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Weihnachtsgeschäft? Spielzeugbranche warnt vor leeren Regalen und steigenden Preisen

  • Die Spielzeugbranche steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu.
  • Doch Versorgungsprobleme dämpfen die Freude im Weihnachtsgeschäft.
  • Die Branche warnt davor, mit dem Weihnachtseinkauf zu warten.
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München. In einer Branche, die nach einem Rekordjahr auf eine weitere Rekordrunde zustrebt, sollte es kein Klagen geben. Aber Wieland Sulzer klagt und er hört gar nicht mehr auf: „Ein großer Lieferant von mir mit über 800 Artikeln im Sortiment hat davon jetzt gerade noch 66 lieferbar“, schildert der Spielwarenhändler aus dem hessischen Marburg.

Die Renner seien das zudem auch nicht. Und bei einem großen deutschen Spielwarenhersteller habe er zuletzt eine Bestellung im Wert von 13.500 Euro aufgegeben. „Davon wurden 684 Euro bestätigt“, sagt Sulzer. Was der Marburger beschreibt, ist die Versorgungslage seiner Branche im Weihnachtsgeschäft, das üblicherweise rund zwei Drittel eines Jahresumsatzes ausmacht.

Der Verbandschef der Spielwarenhändler, Steffen Kahnt, und sein Kollege vom Herstellerverband, Ulrich Brobeil, haben den großen Überblick. Lücken im Regal gebe es vor allem bei elektronischem Spielzeug aus Fernost, aber wegen zunehmenden Papiermangels mittlerweile auch bei Karten- und Gesellschaftsspielen oder Puzzles. „Es ist ein Boom mit zwei Gesichtern“, beschreibt Brobeil die Lage. Große Nachfrage trifft auf Versorgungsprobleme.

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Wer dieses Jahr zu lange mit dem Weihnachtseinkauf wartet, könnte deshalb zum Verzweiflungskäufer oder zur Verzweiflungskäuferin werden, warnt Kahnt. Hersteller, die – wie die Branchengrößen Lego oder Playmobil – in Europa produzieren, seien lange von Transportproblemen verschont geblieben, sagt Kahnt. Mittlerweile mangele es aber auch an Kunststoffgranulat, was vielfach aus Asien kommt. Und auch Holz ist Mangelware geworden, was daraus hergestelltes Spielzeug trifft.

Deutschland steht relativ gut da

Dabei steht Deutschland noch relativ gut da, was die Versorgungsprobleme betrifft. Global gesehen kommen acht von zehn Spielwaren aus China. In Deutschland sind es wegen der Stärke heimischer Hersteller „nur“ 60 Prozent, doch vom weltweit grassierenden Containermangel bleibt man hierzulande nicht verschont: „In Fernost werden mit Spielwaren beladene Container wieder entladen, wenn Hersteller anderer Branchen mehr Frachtrate zahlen“, lamentiert Sulzer.

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Was den Marburger zusätzlich auf die Palme bringt, ist das Verhalten von Markenherstellern in dieser Notlage. „Wo im stationären Handel Lücken im Regal klaffen, sind herstellereigene Onlineshops gut gefüllt“, klagt Sulzer. „Von Fairness kann ich da nicht sprechen“, wettert er. Namen von Marken, die so agieren, traut er sich nicht zu nennen.

Was nach Weltuntergangsstimmung klingt, dürfte dennoch in einem neuen Rekordjahr der Branche enden. Auf 4 Prozent schätzt Kahnt das diesjährige Umsatzplus zu Endverbraucherpreisen – falls es im Handel nicht noch zu Lockdowns kommt. Damit würden hierzulande 2021 Spielwaren im Wert von 3,8 Milliarden Euro verkauft. Allerdings ist die Branche die ersten zehn Monate des Jahres um 8 Prozent gewachsen und damit erneut so stark wie 2020, was mitten in der Pandemie bereits ein fulminantes Rekordjahr war.

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Diese Entwicklung zeigt zweierlei. Erstens fällt das Weihnachtsgeschäft wohl bei Weitem nicht so gut aus, wie es sein könnte. Zweitens ist die Spielwarenbranche ein Corona-Gewinner. „Die Pandemie macht uns zu Spielern“, freut sich Kahnt mit Blick auf die beiden letzten Corona-Jahre. Von den Wachstumsschüben profitiert haben allerdings vor allem im Internet aktive Händler. Der Anteil des stationären Handels am Branchenumsatz schrumpfe von 26 Prozent 2019 auf dieses Jahr voraussichtliche 18 Prozent, schätzt Kahnt.

Onlineumsätze werden steigen

Parallel dürften die Onlineumsätze von 42 auf 58 Prozent wachsen. Die Mehrheit der Verbraucher werde Spielwaren auch nach der Pandemie weiter online kaufen, haben Umfragen ergeben. Immerhin stehe der Preis als Kaufkriterium klar an erster Stelle vor Qualität und Produktsicherheit, weiß Brobeil. „Nachhaltigkeit als Kaufkriterium kommt erst auf Rang acht“, das grüne Denken vieler Verbraucher spiegele sich nicht im Kaufverhalten wider, bedauert er.

Für Preisbewusste gibt es dabei schlechte Nachrichten. Wegen der gestiegenen Transport- und Rohstoffkosten verteuert sich Spielzeug spürbar. Auf 5 bis 15 Prozent beziffert Sulzer schon vollzogene und für Anfang 2022 angekündigte Preiserhöhungen der Hersteller.

„Bei einigen Produkten sind es bis zu 30 Prozent“, klagt er. Von einem Lieferanten habe er dieses Jahr schon 15 Preiserhöhungen erhalten. Freude macht ihm das Geschäft mit Spielwaren aktuell erkennbar nicht.

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