Was wirklich teurer wird: EZB will Transparenz mit persönlichem Inflationsrechner schaffen

Im vergangenen Jahr war die Inflation sehr niedrig.

Im vergangenen Jahr war die Inflation sehr niedrig.

Die Europäische Zentralbank setzt auf Transparenz: Mit einem neuen Onlinerechner können Bürgerinnen und Bürger mit wenigen Klicks ausrechnen, wie sehr sich ihr Alltag zuletzt verteuert hat. Der Schritt fällt in eine Zeit, in der sich die EZB immer vehementer für ihren Kurs rechtfertigen muss.

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Denn die Zentralbank steht unter Druck: Die Preise in Europa steigen, es häufen sich Meldungen über teureres Öl, Holz und andere Rohstoffe ebenso wie über steigende Transportkosten in der Frachtschifffahrt. Längst ist nicht mehr auszuschließen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher das bald im Geldbeutel spüren – obwohl die offiziell gemessene Inflationsrate bei 2 Prozent und damit nicht exorbitant hoch liegt.

Doch um das Thema Inflation kursieren seit jeher viele Mythen, mit denen die EZB schon länger aufräumen will. Schließlich fußt der Wert einer heutigen Währung im Wesentlichen darauf, dass die Nutzerinnen und Nutzer auf sie vertrauen. Und das Vertrauen könnte erodieren, wenn spürbare leerere Geldbeutel von einer Teuerung zeugen, die weit höher ausfällt, als von der Zentralbank angegeben.

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Gefühlte Inflation stimmt oft nicht

Es war und ist allerdings kein Geheimnis, dass die gefühlte Inflationsrate und die gemessene Teuerung oft genug auseinanderklaffen. Das zeigt nun ein Blick auf den neuen Onlinerechner. Nur bei denen, die exakt durchschnittliche Konsumgewohnheiten haben, liegen persönliche und offizielle Inflationsrate gleichauf. Wer beispielsweise mehr Geld für Autofahrten ausgibt, kriegt hingegen vor Augen geführt, dass die persönliche Inflationsrate höher ist als 2 Prozent – was angesichts des Ölpreisanstiegs in den vergangenen Monaten keine Überraschung ist.

Hier geht es zum Inflationsrechner der Zentralbank

Zugleich machen auch psychologische Faktoren vielen Verbrauchern eine nüchterne Betrachtung der Inflation schwer. So brennen sich Untersuchungen zufolge gestiegene Preise tiefer in das Gedächtnis ein als gefallene. Auch gibt es Statistikern zufolge Preise, die Verbraucher besonders stark wahrnehmen. Das passiert vor allem bei Gütern, die man regelmäßig kauft, zum Beispiel Lebensmittel. Seltener gekaufte oder auch per Lastschrift bezahlte Waren, die günstiger geworden sind, fallen schlicht weniger auf. Auch hier hilft der Onlinerechner, um subjektive Eindrücke mit den Fakten abzugleichen. Diese erhebt die europäische Statistikbehörde Eurostat in Zusammenarbeit mit nationalen Statistikämtern. Diese prüfen, was verschiedene Waren in den einzelnen Ländern und Geschäften kosten und tragen die Daten zusammen.

EZB will ihre Geldpolitik besser erklären

Der neue Onlinerechner passt indes auch zur von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ausgegebenen Devise, die Geldpolitik der Zentralbank besser zu erklären. Dass das Not tut, hatte Lagarde schon bei ihrer Amtseinführung 2019 bekundet. Damals warfen viele Deutsche der Zentralbank aber nicht eine zu hohe Inflation, sondern die zu niedrigen Zinsen vor. Ob der optisch eher mittelmäßige Inflationsrechner an solcher Kritik etwas ändert, bleibt abzuwarten.

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Allerdings steht auch fest, dass das Thema Inflation in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnt: Die Inflationsrate hatte zuletzt die Zwei-Prozent-Marke überschritten. Aus Sicht der Zentralbank liegt das vor allem an Einmaleffekten wie der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung im Januar und der Erholung der Wirtschaft nach den Lockdowns. Trotzdem sind 2 Prozent etwas mehr, als die EZB anpeilt: Nah an, aber unter 2 Prozent soll die Teuerung eigentlich ausfallen. Erreicht die EZB dieses Ziel, kann sie aber auch die Wirtschaft mit lockerer Geldpolitik unterstützen – was sie während der Corona-Krise ausgiebig getan hat.

Bislang sieht die EZB keinen Grund, etwa mit einer restriktiveren Geldpolitik, gegen die Inflation zu kämpfen. „Unsere geldpolitische Strategie ist mittelfristig ausgerichtet und das bedeutet, dass wir durch all diese kurzfristigen Schwankungen hindurchschauen,“ erklärte kürzlich Isabel Schnabel, das aus Deutschland stammende Mitglied im Direktorium der EZB, gegenüber NTV. Ihr zufolge rechnet die Zentralbank damit, dass die Inflation in diesem Jahr in Deutschland auf über 3 Prozent steigen könnte, bevor sie im kommenden Jahr wieder deutlich sinken dürfte.

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