konzerns, laut Mitteilung. Anschließend sieht das Konzept eine schrittweise Erhöhung der Schlachtmenge vor.

Der Kreis Coesfeld hatte das Werk vorübergehend geschlossen, nachdem in der Corona-Krise zahlreiche Werksarbeiter positiv getestet worden waren. Bis Ende vergangener Woche lagen in Coesfeld knapp 270 positive Coronavirus-Tests bei rund 1200 Mitarbeitern vor. Das NRW-Gesundheitsministerium hatte daraufhin Tests in der gesamten Branche angeordnet. Die hohe Zahl der positiven Tests hatte dazu geführt, dass im Kreis Coesfeld einige Lockerungen in der Corona-Krise erst mit einer Woche Verspätung gültig wurden.

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Westfleisch sucht Auswege aus der Krise

Westfleisch mit der Firmenzentrale in Münster will jetzt die Ursachen klären: “Nun gilt es, so rasch wie möglich die Gründe für das Testergebnis zu analysieren”, sagte am Montag der geschäftsführende Vorstand des Schlachtkonzerns Westfleisch laut einer Unternehmensmitteilung.

Als erste Maßnahme kündigte der Konzern am Montag an, dass sich das Unternehmen von einem externen Werkvertragsunternehmen trennt. Die betroffenen 350 Beschäftigten würden übernommen. Außerdem will sich Westfleisch um die Mietverhältnisse und den Transport in die Werke kümmern.

Die Reihenuntersuchung bei Westfleisch-Konkurrent Tönnies hat nach Angaben des Kreises Gütersloh einen weiteren positiven Corona-Befund ergeben. Demnach wurden jetzt von 5233 getesteten Tönnies-Mitarbeitern vier positiv auf das Corona-Virus getestet.

RND/vca/dpa

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