Warum Porsche jetzt auch Batterien baut

  • Die Luxusautomarke Porsche will jetzt selbst Batterien bauen – und sichert sich dafür Start-up-Technologie von Customcells.
  • In Tübingen soll eine kleine Fabrik entstehen.
  • Die ersten Zellen werden in Rennwagen stecken.
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Stuttgart. Porsche will sich auch beim Elektroantrieb Exklusivität sichern. Deshalb geht die Luxusmarke jetzt unter die Batteriehersteller: Gemeinsam mit dem Start-up Customcells sollen ab 2024 Hochleistungszellen gebaut werden. „Die Batteriezelle ist der Brennraum der Zukunft“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume zum Start des Projekts. Ziel sei „die leistungsstärkste Batteriezelle“, die Porsche-Fahrgefühl mit Nachhaltigkeit verbinden werde.

Auch Volvo sichert sich eigene Akkus

Die Autobauer haben lange gezögert, selbst in Zellfertigung zu investieren. Doch zunehmend stellen sie fest, dass der simple Einkauf von Standardakkus nicht reicht. So hat Volvo gerade ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Batteriehersteller Northvolt gegründet, das ein Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie eine Zellfabrik aufbauen soll, deren Produktionsstart für 2026 geplant ist. An Northvolt ist zudem bereits Volkswagen beteiligt, um sich Zugang zur Technologie und zu Produktionsmengen zu sichern. Mit Northvolt will VW auch eine Standardzelle für alle Marken und Modelle des Konzerns entwickeln. VW will mit Partnern sechs Batteriezellwerke allein in Europa bauen.

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Auch die Konzerntochter Porsche wird von VW mitversorgt. Die neuen Hochleistungszellen sind dagegen vorerst für exotische Modelle reserviert. Die geplante Fabrik hat nur eine Kapazität von rund 100 Megawattstunden. Das werde für rund 1000 Fahrzeuge pro Jahr reichen, sagte Customcells-Chef Torge Thönnessen – während Porsche dieses Jahr insgesamt rund 300.000 Autos verkaufen will. Allein vom Taycan, dem bisher einzigen reinen Elektromodell, sind mehr als 30.000 Stück geplant. Die neuen Batteriezellen sind vor allem für Wettbewerbsfahrzeuge und Kleinstserien gedacht.

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Vorsprung durch neues Material

Für besonders hohe Energiedichte und damit Leistung wird das Material der Anode geändert. Silizium statt Graphit soll außerdem kürzere Ladezeiten und höhere Temperaturen möglich machen. Als Entwicklungspartner ist auch der Chemiekonzern BASF an Bord. Die Technologie kommt aber von Customcells, einer Ausgründung des Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe. „Wir haben Customcells mit dem Ziel gegründet, kundenspezifische Batteriezellen für anspruchsvollste Anwendungen zu entwickeln, und genau das können wir jetzt gemeinsam mit Porsche realisieren“, sagte Thönnessen.

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Customcells entwickelt und produziert Akkus in Itzehoe und Tübingen. © Quelle: Markus Schwer/CUSTOMCELLS®/obs

Für das Porsche-Projekt wird die gemeinsame Cellforce Group gegründet, an der Porsche 83,75 Prozent der Anteile hält. Der Autohersteller investiert eine „hohe zweistellige Millionensumme“ – ein bescheidender Betrag im Vergleich zu den Milliarden, die sogenannte Gigafactories für die Massenproduktion kosten. Vom Bund und dem Land Baden-Württemberg gibt es zusätzlich insgesamt 60 Millionen Euro Förderung, denn die kleine Fabrik mit 80 Beschäftigten soll in Tübingen entstehen.

Synthetik-Sprit für die Klassiker

Porsche setzt bedingungslos auf Elektroantrieb. 2025 soll die Hälfte der verkauften Autos rein elektrisch oder mit Plug-in-Hybrid unterwegs sein. Auf längere Sicht soll nur dem Sportwagen 911 der Verbrennungsmotor erhalten bleiben – so lange die Zulassungsregeln das erlauben. Neben der Batterietechnik forscht Porsche deshalb auch an synthetischem Sprit, der klimaneutral hergestellt werden kann. Während diese Technologie im restlichen VW-Konzern kaum noch eine Rolle spielt, erhofft sich Porsche davon einen zukunftsfähigen Antrieb für Rennwagen und Klassiker wie den 911.

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