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Wegen Corona: Export-Einbruch prägt Wirtschaftskrise enorm

  • Fällt die Wirtschaftskrise noch stärker aus, als bisher angenommen?
  • Die Exporte deutscher Firmen waren im April so niedrig wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.
  • Doch es gibt auch positive Prognosen – etwa durch das Konjunkturpaket oder die Mehrwertsteuersenkung.
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Frankfurt am Main. Die Exporte der deutschen Firmen sind im April so stark wie niemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg geschrumpft. Die Wirtschaftskrise könnte noch stärker ausfallen, als Experten bislang erwartet hatten. Aber es gibt auch ermutigende Signale.

Was sind die Ursachen für den Export-Einbruch?

In vielen Staaten der Erde wurde die Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie in eine Art Wachkoma versetzt. In Ländern, die besonders hart getroffen wurden, gingen die Ausfuhren überproportional stark zurück. Dazu zählt Frankreich mit einem Minus von fast 50 Prozent. Der Wert der Exporte nach Italien sank um 40 Prozent, und für die USA wurden Einbußen von 35 Prozent registriert.

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Insgesamt verkauften die hiesigen Firmen noch Waren im Wert von 75,7 Millionen Euro – das war fast ein Drittel weniger als im April 2019. Und das war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der größte Rückgang seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Die Importe schrumpften im Vergleich zum März in Rekordtempo. Für 72,2 Milliarden Euro wurden noch Waren eingeführt – gut ein Fünftel weniger als vor einem Jahr. Experten hatten mit günstigeren Zahlen gerechnet.

Wird der wirtschaftliche Einbruch nun noch stärker ausfallen als erwartet?

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Hier ist vieles nur schwer absehbar. Immerhin sind sich unter anderem die EU-Kommission, die Bundesbank, die hiesigen Wirtschaftsweisen und Spitzenverbände der Wirtschaft (BDI und DIHK) mittlerweile in ihren Prognosen für den Rückgang der Wirtschaftsleistung einigermaßen einig: Alle erwarten ein Minus zwischen sechs und etwa sieben Prozent für das gesamte Jahr 2020, nach einem Rückgang um 2,2 Prozent im ersten Quartal. BDI und DIHK prognostizieren beim Export 15 Prozent weniger. Vielfach vertreten Volkswirte die Auffassung, dass der April den Tiefpunkt der Rezession markieren könnte.

Gibt es Hinweise für eine Besserung?

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Vom Statistischen Bundesamt kam am Dienstag (09. Juni) auch eine gute Nachricht: Auf den deutschen Autobahnen sind wieder mehr Lastwagen unterwegs. Die Zahl der mautpflichtigen Lkw mit mindestens vier Achsen sei von April auf Mai um 6,1 Prozent gestiegen. Die Lkw-Fahrleistung stehe im engen Zusammenhang mit der Industrieproduktion, so die Wiesbadener Statistiker. Das bedeutet auch, dass der Warenaustausch mit dem Ausland wieder in Gang kommt.

Auch die Volkswirte der Commerzbank betonen, dass die Entwicklung im Lkw-Verkehr „eindeutig eine merkliche Belebung der Wirtschaft bedeute. Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass durch Lockdown-Lockerungen und Grenzöffnungen eine Erholung schon eingesetzt habe. Bemerkenswert ist zudem, dass die Ausfuhren nach China, wo die Wirtschaft schon im April wieder hochgefahren wurde, „nur“ um knapp 13 Prozent schrumpften. Für Krüger ist aber auch klar, dass insbesondere für den Außenhandel der Weg aus dem Tal lang, steinig und unsicher sei.

Wovon wird die weitere Entwicklung abhängen?

Die Bundesbank hat in ihrem aktuellen Monatsbericht wieder deutlich positivere Töne angeschlagen als zuvor. Die Volkswirte begründen dies mit den „massiven staatlichen Hilfsprogrammen“. Vorige Woche hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket mit einem Volumen von 130 Milliarden Euro und unter anderem mit einer Mehrwertsteuersenkung für sechs Monate vorgelegt. Deshalb erwarten die Experten der Notenbank, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr um 3,2 Prozent und 2022 um noch einmal 3,8 Prozent wächst.

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Bundesbank-Präsident Jens Weitmann betont aber: Dabei werde unterstellt, dass Mitte nächsten Jahres eine wirksame medizinische Lösung zur Bekämpfung des Virus verfügbar sei. Es bestehe nach wie vor eine hohe Unsicherheit. Und das kann Gift für die Konjunktur sein. Vor allem wenn die Verbraucher hierzulande und anderswo nicht wissen, wie es weitergeht. Das führt dazu, dass sie ihr Geld zusammenhalten – die privaten Konsumausgaben waren vor der Krise in vielen Ländern der wichtigste Stabilisator für die wirtschaftliche Entwicklung. Deshalb soll auch die Mehrwertsteuersenkung dazu dienen, die Konsumlaune in Deutschland zu steigern.

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