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Was ein Prozess in den USA mit dem Rätsel um den Bitcoin-Erfinder zu tun hat

  • Mit Spannung erwartet wird das Urteil eines Geschworenengerichts in Florida.
  • Dabei geht es um die unglaubliche Summe von 189 Milliarden Dollar.
  • Und es geht um das Rätsel, wer die Kryptowährung erfand und die ersten Bitcoins schürfte.
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Hannover. Es ist eines der größten Mysterien der digitalen Neuzeit: Wer hat den Bitcoin erfunden? Ein Blick in Wikipedia bringt nur scheinbar Klärung. Die Veröffentlichung eines sogenannten Whitepapers im Jahr 2008, einer Art Arbeitspapier also, gilt als die eigentliche Geburtsstunde der Kryptowährung, deren Kurs am Mittwoch bei etwas über 50.000 Euro lag. Autor dieses Papiers war ein gewisser Satoshi Nakamoto – ein Pseudonym, über dessen Identität seit über einem Jahrzehnt gerätselt wird.

Vor einem Bezirksgericht im südlichen Florida nähert sich nach über zwei Jahren ein Verfahren seinem Ende, welches in die Frage, wer oder was sich hinter Satoshi Nakamoto verbirgt, ein wenig Licht bringen könnte – auch wenn die Geschworenen eigentlich etwas ganz anderes klären müssen.

Angeklagt ist der australische Informatiker und Kryptowährungspionier Craig Steven Wright. Der 51-Jährige wird von Ira Kleiman auf die schwindelerregende Summe von 189 Milliarden Euro verklagt, umgerechnet 167 Milliarden Euro, was dem dreieinhalbfachen Verteidigungshaushalt Deutschlands im Jahr 2021 entspricht.

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Ira Kleiman ist der Bruder des 2013 im Alter von 46 Jahren verstorbenen Dave Kleiman, eines weiteren Kryptowährungspioniers, der angeblich mit Wright zusammen die ersten Bitcoins schürfte und von diesem dann um seinen Anteil gebracht wurde.

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„Wir glauben, die Beweise werden zeigen, dass es eine Partnerschaft gab, in deren Folge über eine Million Bitcoin geschürft wurden“, sagte Kleimans Familienanwalt Vel Freedman dem „Wall Street Journal“. Ira Kleiman hat vor Gericht ausgesagt, Wright und sein Bruder hätten 2011 in Florida eine Firma gegründet – die „W&K Info Defense Research LLC“. Diese Firma hätte in der Zeit ihrer Existenz einen Bestand von 1,1 Millionen Bitcoin geschaffen.

Kleiman beansprucht im Namen seines Bruders die Hälfte der Summe – inzwischen stieg der Preis für einen Bitcoin von damals weniger als einem Cent auf heute 68.521 US-Dollar. Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Klage, im Februar 2018, war die fragliche Bitcoin-Menge etwas mehr als 10 Milliarden US-Dollar, heute sind es etwa 60 Milliarden Dollar. Im Falle eines Schuldspruchs könnten die Gesamtforderungen umgerechnet sogar 189 Milliarden US-Dollar betragen, inklusive Schadensersatz- und Anwaltskosten.

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Wright bestreitet die geschäftliche Zusammenarbeit, nicht aber, den Dienst seines damaligen Freundes Kleiman in Anspruch genommen zu haben: Der habe ihm dabei geholfen, die ersten Bitcoins 2011 vor der Übernahme durch „zwielichtige“ russische Händler zu retten und sie zudem dem Zugriff der australischen Steuerbehörde entzogen, mehr aber nicht.

Streit um Identität von Nakamoto

Was den Fall aber von jedem anderen bizarren Milliardenpoker vor US-Gerichten unterscheidet, ist die Tatsache, dass Craig Wright seit 2016 behauptet, jenes mysteriöse Phantom Satoshi Nakamoto und damit der eigentliche Erschaffer des Bitcoin zu sein. Die vor Gericht geforderten Beweise dafür blieb er allerdings bislang schuldig. Auch das Kleiman-Team behauptet, Wright verberge sich hinter Nakamoto – allerdings nur zur Hälfte, die andere sei der verstorbene Dave Kleiman gewesen.

Experten sind skeptisch. Einigen Insidern gilt der 2011 verstorbene Entwickler Len Sassaman als der wahre Satoshi Nakamoto. Doch Wright überzog stets alle Kritiker, die ihn als Betrüger bezeichneten, mit Klagen.

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Unbestritten ist indes, dass Nakamoto nach seinem neunseitigen Whitepaper 2008 nur wenige Monate später das Bitcoin-Netzwerk in Betrieb nahm. Und dass er während des ersten Jahres fast eine Million Bitcoin „schürfte“. Volle zwei Jahre lang war das Phantom am Entwicklungsprozess der Kryptowährung beteiligt, Foreneinträge und digitale Gespräche belegen dies.

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Bis sich Nakamoto im Dezember 2012 praktisch über Nacht in Luft auflöste. Seitdem gibt es kein Posting mehr, keine Bitcoin-Bewegung mehr in seiner digitalen Geldbörse, die längst als die größte, schlafende digitale Schatzkammer der Menschheit gilt. Den für dieses Wallet nötigen PGP-Schlüssel konnte Wright bislang nicht liefern. Möglich ist, dass er ihn verloren hat. Dann, oder falls der echte Nakamoto-Creator tatsächlich tot ist, wäre auch das Geld verloren.

Wie schwer die Suche nach der Wahrheit ist, liegt auf der Hand. Die Jury in Florida, bestehend aus drei Männern und sieben Frauen, flüchtete sich vor dem eigentlich für vergangene Woche angekündigten Urteilsspruch zunächst in das um Thanksgiving verlängerte Wochenende. Seitdem wartet die globale Bitcoin-Community sehnsüchtig auf die Rückkehr der Jury, die für diese Woche angekündigt ist.

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